Fußball-Länderspiel

Per Mertesacker köpft ins englische Herz

Ausgerechnet der Profi von Arsenal London trifft im Wembley-Stadion zum 1:0-Sieg. Weidenfeller praktisch arbeitslos. Die Einzelkritik: Ein HSVer kämpft um die WM.

London. 26 Länderspiele durfte Heiko Westermann bis zum Dienstag für Deutschland bestreiten, darunter auch die Begegnung gegen England im Berliner Olympiastadion, als die DFB-Auswahl im November 2008 das bislang letzte Mal gegen die „Three Lions“ unterlegen war. An Länderspiel Nummer 27 dürfte sich der HSV-Profi noch länger erinnern.

Beim 1:0-Erfolg Deutschlands stand Westermann 67 Minuten auf dem Platz und feierte damit ein etwas überraschendes wie auch versöhnliches Happy End nach höchst turbulenten Tagen. Beim 3:5 gegen Leverkusen hatte der Außenverteidiger nach eigenen Angaben so schlecht wie fast noch nie in seiner Karriere gespielt und nur 18 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen. Selbst viele Hamburger Fans sprachen ihm danach die Eignung für die Bundesliga ab – von der Nationalmannschaft ganz zu schweigen.

„Die Nationalelf und der HSV sind zwei Paar Schuhe“, übte sich Westermann vor seiner Anreise zum DFB in Zweckoptimismus und bekam von Joachim Löw das Vertrauen ausgesprochen, der ihn wie zuletzt im Verein auf rechts verteidigen ließ.

Zwar merkte man dem 30-Jährigen besonders in der Anfangsphase einen Rest Verunsicherung an, doch mit zunehmender Spieldauer stabilisierte er sich, ohne dabei allerdings zu glänzen. Einen Filigrantechniker konnten auch die grünen Nationaltrikots nicht aus ihm machen.

Das fiel allerdings nicht besonders auf. Der ewig junge Klassiker kam nur sehr schleppend in Fahrt: Die Engländer wirkten in ihren Bemühungen wesentlich limitierter als beispielsweise die Italiener am vergangenen Freitag, während sich in Löws Team die vielen Veränderungen doch negativ auf den Spielfluss auswirkten.

In der Zentrale ließ Löw die Bender-Zwillinge agieren, wobei Dortmunds Sven etwas defensiver spielte als sein für Leverkusen spielender Bruder Lars. Rechts vor Westermann übte sich Mario Götze als Außenspieler. Doch diese Rolle scheint ihm nicht sonderlich zu liegen, weil er in einigen Aktionen doch Schnelligkeitsdefizite offenbarte.

Erst nach 30 Minuten gab es für die schon etwas gelangweilten Zuschauer im nicht ausverkauften Stadion Grund zum Jubel: England hatte seine erste Ecke erzwungen. Bis dahin gab es auf beiden Seiten keine einzige Torchance, und so war es kein Wunder, dass aus dieser Standardsituation nichts Zählbares herauskam.

Acht Minuten später versuchten sich die Deutschen das erste Mal mit einer Ecke – und sofort wurde es gefährlich, als Per Mertesacker, der die Kapitänsbinde tragen durfte, mit seinem Kopfball Torwart Hart prüfte. Wieder Eckball, und diesmal klappte es wesentlich besser: Nachdem der Ball zur Seite geklärt worden war, kam Toni Kroos wieder an den Ball und flankte erneut auf Mertesacker, der diesmal seinen Kopfball unhaltbar ins linke Eck setzte (39.). Blankes Entsetzen auf den Rängen, während die mitgereisten deutschen Fans höhnisch sangen: „Football’s coming home ...“

Zu Beginn der zweiten Hälfte spielten die Engländer etwas mutiger nach vorne, schließlich galt es, unbedingt die zweite Niederlage in Wembley nach dem 0:2 gegen Chile am Freitag zu verhindern. Doch viel bekam Torwart-Debütant Roman Weidenfeller nicht zu tun. Glück hatte er allerdings, als Andros Townsend mit einem Distanzschuss nur den Außenpfosten traf (57.).

Eine respektable Leistung lieferte Marcell Jansen in der zweiten Halbzeit ab, eingewechselt für seinen keineswegs überzeugenden Dortmunder Rivalen Marcel Schmelzer, der allerdings angeschlagen war. Ohnehin steigerten sich die Deutschen nach dem Wechsel, erspielten sich mehrere gute Chancen.

Dennoch verfolgte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Geschehen mit verkniffener Miene. Denn kurz nach seiner Einwechslung zu Beginn der zweiten Halbzeit signalisierte Mats Hummels, dass er nicht weitermachen kann. Mit einer Muskelblessur musste er schon in der 65. Minute wieder vom Feld – eine enorme Hiobsbotschaft für Borussia Dortmund. Ausgerechnet im Spitzenspiel gegen den FC Bayern am Sonnabend droht dem BVB damit der Ausfall des Innenverteidiger-Duos Mats Hummels und Neven Subotic (Kreuzbandriss).

England: Hart – Walker, Smalling, Jagielka, Cole (53. Gibbs) – Townsend, Gerrard (56. Henderson), Lallana, Cleverly (64. Wilshere), – Rooney (71. Barkley)– Sturridge

Deutschland: Weidenfeller – Westermann (67. Draxler), Boateng (46. Hummels, 65. Höwedes), Mertesacker, Schmelzer (45. Jansen) – S. Bender, L. Bender – Götze, Kroos, Reus (81. Schürrle) – Kruse (56. Sam)

Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich) Tor: 0:1 (39.) Mertesacker