Eishockey

Henry Thom soll die Crocodiles Hamburg übernehmen

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Alexander Berthold und Björn Jensen
Henry Thom war einst Co-Trainer der Hamburg Freezers in der Deutschen Eishockey-Liga.

Henry Thom war einst Co-Trainer der Hamburg Freezers in der Deutschen Eishockey-Liga.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

Der Eishockey-Oberligaclub muss den Cheftrainerposten nach der überraschenden Trennung von Jacek Plachta zum Saisonende neu besetzen.

Hamburg. Wer darauf gewettet hätte, dass am Montagvormittag gute Laune herrschte im Kreise der Crocodiles Hamburg, der hätte sich mit einer niedrigen Quote zufriedengeben müssen. Der 5:2-Heimsieg gegen die Icefighters Leipzig, mit dem die Farmsener am Sonntag bis auf einen Zähler an Tabellenrang vier heranrückten, war mehr wert als drei Punkte.

Die „aggressive, konzentrierte und effektive Leistung über 60 Minuten“, die Cheftrainer Jacek Plachta gesehen hatte, war ein Ausdruck für das, was im Umfeld des Eishockey-Oberligisten am Montag alle Protagonisten unterstrichen: dass die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer stimmt und alle Seiten gewillt sind, die Saison 2020/21 zu einem sportlich optimalen Ende zu bringen.

Seit in der vergangenen Woche bekannt geworden war, dass Plachta den Club zum Saisonende nach dann drei Jahren Zusammenarbeit verlassen wird, hatte zumindest die Frage im Raum gestanden, ob der 51-Jährige an Autorität einbüßen und seine Mannschaft im Hauptrundenendspurt – zehn Partien sind bis zum 5. April noch zu absolvieren, ehe die Play-offs starten – entscheidend nachlassen könnte.

Trennung der Crocodiles von Plachta kommt überraschend

Am Montag bekräftigten beide Seiten glaubhaft, dass diese Gefahr gebannt sei. „Wir werden bis zum Saisonende Gas geben und versuchen, gemeinsam unsere Ziele zu erreichen. Das sind wir dem Trainer schuldig“, sagte Kapitän Norman Martens (34). Plachta sagte: „Die Jungs machen einen Superjob, sie wollen maximalen Erfolg. Ich bin sicher, dass wir noch einiges erreichen können in dieser Saison.“

Warum nach einem langen Strategiegespräch, das Plachta und Geschäftsführer Sven Gösch (48) in der vorvergangenen Woche geführt hatten, der Entschluss fiel, die Zusammenarbeit zu beenden, bleibt unklar. In der offiziellen Mitteilung hieß es, man sei übereingekommen, dass es für beide Seiten besser sei, mit einem Neubeginn für frischen Wind zu sorgen.

„Vom Bauchgefühl her brauchen wir etwas Neues, um den nächsten Schritt zu machen. Das hätte vielleicht auch mit Jacek funktioniert, aber wir haben gemeinsam entschieden, nicht weiterzumachen“, sagte Gösch. Plachta erklärte: „Wenn der Geschäftsführer sagt, dass es frischen Wind braucht, kann ich das akzeptieren. Wir haben den Entschluss gemeinsam gefällt, es ist in unserem Business nichts Neues, dass Trainer kommen und gehen.“

Zu Beginn gab es Kritik an Plachtas Führungsstil

Das ist zweifelsohne richtig. Allerdings trennen sich die Wege im Regelfall dann, wenn sportlicher Misserfolg einsetzt. Plachtas Arbeit hat indes kaum Anlass zu Kritik geboten. In den vergangenen beiden Spielzeiten hatte sich die Mannschaft für die Play-offs qualifiziert – 2018/19 als Neunter, ein Jahr darauf als Dritter der Hauptrunde. Allerdings konnte sie in beiden Jahren nicht an den Play-offs teilnehmen – 2018/19 wegen des Insolvenzverfahrens, ein Jahr darauf wurde die Saison wegen der Corona-Krise abgebrochen. In diesem Jahr ist erneut eine Weiterentwicklung sichtbar.

„Ich kann überhaupt nichts Schlechtes über Jaceks Arbeit sagen. Er hat nicht nur die Mannschaft, sondern auch sich selbst weiterentwickelt“, sagte Gösch am Montag. Tatsächlich hatte es in der ersten gemeinsamen Saison Kritik an Plachtas autoritärem Führungsstil und seiner zu oft negativen Grundhaltung gegeben. Auf diese reagierte der Coach. „Das Verhältnis war auf professioneller Ebene immer gut“, sagte Norman Martens. Dass es immer mal Kritik am Trainer gebe, sei normal. „Aber man sieht an der Leistung der Mannschaft, dass sie voll mitzieht und dem Trainer folgt“, sagte Gösch.

Der Geschäftsführer ist überzeugt davon, dass der Zeitpunkt der Bekanntgabe richtig war. „Wir wollten nicht, dass die Nachricht hintenrum durchsickert, sondern nach unserem Gespräch schnell für klare Verhältnisse sorgen“, sagte er. Angreifer Tobias Bruns (31) hält das für die beste Variante. „Ich finde es gut, dass mit offenen Karten gespielt wird und nicht erst Spekulationen aufgetaucht sind. Das hätte Unruhe in die Kabine gebracht. So wissen alle, woran sie sind“, sagte er.

Früherer Freezers-Co-Trainer Thom kommt

Spekuliert wird natürlich trotzdem, und zwar über die Nachfolgeregelung. Gösch sagte, es gebe einige Kandidaten, Gespräche habe er aber noch keine geführt. „Der Respekt vor Jacek gebietet, dass wir erst nach dem Ende der Saison seinen Nachfolger bekannt geben. Vorher werde ich zu keinen Gerüchten Stellung nehmen.“ Nach Abendblatt-Informationen steht jedoch fest, dass Henry Thom der neue Chef hinter der Bande wird.

Der 50-Jährige, der Ende Februar beim Süd-Oberligisten Deggendorf freigestellt wurde, ist in Hamburg kein Unbekannter. Zwischen 2011 und 2013 arbeitete er als Co-Trainer von Benoit Laporte beim DEL-Club Hamburg Freezers. Gösch und Thom sind befreundet, kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim EHC Timmendorfer Strand. Am Sonntag war Thom, der von 2016 bis 2020 beim Süd-Oberligisten Selber Wölfe erfolgreich arbeitete, Tribünengast im Eisland Farmsen. Kein Kandidat ist dagegen Ex-Freezers- und Crocodiles-Idol Christoph Schubert (39), der mit Gösch regelmäßig im Austausch steht und auch die für die Oberliga erforderliche B-Lizenz besitzt, aber andere Pläne verfolgt.

Wohin es Plachta im Sommer zieht, ist unklar. Zwar gebe es Angebote, „aber es ist jetzt nicht die Zeit, über so etwas nachzudenken. Meine ganze Konzentration gilt den Crocodiles und dem Erreichen unserer Ziele“, sagte er. Am Freitag im Auswärtsspiel bei den Rostock Piranhas soll der nächste Schritt folgen.

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