Heute 20.45 Uhr, Spanien vs. Kroatien

Spaniens Stars wehren sich gegen Verschwörungstheorien

Lesedauer: 4 Minuten

Ein abgekartetes 2:2-Unentschieden – und beide Teams würden das Viertelfinale erreichen. Doch davon will im Vorfeld niemand etwas wissen.

Gniewino/Warka. Ein zweites Gijón? Die Schande von Danzig? Die Italiener stellen die wildesten Verschwörungstheorien auf, doch ein Kuhhandel mit Kroatien ist für Spanien völlig abwegig. "Wer denkt sich so was aus?", fragte Spielmacher Xavi vor dem übers EM-Weiterkommen entscheidenden Finale in der Gruppe C konsterniert. "Das ist kompletter Schwachsinn." Verteidiger Raúl Albiol bezeichnete die von italienischen Medien lancierten Absprachemöglichkeiten als "Dummheit" und "lächerlich". Vicente del Bosque, der seinen Vertrag als Nationaltrainer Spaniens bis zur WM 2014 verlängert hat, versicherte ebenfalls, dass es keinen Pakt gegen die Italiener gebe. "Wir sind Sportler. Kroatien und wir wollen gewinnen", hatte der Coach bereits unmittelbar nach dem Aufkommen der Spekulationen versichert. Er betonte befremdet und verärgert: "Die Frage nach einem 2:2 stellt sich für uns überhaupt nicht. Wir wollen gewinnen und sonst nichts."

Trapattoni warnt: Italien darf keine Milde erwarten

Im Fall eines 2:2 oder noch höheren Remis zwischen Spanien und Kroatien kämen sofort Erinnerungen an die EM 2004 oder die "Schande von Gijón" auf. Vor acht Jahren hatten sich Dänemark und Schweden schiedlich-friedlich 2:2 getrennt - und Italien musste heimreisen. Bei der WM 1982 in Spanien verständigten sich Deutschland und Österreich nach dem frühen 1:0 von Horst Hrubesch auf einen Nichtangriffspakt - und die Algerier waren draußen.

Sollten sich Spanien und Kroatien heute (20.45 Uhr/ZDF und im Liveticker auf abendblatt.de) in der Arena Danzig 2:2 trennen, würde Italien in der Parallelpartie gegen die bereits ausgeschiedenen Iren auch ein Kantersieg nichts nützen. Für die stets offensiv ausgerichteten Spanier sind solche Spielchen indes undenkbar. "Wir können nur angreifen. Auf ein Remis spielen ist nicht unser Ding", sagte Xavi. "Wir wollen immer gewinnen - und daran ändert sich auch gegen Kroatien nichts." Wie siegessicher und selbstbewusst Spanien dieses Spiel angeht, zeigt ihr teaminterner EM-Tipp: Schon vor Turnierbeginn sagten alle Akteure die Ergebnisse aller Partien vorher. Stürmer Alvaro Negredo legte sich für das Montags-Match auf ein 2:0 fest. Raúl Albiol konnte sich nicht mehr genau erinnern. "Ich glaube 1:0", sagte der Innenverteidiger. In Anspielung auf die Kuhhandel-Vorwürfe fügte er spöttisch hinzu: "Aber nicht 2:2." Wenigstens ist die nervige Mittelstürmer-Debatte vom Tisch. Nach Fernando Torres' Doppelpack beim glanzvollen 4:0 gegen Irland hat die klassische Nummer 9 ihren Stammplatz sicher. Auch sonst dürfte del Bosque erneut auf die bestens bewährten Kräfte bauen.

Nur kein 2:2! Italien hat Angst vor einem neuen Skandal

Die Kroaten ignorierten die Absprachevorwürfe schlichtweg und konzentrierten sich aufs Sportliche. Ihnen winkt die dritte Viertelfinal-Teilnahme bei einer EM. Trainer Slaven Bilic tönte: "Niemand ist fokussierter als wir. Psychisch sind wir sehr stark, aber wir haben auch viel Kraft." Für den Ex-Profi des Karlsruher SC hätte das Weiterkommen auch persönlich einen großen Erfolg bedeutet: Seine Amtszeit endet nach dem Turnier, und er wechselt zu Lokomotive Moskau.

Mit mehr als einem Auge blicken die "Feurigen" nach Posen. Bilic setzt große Hoffnung in die "stolze Nation" Irland: "Sie werden alles tun, um nicht ohne einen Punkt nach Hause zu fahren. Ich würde nicht mit den Italienern tauschen wollen, die unbedingt siegen müssen." Regisseur Luka Modric ist derweil überzeugt, dass Kroatien keine Schützenhilfe benötigt: "Ich bin sicher, dass wir ins Viertelfinale kommen. Wir sind das bestvorbereitete Team dieser EM." Vieles spricht dafür, dass Bilic zum dritten Mal hintereinander derselben Startelf mit fünf Bundesligaprofis vertraut. Nikica Jelavics Einsatz ist wegen einer Grippe noch fraglich. Im Fokus steht erneut Mario Mandzukic, der nach einer enttäuschenden Saison in Wolfsburg hier wie noch nie aufblüht und dem schon drei EM-Tore gelangen. Inzwischen wird der von Felix Magath wenig geliebte Stürmer sogar beim FC Barcelona gehandelt.

( (dpa) )