Fussball-Europameisterschaft

Social Media ist ein Paradies für die Fans während der EM

Die Social-Media-Plattformen boomen dieser Tage. Die Stars in Polen und der Ukraine posten sogar, wenn die Dopingkontrolle mal länger dauert.

Hamburg. Das Boom-Thema dieser Fußball-Europameisterschaft heißt Social Media. Mit dem Ende der Vorrunde geht auch die EM auf Facebook und Twitter in die heiße Phase. Zwei Wochen lang waren die Spiele in Polen und der Ukraine eines der häufigsten Themen in den sozialen Netzwerken. Spieler und Prominente posteten banale Nichtigkeiten, Werbebotschaften oder Scherze ohne Ende. Der meistdiskutierte Name bei Twitter war jedoch Oliver Kahn. Nachdem ZDF Sportstudio-Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein ihn am Fußball-Strand auf Usedom zur Eröffnung eines Accounts überredete, diskutierte die Zwitschergemeinde wild über Kahns möglichen Namen. Nach lustig gemeinten Vorschlägen der User wie @Kahn_nix oder @Kahninchen, entschied sich der Titan letztlich für einen konservativen Benutzernamen. Als @OliverKahn veröffentlicht er seit dem Spiel gegen die Niederlande seine Tweets und hatte nach 24 Stunden bereits 20.000 Personen, die seinen Nachrichten folgten.

Der beliebteste Social-Media-Kicker der EM ist allerdings Cristiano Ronaldo. Mit über 45 Millionen "gefällt mir"-Klicks bei Facebook, und 10 Millionen Fans, die ihm bei Twitter folgen, muss der Portugiese keine Angst haben, dass Kahn ihm den Titel des populärsten Social-Media-Users streitig macht. Auch Mesut Özil, der DFB-Akteur mit den meisten Facebook-Fans, ist mit über 5 Millionen Anhängern weit hinter Ronaldo. Neben Özil sind - bis auf Lars Bender und André Schürrle - alle Spieler aus dem deutschen EM-Kader auf zumindest einem der beiden sozialen Netzwerke aktiv.

+++ Als Julia Timoshenko 90 Minuten Kapitän der Ukraine war... +++

Bundestrainer Jogi Löw outete sich allerdings schon vor der EM nicht als Freund von Facebook und Twitter: „Meine Art, zu kommunizieren, ist das nicht. Ich halte diese Form des Austausches eher für gefährlich“, erklärte er in einem Interview mit der Zeit. Wohl auch deswegen gab der DFB seiner Mannschaft für die EM einen Verhaltenskodex für soziale Netzwerke mit auf den Weg. Es darf weder über Verletzungen noch über interne Absprachen und Taktiken geschrieben werden. Die Spieler halten sich dran. Sie posten Fotos aus dem Mannschaftshotel und bedanken sich für die großartige Unterstützung. Einen Fehltritt hat sich bisher keiner der DFB-Kicker erlaubt.

Noch aktiver am Privatleben lassen uns die Stars von Welt- und Europameister Spanien teilhaben. Während kurz vor der EM noch von einem Twitter-Verbot die Rede war, meldeten sich die Stars in der Vorrunde beinahe stündlich mit Fotos und Nachrichten aus dem EM-Quartier in Gniewino/Polen. Über die Rücknahme des Verbots freute sich vor allem Mittelfeldstratege Cesc Fàbregas. „Wir dürfen nun doch twittern! Ich halte euch auf dem Laufenden“, verkündete er seinen mehr als 3,3 Millionen Fans über das soziale Netzwerk. Der Spanier hielt sein Wort. Dank ihm und seinen zwitscherfreudigen Mannschaftskollegen war zu erfahren, dass es am ersten Spieltag Pannen bei der Dopingkontrolle gab und einige Spanier gleich dreifach getestet werden mussten.

Auch die Spieler Frankreichs und Englands kommunizieren häufig mit ihren Fans. Vor dem wichtigen Spiel gegen Schweden veröffentlichte Wayne Rooney ein Foto, das ihn mit Teamkollege Ashley Young beim Pool Billard zeigt. „Rumhängen mit meinem Freund Ash, eine gute Ablenkung‘‘, schrieb er. Neuigkeiten gibt es auch aus dem dänischen Lager. Das vor EM-Beginn heiß diskutierte Social-Media-Verbot, welches selbst Politiker alarmierte, wurde mit Hilfe von Agenten und Medienberatern umgangen. Der "Eingriff in die Meinungsfreiheit", wie es Kultusminister Uffe Elbaek nannte, ärgerte auch den zunächst nach Wolfsburg zurückkehrenden Simon Kjaer: „Das ist schon komisch, aber wir akzeptieren es.“ Um die Fans nicht zu enttäuschen, ließ er während der Gruppenphase seine Berater über Twitter aktuelles Geschehen vermelden.

Fakt ist: Durch die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter erfahren die Fans oft mehr von ihren Stars als die Journalisten vor Ort. Auch das ZDF hat die Bedeutung von Social Media realisiert und berichtet nach Livespielen über den neusten Klatsch und Tratsch der Nationalspieler bei Twitter. Über 900 Millionen Menschen sind mittlerweile weltweit bei Facebook angemeldet, über 300 Millionen sind beim Microblog-ging-Dienst Twitter dabei - Tendenz bis zum Finale der Europameisterschaft weiter steigend.

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