Bundesliga in Corona-Zeiten

Werder-Fans feiern Relegation vor Arena – nun gegen den HSV?

Eine Umarmung trotz Corona: Werder-Fans feiern den Einzug in die Relegation. Ein Bild, das dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (68/SPD), der den Fußball kritisch sieht, nicht gefallen dürfte.

Eine Umarmung trotz Corona: Werder-Fans feiern den Einzug in die Relegation. Ein Bild, das dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (68/SPD), der den Fußball kritisch sieht, nicht gefallen dürfte.

Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Mit einem Kantersieg schafft Werder Bremen den ersten Schritt zur Rettung. Nun könnte es zum Nordderby gegen den HSV kommen.

Bremen. Wahnsinn erst im und dann vor dem Weserstadion: Werder Bremen hat mit einem Gala-Auftritt den zweiten Abstieg nach 1980 vorerst verhindert. Das Team von Trainer Florian Kohfeldt rettete sich mit einem 6:1 (3:0) gegen den 1. FC Köln am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga noch auf Relegationsplatz 16 – und schaffte Teil eins des möglichen nächsten Wunders von der Weser. Danach gaben Bremer Fans allerdings ein sorgenvolles Bild vor der Arena ab.

Ein folgenschwerer Patzer von Fortuna Düsseldorf bei Union Berlin (0:3) machte für Werder die späte Punktlandung im Kampf um den Klassenerhalt noch möglich. Die Fortuna steigt somit neben dem SC Paderborn in die Zweite Liga ab.

600 Werder-Fans feiern vor dem Stadion

Vorsichtiger Jubel dagegen an der Weser: „Meine Frau hat mir heute Morgen geschrieben, dass wir 6:1 gewinnen werden. Aber die brutale Drucksituation bleibt bestehen", sagte Werder-Coach Kohfeldt nach dem Erreichen der ersten Etappe in Richtung Klassenerhalt. „Der Unterschied ist, dass wir es selbst in der Hand haben. Aber wir dürfen keinen Millimeter nachlassen.“

Für einen unrühmlichen Moment sorgten allerdings die eigenen Fans. Etwa 600 Werder-Anhänger versammelten sich vor der Ostkurve am Stadion und feierten den Einzug in die Relegation lautstark. An Abstand wegen der Corona-Krise dachte in diesem Moment niemand.

Bremens Trainer Kohfeldt richtete deshalb einen Appell an die Fans für die anstehenden K.o.-Spiele um den Klassenerhalt. „Egal, wer es am Ende wird in der Relegation: Bitte bleibt zu Hause. Wir sind immer noch in einer Pandemie.“

Relegation! Bremen wünscht sich den HSV

Kohfeldt und Co. erhalten somit die Chance, in der Relegation gegen den HSV oder den 1. FC Heidenheim den Absturz am Ende einer katastrophalen Saison noch zu verhindern. Eine Entscheidung darüber fällt am Sonntag: Der HSV (Tabellenvierter) muss im Heimspiel gegen Sandhausen einen Punkt mehr holen als Heidenheim (Dritter) bei Aufsteiger Arminia Bielefeld.

„Ich würde mich unglaublich freuen, jetzt gegen den HSV zu spielen“, sagt Werders Mittelfeldchef Davy Klaassen, für den es persönlich das erste Nordderby wäre. „Wir dürfen unglaublich dankbar sein, diese zwei Spiele spielen zu dürfen", sagte Torschütze Niclas Füllkrug, der sich insbesondere bei der Schützenhilfe von Union Berlin bedankte. „Möglicherweise schicken wir eine Kiste Bier rüber."

Sportchef Frank Baumann ergänzte: „Wir haben immer an uns geglaubt. Haben wirklich eine schlechte Saison gespielt, dabei bleibt es auch. Aber entscheidend ist, dass wir nie aufgegeben haben. Die Mannschaft hat heute daran geglaubt, dass sie noch die Relegation erreichen kann.“

Werder-Ikone Micoud drückt Werder die Daumen:

Rashica und Osako schießen Werder in die Relegation

Yuya Osako befeuerte mit seinem Treffer zum 1:0 in der 22. Spielminute die Hoffnungen der Hanseaten, Milot Rashica (27.) und Niclas Füllkrug (29.) legten in Turbo-Manier nach. Im zweiten Durchgang erhöhten Davy Klaassen (55.), erneut Osako (58.) und Josh Sargent (68.) weiter, Dominick Drexlers Ehrentreffer für den FC dämpfte die Stimmung nur kurz (62.).

