Kaderplanung

HSV will Santa Cruz, Klose und einen polnischen EM-Spieler

HSV-Sportchef Oliver Kreuzer treibt an seinem ersten Tag die Planungen voran. Gehaltsniveau soll auf 38 Millionen Euro sinken. Berg, Kacar und Tesche nicht mehr für den Bundesligakader vorgesehen.

Hamburg. Er hatte sich Kaiserwetter ausgesucht. Als Oliver Kreuzer um 8.49 Uhr zum ersten Mal sein neues Büro in der Imtech-Arena betrat, begrüßte ihn seine neue Heimat mit strahlendem Sonnenschein. Angekommen im Büro, musste Kreuzer jedoch schnell feststellen, dass beim HSV ansonsten eher wenig vom sprichwörtlich eitlen Sonnenschein herrscht. Anstatt sich voller Tatendrang frei entfalten zu können, musste sich Kreuzer zunächst anhören, was alles nicht geht. Zumindest war die erste deutliche Nachricht aus dem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Carl Jarchow die, dass Kreuzer sparen muss. "Wir müssen die Kosten für den Lizenzspielerkader auf unter 40 Millionen Euro bekommen", so Kreuzer. Bislang liegen die Kosten für den Lizenzspielerkader bei rund 42 Millionen Euro, auf 38 Millionen Euro soll Kreuzer reduzieren.

Und er weiß auch schon wie. "Wir sind nicht handlungsunfähig, was neue Spieler betrifft", sagt der 47-Jährige, der bereits seit einigen Tagen intensiv mit HSV-Trainer Thorsten Fink den Kader plant. Mit interessanten Neuen - aber eben dem klaren Auftrag, sich zuvor von Spielern zu trennen. So wird Heung Min Son, der am Dienstag mit Südkorea durch ein 1:0 gegen Usbekistan einen großen Schritt Richtung WM-Qualifikation 2014 in Brasilien machte, in den nächsten Tagen an Bayer Leverkusen verkauft. Rund zehn Millionen Euro nimmt der HSV ein - allerdings darf Kreuzer das Geld nicht komplett in Neue reinvestieren.

"Es ist nicht vorgesehen, den kompletten Betrag wieder auszugeben", sagt Jarchow. Und Kreuzer ergänzt: "Wir sind dennoch darauf aus, den Spieler gleichwertig zu ersetzen. Und diese Lösung wird von außerhalb kommen." Laut „Bild“-Zeitung ist der ehemalige Bayern-Stürmer Roque Santa Cruz ein möglicher Kandidat. „Santa Cruz passt voll in unser Anforderungsprofil, dazu ist er ablösefrei“, sagte Kreuzer in der “Bild“. “Wenn so ein Mann auf dem Markt ist, sollte man sich darum kümmern.“ Fink wüsste auf jeden Fall, wen er sich da in seine Mannschaft holen würde: Mit dem 31 Jahre alten Paraguayer spielte er vier Jahre beim FC Bayern zusammen.

Ebenfalls sehr klar sind die Vorstellungen für den Defensivbereich. Zwei Innenverteidiger sollen kommen. So ist der 21 Jahre junge Pole Marcin Kaminski, derzeit noch in der ersten polnischen Ekstraklasa für Lech Posen im Einsatz, ein Kandidat. Kreuzer hatte den A-Nationalspieler, der auch bei der EM 2012 in Polen für sein gastgebendes Heimatland im Einsatz war, mehrmals beobachtet. Zuletzt im Juni dieses Jahres. Anschließend wollte der neue HSV-Sportchef den 1,91-Meter-Hünen zum KSC locken. Für die Karlsruher waren die Ablösevorstellungen Posens, die rund 400.000 Euro forderten, jedoch deutlich zu hoch. Für den HSV wäre diese Summe schon eher darstellbar, zumal Kreuzer schwärmt: "Marcin ist ein sehr interessanter Spieler. Er ist schnell, hat eine sehr gute Spieleröffnung und viel Potenzial." Die Frage, ob das für die Bundesliga reicht, wollte und konnte Kreuzer offenbar nicht beantworten. "Das bleibt abzuwarten. Aber Marcin ist ein Spieler, den wir ganz sicher im Hinterkopf behalten."

