Real Madrid

Kesser Özil als Bayern-Schreck - "Fehler" von Mourinho

Lesedauer: 8 Minuten
Lars Becker und Hanna Schmalenbach

Torschütze Özil glaubt an Rückkehr zum Finale – "Die Münchner bleiben ein Albtraum für Real" – Fehler von Mourinho

München. Torschütze Mesut Özil musste nach der „sehr bitteren Niederlage“ für kleine Königstiger. Bei der Dopingkontrolle hatte der deutsche Nationalspieler genügend Zeit, um die erste Pleite von Real Madrid nach 20 Spielen zu verdauen. Die „Bestia Negra“, die schwarze Bestie aus Deutschland, hatte beim 2:1 in letzter Minute wieder einmal gegen die „Königlichen“ zugeschlagen.

+++ Das Spiel im Liveticker +++

„Bayern ist nach wie vor ein Gespenst. Die Münchner bleiben ein Albtraum von Real“, schrieb die Sportzeitschrift „Marca“. Im zehnten Champions-League-Auswärtsspiel in München kassierte Real die neunte Schlappe bei nur einem Remis. Nicht nur für die Zeitung „As“ eine schlimme Erinnerung an die Vergangenheit: „Es ist egal, wer heute auf dem Spielfeld steht, irgendwie sind es immer noch Augenthaler, Hoeneß und Rummenigge. Zwar haben diese Geister ein paar Haare verloren, nicht aber ihre Wirkung auf Real.“

Zu allem Überfluss steht vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch gegen den Angstgegner aus Deutschland am Samstag auch noch der vorentscheidende „Clasico“ um die Meisterschaft beim Erzrivalen FC Barcelona an. Gegen das Team um Weltfußballer Lionel Messi hatte Real Madrid am 18. Januar seine bis dato letzte Pleite kassiert. Es könnten also ganz bittere Tage für den spanischen Rekordmeister werden.

Mesut Özil, der in der 53. Minute nach starker Vorarbeit von Cristiano Ronaldo das wichtige Auswärtstor erzielt hatte, verbreitete mit Blick auf das Rückspiel trotzdem brav Optimismus. „Wir werden das Spiel gegen Bayern zu Hause gewinnen, da sind wir noch einen Tick stärker“, sagte der Spiellenker des deutschen Nationalteams kess: „Wir sehen uns wieder in München.“

Damit meinte er das Finale der Königsklasse am 19. Mai in der Arena, wo Real zum ersten Mal seit 2002 wieder auf Europas Thron steigen will. Doch selbst der selbst verliebte Trainer Jose Mourinho scheint ein bisschen nachdenklich geworden zu sein, ob es gegen diese starken Bayern wirklich reichen wird. „Das 1:2 ist kein schlechtes Ergebnis, aber es verlangt, dass du das drehst. Es wäre zwar nicht das größte Umbiegen der Geschichte, aber du musst es erstmal schaffen.“

Ganz im Gegensatz zu seiner sonstigen Attitüde wollte der Portugiese diesmal nicht die Schuld auf Schiedsrichter Howard Webb schieben, obwohl er vor dem 0:1 eine Abseitsposition von Luiz Gustavo übersehen hatte. „Ich habe kein schlechtes Feeling gegen den Schiri. Das ist ein Fehler, den ich nicht kritisiere“, sagte Mourinho. Vielleicht war er deshalb so brav, weil er sich selbst den wohl spielentscheidenden Fauxpas geleistet hatte, als er in der 69. Minute den starken Mesut Özil ausgewechselt hatte.

„Özil rauszunehmen war ein Fehler. Er hat in der Schlussphase als Passgeber zur Entlastung gefehlt", befand nicht nur Ottmar Hitzfeld bei Sky. Er hatte Bayern 2001 als Trainer zum bislang letzten Champions-League-Triumph geführt. Und sieht Real nun vor ernsten Problemen: “Das ist natürlich ein kleiner Schock für Real. So eine Niederlage kann Spuren hinterlassen." Selbst bei kleinen Königstigern.

Internationale Pressestimmen

SPANIEN

„El País“: „Real spekulierte auf ein Remis und wurde dafür bestraft. Beide Teams zwängten die Partie in ein taktisches Korsett. Sie wussten, dass jeder Fehler entscheidende Konsequenzen haben kann, und taten daher alles, Fehler zu vermeiden.“

„El Mundo“: „Wieder einmal stolpert Real Madrid in der Hölle von München. Immer diese Deutschen! Dabei trägt der Schütze des Siegtores der Bayern einen spanischen Namen: Gómez.“

„Marca“: „Özils Tor kann Gold wert sein. Real hat gute Chancen, zum Finale nach München zurückzukehren.“