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Werder, ein echtes Urgestein der Bundesliga, darf weiter hoffen. Vier deutsche Meisterschaften feierten die Bremer bislang, sechs Triumphe im DFB-Pokal kommen hinzu. Das Duell mit dem 1. FC Köln war das 1900. Erstligaspiel in der Vereinsgeschichte - kein Klub hat mehr im Fußball-Oberhaus vorzuweisen. Vor 40 Jahren, beim ersten Abstieg, hieß der Gegner im entscheidenden Spiel 1. FC Köln. Eine Wiederholung haben die Grün-Weißen nun verhindert.

Die völlig bisslosen Rheinländer hatten in der nun beendeten Saison mit Trainer Markus Gisdol die Abstiegsgefahr durch einen Zwischenspurt im Winter gebannt und schließen nahe des Ligakellers ab. Nach der Coronapause schaffte der FC keinen Sieg mehr.

Werder Bremen mit voller Offensive

Vor dem Anpfiff strotzte Kohfeldt schon voller Tatendrang. „Mir ist nicht flau, ich habe Energie, und ich will dieses Spiel gewinnen“, sagte er bei Sky. „Wir glauben dran“, stand auch auf einem Plakat unweit der Mittellinie. Die Werder-Bank war während der Partie immer über das Geschehen um Fortuna Düsseldorf informiert, doch der Hauptfokus galt erst einmal dem eigenen Versuch, den ersten Bundesliga-Heimsieg seit knapp zehn Monaten einzufahren.

Werder, erstmals wieder mit dem lange verletzten Torjäger Füllkrug in der Startelf, begann entschlossen und setzte in der Anfangsphase direkt zwei Fernschüsse ab. Die Kölner wurden nur bei einer Chance von Anthony Modeste gefährlich (9.). Werder erkämpfte sich immer größere Vorteile und schlug so eiskalt zu, wie man es im Weserstadion lange nicht gesehen hatte.

„Wir schaffen das“, schrie Füllkrug. Und auch Kohfeldt hatte kaum etwas zu bemängeln, einzig die Durchsage des Düsseldorfer Rückstands brachte ihn kurz aus der Fassung.

Köln fällt in Bremen auseinander

Nach dem Seitenwechsel blieben die Bremer trotz eines Kölner Dreifachwechsels auf dem Gaspedal und ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihren Teil für das Erreichen der Relegation erledigen wollten.

Mit Beginn der Schlussphase erkundigten sich die Ersatzspieler immer häufiger nach dem Stand bei der Fortuna – auf dem Platz hätte Grün-Weiß sogar noch erhöhen können, Rashica traf den Pfosten (81.). In den letzten Minuten kam zudem der eingewechselte Claudio Pizarro (41) zu seinem letzten Bundesliga-Einsatz.

Die Statistik

  • Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Friedl - Vogt (81. Bargfrede) - Maximilian Eggestein, Klaassen (75. Bartels) - Osako (87. Pizarro) - Füllkrug (46. Sargent), Rashica (87. Bittencourt). - Trainer: Kohfeldt
  • Köln: Timo Horn - Leistner (34. Höger), Bornauw, Czichos - Ehizibue, Skhiri, Rexhbecaj (46. Thielmann), Jakobs (75. Lemperle) - Uth (46. Katterbach), Drexler - Modeste (75. Clemens). - Trainer: Gisdol
  • Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
  • Tore: 1:0 Osako (22.), 2:0 Rashica (27.), 3:0 Füllkrug (29.), 4:0 Klaassen (55.), 5:0 Osako (58.), 5:1 Drexler (62.), 6:1 Sargent (68.)
  • Torschüsse: 18:6