DEL

Ausländische Investoren an Freezers-Einstieg interessiert

 Die Profis der Hamburg Freezers sollen auch in der kommenden Saison in der Barclaycard Arena aufs Eis laufen

Die Profis der Hamburg Freezers sollen auch in der kommenden Saison in der Barclaycard Arena aufs Eis laufen

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Heute fällt die endgültige Entscheidung, ob die Hamburg Freezers auch nächste Saison antreten können. Noch gibt es Hoffnung.

Hamburg. „Es ist noch nicht vorbei!“ Mit diesen Worten umschrieb Christoph Wulf am Montagabend, was fünf Tage zuvor niemand für denkbar gehalten hätte. Seit die Anschutz Entertainment Group (AEG) am vergangenen Mittwoch bekannt gegeben hatte, als Eigner der Hamburg Freezers keine Lizenz für die Saison 2016/17 in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu beantragen, ist eine Gruppe um den früheren Freezers-Pressechef Wulf, angeführt von „Eisschränke“-Kapitän Christoph Schubert und Hockey-Nationalspieler Moritz Fürste, pausenlos damit beschäftigt, Geldgeber für die Rettung aufzutreiben.

So läuft das Lizenzierungsverfahren in der DEL

„Wenn die AEG heute anruft und fragt, ob es reicht, muss ich Nein sagen“, sagte Wulf. „Aber es gibt ein paar Dinge, die am Dienstagvormittag konkret werden könnten. Und wenn alles eintrifft, wie wir es uns wünschen, dann haben wir ein gutes Gefühl.“ Nähere Informationen zu den potenziellen Unterstützern wollte er nicht geben. Allerdings soll es in Dubai und dem europäischen Ausland zwei Interessenten geben, die die Freezers langfristig übernehmen würden. Voraussetzung ist indes die kurzfristige Rettung. „Am Anfang wurden wir belächelt, aber die Resonanz der Firmen ist so positiv. Wir werden die Nacht durcharbeiten und hoffen, dass wir Dienstag etwas anbieten können“, sagte Schubert.

Bremerhaven wäre der Nachrücker

Klar ist: Die Frist für die Beantragung einer Lizenz für die Saison 2016/17 läuft an diesem Dienstag um 24 Uhr ab. Einen Aufschub wird die Liga nicht gewähren. „Die Statuten geben das nicht her, dazu müsste der Gesellschaftervertrag geändert werden“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Mit den Fischtown Pinguins Bremerhaven, kurioserweise Kooperationspartner der Freezers, stünde ein Nachrücker aus der Zweiten Liga bereit. Eine gute Nachricht gab es immerhin von der DEL. Die Lizenzgebühr von 800.000 Euro, die anfangs als zusätzlicher Posten eingeplant worden war, müssen nur Neubewerber zahlen.

Die AEG als einziger Gesellschafter der Spielbetriebs-GmbH HEC müsse bis zum Ablauf der Frist ihre Bereitschaft bekunden, die Freezers für den Spielbetrieb zu melden. Tripcke: „Sollte die AEG nicht als Eigner auftreten, müsste man uns bis Dienstagabend den Nachfolger benennen.“ Einen solchen zu finden dürfte in der Kürze der Zeit unmöglich sein. Vielmehr ist die Hoffnung, mithilfe neuer Geldgeber den Fehlbetrag von rund 2,5 Millionen Euro, den die AEG jährlich eingefahren hatte, ausgleichen und den Eigner so davon überzeugen zu können, für eine Übergangsfrist von einer Saison im Boot zu bleiben. Ein solcher Aufschub könnte genutzt werden, um ein tragfähiges Zukunftskonzept zu erarbeiten.

Thomas Müller und die Klitschkos appellieren

Die finanzielle Unterstützung der vielen Sympathisanten soll vor allem bewirken, dass potenziellen Sponsoren die gesellschaftliche Bedeutung der Freezers deutlich wird. Auch am Montag war die Welle der Solidarität nicht abgeebbt. Bis 21 Uhr hatten auf der Crowdfunding-Plattform fairplaid.org (bit.ly/freezersretten) 1912 Unterstützer 267.140,74 Euro bereitgestellt. Ausrüster Hummel spendete eine fünfstellige Summe. 10.000 Euro kamen von den Miniatur-Wunderland-Gründern Gerrit und Frederik Braun. Sebastian Uvira, bei den Kölner Haien unter Vertrag stehender Neffe von Freezers-Zeugwart Jiri Uvira, versteigerte eins seiner Trikots zugunsten der Hamburger. Die Boxbrüder Klitschko, bekennende Eishockeyfans, warben in den sozialen Medien ebenso für Unterstützung wie Bayern Münchens Fußball-Nationalspieler Thomas Müller, der mit Freezers-Nationalstürmer Thomas Oppenheimer gut befreundet ist.

Zeichen der Solidarität, die auch bei der AEG für Eindruck sorgten. „Allerdings ist es wichtiger, dass entscheidende Unternehmer in Hamburg beeindruckt sind“, sagte Moritz Hillebrand, Sprecher von AEG Europe. Inwiefern sich Konzernchef Phil Anschutz, der die Entscheidung über Wohl und Wehe fällen muss, von Emotionen leiten lassen wird, wollte Hillebrand nicht spekulieren. „Solche Situationen entwickeln aber manchmal eine Eigendynamik, die man nicht voraussehen kann“, sagte er. Grundsätzlich gelte aber das, was man am vergangenen Mittwoch bei der Bekanntgabe des Rückzugs gesagt hatte: „Wir suchen einen Partner, der die Freezers übernimmt, und keine Sponsoren.“

Experte glaubt an Attraktivität der Freezers

Sportmarketing-Experte Raphael Brinkert glaubt, dass der Einstieg bei den Freezers für Unternehmen aus zwei Feldern interessant sein könnte. „Unternehmen mit einem natürlichen Bezug zum Eishockey wie Hamburg Wasser oder Hamburg Energie oder aber solche, die wie Versicherungs- oder Telekommunikationsfirmen auf hohe Kundenbindung setzen, könnten nachhaltig profitieren“, sagte er. Die Situation böte die Chance, den kommunikativen und sportlichen Erfolg der Freezers entscheidend zu gestalten. „Mehr kann man durch ein Investment im Sport nicht erreichen.“ Grundsätzlich versteht der Geschäftsführer der Agentur Jung von Matt/sports die Zögerlichkeit der Wirtschaft nicht. „Mutige Unternehmer würden mit offenen Armen empfangen und könnten auch hohe Loyalisierungseffekte erzielen“, sagte er. Aus Marketingsicht könne es keine bessere Geschichte geben als einen kommunikativen Neustart nach einer erfolgreichen Rettungsaktion.

Ob diese erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten, bis an diesem Dienstag die endgültige Entscheidung kommuniziert wird. Eins jedoch wollte Hillebrand klarstellen: „Wenn Christoph Schubert es wirklich schafft und uns als AEG, die wir fünf Jahre lang erfolglos nach einem geeigneten Nachfolger gesucht haben, blöd aussehen lässt, dann sehen wir gern blöd aus.“