Klose als Alternative für Brasilianer Douglas

Zuvor soll ein gestandener Mann für das Abwehrzentrum verpflichtet werden. In den vergangenen Monaten hatte sich Kreuzer immer wieder den brasilianischen Innenverteidiger Douglas von Twente Enschede angesehen. Allerdings scheint der ebenfalls von Ajax Amsterdam, Schalke und Newcastle United umworbene Defensivspieler nicht mehr höchste Priorität zu genießen. Während der 25-jährige Douglas "zwar interessant, aber aktuell nicht oben auf der Liste" steht, wie Kreuzer sagt, bestätigte der Sportchef Gedankenspiele, Nürnbergs umworbenes Abwehrtalent Timm Klose nach Hamburg zu lotsen. Erste Gespräche hatten bereits stattgefunden, weitere sollen folgen. Kreuzer: "Das stimmt. Timm ist ein sehr interessanter Spieler."

Allerdings ist der Schweizer Nationalspieler mit deutschem Pass in der Bundesliga beliebt. Neben Schalke soll auch Kloses ehemaliger Trainer und jetziger Wolfsburg-Coach Dieter Hecking die Fühler ausgestreckt und damit den Preis deutlich in die Höhe getrieben haben. Von vier bis sieben Millionen Euro reicht die spekulierte Ablösesumme für den Rechtsfuß - noch zu viel für den HSV. Kreuzer vorsichtig: "Wir müssen sorgfältig prüfen, ob so ein Transfer wirtschaftlich darstellbar ist."

"Bei uns gehen Zu- und Abgänge Hand in Hand"

Das wäre der 25-Jährige wohl nur dann, wenn neben Son noch weitere Spieler abgegeben werden. "Bei uns gehen Zu- und Abgänge Hand in Hand", beschreibt Kreuzer die Situation und verliert keine Zeit. So machte er den Spielern Marcus Berg, Gojko Kacar und Robert Tesche am Dienstag klar, dass sie nicht mehr für den Bundesligakader des HSV vorgesehen sind und den Verein wechseln sollten.

"Ich habe ihnen mitgeteilt, dass es für beide Seiten keinen Wert mehr hat", sagt Kreuzer, der so auf Gehaltseinsparungen in Höhe von rund sechs Millionen Euro zuzüglich geringer Ablösesummen hofft. Dass die Spieler ihre Verträge aussitzen könnten, weiß auch Kreuzer. Nur glauben mag er daran nicht. "Es hat doch kein Fußballspieler Lust, ein Jahr lang nur auf der Tribüne zu sitzen und durch den Wald zu laufen." Ihm ist bekannt, dass die Spieler mit laufenden Verträgen die Teilnahme am Mannschaftstraining einklagen können: "Klar. Aber ich glaube nicht, dass es so weit kommt. Ich baue darauf, dass auch die Spieler erkennen, dass es hier in Hamburg einfach nicht passt für sie."

Die Verteidiger sollten sich Gedanken machen

Weitere Abgänge soll es vor allem in der Innenverteidigung geben (Slobodan Rajkovic, Paul Scharner). "Es ist doch klar, dass sich unsere Verteidiger Gedanken machen, wenn wir zwei Neue holen", sagt Kreuzer. "Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Paul Scharner dann auch sagt: Okay, dann bleibe ich lieber in England. Gut möglich, dass dann weitere Spieler gehen wollen."

Klare Ansagen, unangenehme Nachrichten und Verhandlungen mit neuen Hoffnungsträgern - Kreuzers erster Arbeitstag hatte es in sich. Und wie empfand er selbst seinen ersten Tag als HSV-Sportchef? Kreuzer überlegt kurz. Er wirkt entspannt, als er dann sagt: "Alltag. Mit wunderschönem Wetter."