„As“: „Real kann in München einfach nicht gewinnen, auch wenn Augenthaler, Hoeneß und Rummenigge längst nicht mehr spielen. Die alten Schreckgespenster haben zwar Haare verloren, nicht aber ihre Wirkung auf die Madrilenen.“

ENGLAND

„Sun“: „Mario Gomez landete in letzter Sekunde einen Treffer und befeuerte damit Bayerns Traum von einem Finale in München.“

„Daily Mail“: „Die Bilanz von Real Madrid in München ist derart schlecht, dass man um Jose Mourinhos Hoffnungen fürchten muss, die Champions League mit drei verschiedenen Clubs zu gewinnen – selbst, wenn sie bis zum Finale in der Allianz Arena im nächsten Monat überall gewinnen. Sie sind in diesem Wettkampf zehnmal nach Bayern gefahren, und neunmal haben sie verloren.“

„The Times“: „Gómez lacht zuletzt, indem er den Bayern eine schmale Führung gibt.“

„Daily Telegraph“: „Gómez' Schmettern und Packen betäubt Real“

„The Guardian“: „Es war ein Spiel zwischen zwei Größen des europäischen Fußballs, aber es hatte eine Rohheit und eine Hitzigkeit in sich, die jeden an die Rivalität zwischen diesen Clubs erinnerte.“

ITALIEN

„La Gazzetta dello Sport“: „Bayern reale (königliches Bayern). Mou zittert. Das Gomez-Tor lässt Real erstarren.“

„Tuttosport“: „Ribery und Gomez – Oh weh, Mourinho. Bayern und Real zeigten ein wunderschönes Spiel.“

„Corriere dello Sport“: „Gomez versenkt Mourinho.“

FRANKREICH

„L'Équipe“: „Von einem explosiven Ribéry angetrieben haben die Deutschen die spanische Armada zum Kentern gebracht. Angesichts der Intensität dieser ersten Begegnung zeichnet sich für nächsten Mittwoch in Madrid ein fantastisches Halbfinal-Spiel ab.“

„France Football“: „Das ist Fußball! Bayern München hat sich in einem hochklassigen Spiel daheim im ersten Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid mit 2:1 durchgesetzt. Eine gute Nachricht für Laurent Blanc: Franck Ribéry, Schütze des ersten Treffers, hat es lichterloh brennen lassen.“

„Le Figaro“: „Die Bayern können daran glauben! Das Team galt vor dem Halbfinale als Außenseiter, aber Bayern München hat alle Voraussagen Lügen gestraft und das Hinspiel gegen Real Madrid 2:1 gewonnen.“

PORTUGAL

„Público“: „Mourinho musste in der letzten Minute der Partie schmerzhaft zur Kenntnis nehmen, dass er mit seiner vor dem Spiel gemachten Aussage Recht hatte: Die Bayern spielen wie eine echte Mannschaft.“

„Jornal de Noticias“: „Bayern ist wirklich der Angstgegner von Real Madrid in der Champions. Ironie des Schicksals: Es war ausgerechnet das Ausgleichstor von Özil (53.) nach Pass des inspirationslosen Ronaldo, der kurz davor eine Chance in unglaublicher Form vergeben hatte, das den Anfang vom Ende von Real Madrid in der Allianz Arena einleitete. Die Bayern wachten auf, Real zog sich zurück und José Mourinho setzte irrtümlicherweise auf das Unentschieden.“

„A Bola“: „Tradition hat im Fußball noch Gewicht. Die „Merengues„ können in München weiter einfach nicht gewinnen. In zehn Auswärtsspielen bei den Bayern hat die Mannschaft aus Madrid neun Schlappen kassiert und nur ein Remis erreicht. Bayern und Real waren auf der Höhe ihrer Ruhmesblätter und lieferten ein großes Match.“

Statistik:

München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Schweinsteiger (61. Thomas Müller) - Robben, Toni Kroos, Ribery - Gomez. - Trainer: Heynckes

Real: Casillas - Arbeloa, Pepe, Ramos, Coentrao - Alonso, Khedira - Di Maria (80. Granero), Özil (69. Marcelo), Ronaldo - Benzema (84. Higuain). - Trainer: Mourinho

Schiedsrichter: Howard Webb (Rotherham)

Tore: 1:0 Ribery (17.), 1:1 Özil (53.), 2:1 Gomez (90.)

Zuschauer: 66.000 (ausverkauft)

Beste Spieler: Badstuber, Schweinsteiger, Ribery - Alonso, Özil, Benzema

Gelbe Karten: Badstuber (2), Robben, Lahm (2) - Alonso (4), Coentrao (2), Di Maria, Ramos (2), Higuain (2), Marcelo

Torschüsse: 15:13

Ecken: 6:4

Ballbesitz: 53:47 Prozent

Mit Material von dapd