Hamburger SV

Acht HSV-Spieler auf Dortmunds Superstar Aubameyang

Matthias Ostrzolek (r.) konnte BVB-Stürmer
Pierre-Emerick
Aubameyang vor rund einem Jahr nicht halten. Torhüter René Adler erwischte dagegen einen Weltklasseabend

Matthias Ostrzolek (r.) konnte BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang vor rund einem Jahr nicht halten. Torhüter René Adler erwischte dagegen einen Weltklasseabend

Foto: picture alliance / Sven Simon

Beim Spiel gegen Borussia Dortmund setzt der HSV auf die defensivste Aufstellung der Saison. Hoogma sagt für Sportchefposten ab.

Hamburg.  Die Frage, wie der HSV den Dortmunder Superstar Pierre-Emerick Aubameyang stoppen will, beschäftigt Markus Gisdol schon seit mehreren Tagen. Am späten Freitagnachmittag gab der HSV-Trainer im Abschlusstraining vor der Partie an diesem Sonnabend (15.30 Uhr/Sky und Abendblatt-Liveticker) die Antwort: Erstmals seit langer Zeit wird der HSV in der Bundesliga wieder mit einer Kette aus drei Innenverteidigern spielen. Kapitän Johan Djourou, Emir Spahic und Cléber sollen den Gabuner im Verbund aufhalten. Dazu kommen vier weitere gelernte Verteidiger, die sich vor Torwart René Adler und der Dreierkette positionieren. Es könnte die defensivste HSV-Aufstellung der bisherigen Saison werden.

„Wir müssen im Zentrum Stabilität finden“, sagt Trainer Gisdol. Seine Ausrichtung ist gleichzeitig die Abkehr von einem offensiveren Fußballstil, für den er vor sechs Wochen von Clubchef Dietmar Beiersdorfer verpflichtet wurde. „Wir bedrohen das gegnerische Tor nicht. Wir erspielen uns keine Chancen“, sagte Beiersdorfer nach der Entlassung von Bruno Labbadia und erhoffte sich einen Effekt. Doch auch unter dem neuen Coach lahmt der Sturm.

Schwerpunkt auf der Abwehr

Und so bleibt Gisdol angesichts der sportlich dramatischen Lage keine andere Wahl, als den Schwerpunkt auf die Abwehr zu richten. Wenngleich er zuletzt betonte, immer auch großen Wert auf die defensive Grundordnung zu legen. „Die Basis für ein gutes Umschaltspiel und damit auch für mehr Torchancen ist die Arbeit gegen den Ball.“ Und eben jenes Umschaltspiel wird an diesem Sonnabend entscheidend sein gegen die zu erwartenden Angriffswellen des BVB.

„Dortmund spielt taktisch sehr variabel, wählt im Spielaufbau unterschiedlichste Varianten, ist in dieser Saison aber etwas fehlerhafter als im letzten Jahr“, sagt Gisdol und gibt Einblick in seinen Matchplan. „Wir müssen entsprechende Fallen aufstellen, damit wir dem BVB in der Umschaltbewegung weh tun können.“ Vor einem Jahr klappte das in Perfektion, als der HSV den BVB beim 3:1-Sieg in der ersten Halbzeit zweimal erfolgreich auskonterte.

Doch nicht nur Dortmund ist in dieser Saison anfälliger als im Vorjahr. Der HSV hat seine Stabilität, die er sich unter Labbadia erarbeitet hatte, in Gänze verloren. Nun soll die von Labbadia fast schon mantraartig gepredigte mannschaftliche Geschlossenheit wieder der Faktor sein, mit der die auf Platz 18 abgestürzten Hamburger ihren ersten Saisonsieg erreichen wollen. Abwehr ist Trumpf, lautet die Formel.

Letztmals versuchte es der HSV mit einer Kette aus drei Innenverteidigern vor drei Jahren. Auch damals hieß der Gegner Borussia Dortmund, der Hamburger Trainer war Thorsten Fink. Lasse Sobiech, Johan Djourou und Heiko Westermann sollten die BVB-Stars stoppen. Das Ergebnis: Der HSV verlor in Dortmund 2:6. Überragender Mann mit zwei Toren und zwei Vorlagen:
Pierre-Emerick Aubameyang.

Hamburger hoffen auf Seeler-Effekt

An diesem Sonnabend startet der HSV einen neuen Versuch. Dabei hoffen die Hamburger auch auf einen Effekt durch den 80. Geburtstag von Uwe Seeler. „Wir wollen ihm ein schönes Fest bereiten“, sagte Vorstandschef Beiersdorfer. „Das geht nur geschlossen und zusammen“. Beiersdorfer setzt auf die Tugenden, die Seeler als Spieler vorlebte. „Wir fordern von jedem Einzelnen, dass er seine Energie und all seine Kompetenzen in dieses Team einbringt“, so Beiersdorfer. „Jeder muss Mut und Zuversicht einbringen und positive Willenskraft zeigen. Dann bin ich überzeugt, dass wir den Bogen wieder kriegen. Wichtig ist, dass wir wieder Boden unter die Füße bekommen.“

Einen Rückschlag hinnehmen musste Beiersdorfer am Freitag auf der Suche nach einem neuen Sportchef. Nico Hoogma, der neben Horst Heldt als Favorit gehandelt wurde, hat dem HSV abgesagt. „Ich habe meine Bereitschaft zurückgezogen“, sagte der 48 Jahre alte ehemalige HSV-Kapitän der niederländischen Zeitung „Algemeen Dagblad“. Er sei „nicht einverstanden mit dem Prozess der Entscheidungsfindung“. Nachdem sich der Vorstand und der Aufsichtsrat am Mittwoch zu Gesprächen trafen, drängte Hoogma am Donnerstag auf eine Entscheidung. Weil Beiersdorfer noch um zeitlichen Aufschub gebeten haben soll, sagte Hoogma von sich aus ab. Schon 2010 war der Niederländer kurz davor, Sportchef beim HSV zu werden. Auch damals sagte er ab, nachdem sich die Verhandlungen zu lange hinzogen.

Als Topfavorit gilt nun der ehemalige Schalker Sportvorstand Horst Heldt. Auch Jens Todt (Karlsruher SC) und Christian Hochstätter (VfL Bochum) zählen zum erweiterten Kandidatenkreis. Nico Hoogma wird seine Arbeit indes bei Heracles Almelo in der Eredivisie fortsetzen.