Amateurfußball

DFB-Pokal: Teutonia wünscht sich Hamburger als Gegner

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Mirko Schneider
Ausgelassen feierten die Spieler des FC Teutonia 05 auf der Tribüne des Stadions Hoheluft den Gewinn des Lotto-Pokals.

Ausgelassen feierten die Spieler des FC Teutonia 05 auf der Tribüne des Stadions Hoheluft den Gewinn des Lotto-Pokals.

Foto: TayDucLam / WITTERS

FC Teutonia 05 sichert sich durch den 2:1-Sieg im Hamburger Lotto-Pokalfinale gegen Altona 93 die Teilnahme am DFB-Pokal.

Hamburg. Liborio Mazzagatti zog ein treffendes Fazit. „Großes Kompliment an Altona 93. Sie haben sehr gut gespielt, aber wir haben den Pokal“, sagte der Vorsitzende des FC Teutonia 05 nach dem 2:1 seiner Mannschaft im Hamburger Lotto-Pokalfinale vor der etwas enttäuschenden Kulisse von 3014 Zuschauern im Stadion Hoheluft. Ein paar Sekunden später überschütteten Teutonias Spieler ihren Boss juchzend vor Glück mit Wasser aus einer Eistonne. Auf ihren Sieger-T-Shirts war die Schrift „Toy Tonia 05 – Lotto-Pokalsieger 2022“ zu bestaunen.

Eine Anspielung auf die heftigste Schmähung aus dem Altonaer Fanlager gegenüber den Teutonen. Als „Fucktoys“, also frei interpretiert als Spielzeuge zur Befriedigung der Launen ihrer millionenschweren Investoren, wurden Teutonias Verantwortliche während der Partie wieder einmal beleidigt. Ansonsten allerdings verlegten sich Altonas Anhänger auf ihre gewohnte Ironie. „Kein Kind muss Teutone sein!“, hieß es auf einem Banner. Die Sieges­feierlichkeiten von Teutonias Fans mit ihren Spielern wurden von der Altonaer Fankurve mit dem Sprechchor „Ihr seid ein Kindergeburtstag“ begleitet.

Amateurfußball: Altona 93 in Anfangsphase im Tiefschlaf

Sportlich hatte das Hamburger Traumfinale mit den beiden Regionalligisten aus Ottensen bis dahin durchaus mehr geboten als die Rivalität der nur 800 Meter voneinander kickenden Nachbarn und Erzrivalen. Diese hatte sich zuletzt immer wieder an der Frage des geplanten Stadionneubaus am Diebsteich entzündet. Doch die von einigen befürchteten gewalttätigen Auseinandersetzungen der Fanlager blieben erfreulicherweise aus. Stattdessen bekamen die Anhänger ein erstaunliches Endspiel zu sehen.

Erstaunlich einerseits, weil Altona 93 die Anfangsphase der Partie im Tiefschlaf verbrachte. Einen Freistoß Teutonias unmittelbar nach dem Anpfiff verteidigte der AFC überhaupt nicht, und Keeper Frederick Lorenzen verursachte ungestüm einen Foulelfmeter. Fabian Istefo­ verwandelte sicher zum 1:0 (2.). Ähnlich einfach hatte es Can Düzel bei Teutonias 2:0 (14.). Altonas Ridel Monteiro sah im Luftduell nicht gut aus, sein Team wirkte wie paralysiert. „Wir sind noch nicht richtig auf dem Platz gewesen“, sagte Altonas Trainer Andreas Bergmann. Teutonia zeigte Altona seine Grenzen auf. Eine Demütigung Altonas wie beim 1:5 bei Teutonia am 21. November in der Regionalliga schien möglich.

Teutonia schaltete in den Verwaltungsmodus

Doch so absurd es klingt: Das 2:0 vernichtete Teutonias Spiel. Mit jeder Minute mehr schaltete die Mannschaft von Trainer Jan-Philipp Rose in den Verwaltungsmodus, ruhte sich auf ihrer Führung aus. „Die ersten 20 Minuten waren gut von uns. Dann haben wir aufgehört, Fußball zu spielen“, erklärte Rose hinterher. Altona übernahm die Spielkontrolle, kam zu dicken Chancen von Hendrik Bombek (37.) und Niklas Bär (61.), die Teutonias Keeper Malte Schuchardt glänzend parierte.

Bei Noah Gumperts Anschlusstreffer aus 16 Metern in die kurze Ecke war er jedoch machtlos. Ein umstrittenes Tor, da Teutonias Kolgeci kurz zuvor den Ball ins Gesicht bekommen hatte und regungslos am Boden lag. „Die haben ja schon ab der fünfzehnten Minute auf Zeit gespielt. Von denen lag alle fünf Minuten einer am Boden. Da kann man echt nicht immer mitbekommen, wenn wieder einer liegt“, erklärte Gumpert hinterher resolut. Als „klar besser“ klassifizierte er sein Team, und Altonas Sportchef Richard Golz sah das ähnlich: „Wir hätten hier mindestens ins Elferschießen kommen müssen.“

Teutonia siegte verdient

Zur Wahrheit gehörte aber eben auch, dass Altona nicht durchschlagskräftig genug war. Teutonia verteidigte oft clever, hatte gegen Ende der Partie ein paar gute Konter zu bieten. Alleine Mats Facklam hätte zweimal (89., 90.+6) das 3:1 machen müssen. Daher siegte Teutonia zwar etwas glücklich, aber keinesfalls unverdient.

„Wir haben Vereinsgeschichte geschrieben“, freute sich Clubchef Mazzagatti über den ersten Pokalsieg Teutonias – und wünschte sich lokalpatriotisch „den HSV oder den FC St. Pauli als Gegner im DFB-Pokal. Damit eine Hamburger Mannschaft weiterkommt.“ Der scheidende Coach Rose griff eine Kategorie höher. „Zu den Bayern“, so Rose, „dürfte wohl keiner Nein sagen.“ Gegen wen Teutonia antreten wird, entscheidet sich am 29. Mai bei der Auslosung in der ARD-„Sportschau“ (19.15 Uhr).

Amateurfußball: Teutonia's Ziel ist der Aufstieg

Das klare Ziel des Aufstiegs in die Dritte Liga in der nächsten Saison bestätigte Mazzagatti übrigens wie erwartet. Wie Teutonia das Los im DFB-Pokal taktisch nutzen wird, um dieses Vorhaben und die Hindernisse in Sachen Stadionbau einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, gilt es abzuwarten. Ebenso wie den Namen des neuen Trainers. Langweilig wird es beim Pokalsieger, zu dem in der Amateurfußballszene jeder eine Meinung hat, auf keinen Fall.

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