Hamburger SV

Letzter Spieltag: Der HSV kann Drama – oder nicht?

Dieter Hecking wendet sich an die HSV-Fans

Vor dem Saisonfinale gegen Sandhausen spricht der Trainer über Bielefeld, Heidenheim und die Aufstiegschancen.

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Zum siebten Mal in diesem Jahrzehnt geht es für den HSV am 34. Spieltag um alles. Für die Relegation braucht es Hilfe aus Bielefeld.

Hamburg. Dieter Hecking war dabei, als der HSV an einem letzten Spieltag Geschichte schrieb. Ziemlich genau zwei Jahre ist es nun her, dass die Hamburger im Volkspark ihr letztes große Finale bestritten. Im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach brauchte der HSV unbedingt einen Sieg und dazu im Fernduell eine Niederlage des VfL Wolfsburg gegen den bereits abgestiegenen 1. FC Köln.

Die Hamburger lösten zwar ihre Hausaufgaben und siegten 2:1, stiegen aber dennoch erstmals in die Zweite Liga ab, weil Wolfsburg parallel mit 4:1 gewann und sich in die Relegation rettete.

Dieter Hecking: "Ich hatte Finals, die positiv ausgingen"

Für Hecking und seine Gladbacher ging es an diesem Tag um nichts mehr. So wie häufig in seiner 20 Jahre andauernden Trainerkarriere. Und an die wenigen Male hat er auch keine guten Erinnerungen. „Am letzten Spieltag habe ich selten Finals gehabt, die positiv ausgingen“, sagte Hecking zwei Tage vor dem letzten Saisonspiel gegen den SV Sandhausen am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de).

Doch seit einem Jahr ist Hecking beim HSV. Und das heißt in der Regel: Drama bis zur letzten Minute. Zum siebten Mal in diesem Jahrzehnt geht es für die Hamburger am 34. Spieltag um viel. Man könnte sogar sagen: Es geht mal wieder um alles.

HSV: Heidenheim-Endspiel kann Relegation bringen

Für den HSV ist es die letzte Chance, diese am Ende doch wieder zur Enttäuschung geratenen Saison auf der Zielgeraden noch zum Guten zu drehen. Dafür muss Heckings Team am Sonntag gegen Sandhausen mindestens einen Punkt mehr holen als der FC Heidenheim im Fernduell bei Arminia Bielefeld.

Dabei wird es spannend zu beobachten sein, wie sich der HSV über das Geschehen in Bielefeld informiert. Auf der Anzeigetafel wird es sicher keine Zwischenstände geben. Und auch die Reaktionen der Fans im Stadion, die sonst nebenbei auf ihr Handy gucken, bleiben aus.

Hecking wird über Ergebnis in Bielefeld informiert sein

„Man wird es nicht geheim halten können, wie es in Bielefeld steht“, sagt Hecking, der unter Umständen ja auch taktisch auf das Ergebnis im Fernduell reagieren muss, wenn etwa Bielefeld kurz vor Schluss gegen Heidenheim führt und es beim HSV noch 0:0 stehen sollte. Solche Szenarien will der Coach aber vorher nicht durchspielen. „Es gibt nur ein Szenario durchzuspielen: Wie gewinnen wir gegen Sandhausen?“

Unabsteigbar: So wurde der HSV-Mythos geboren

Man kennt diese Fernduelle als HSV-Fan. Insbesondere dann, wenn es um die Relegation geht. Während es dieses Mal um den Sprung auf Platz drei der Zweiten Liga geht, war es 2014 und 2015 jeweils Rang 16 der Bundesliga, den es am letzten Spieltag zu erreichen galt. Vor sechs Jahren konnte sich der HSV sogar eine Niederlage in Mainz leisten, weil im Fernduell auch Braunschweig und Nürnberg verloren.

Ein Jahr später wurde es dann noch dramatischer. Der HSV musste am letzten Spieltag zu Hause gegen Schalke gewinnen, um am Leben zu bleiben. Und das schaffte er. Trainer Bruno Labbadia führte das schon totgesagte Team erst zum 2:0 und dann durch die historische Relegation von Karlsruhe.

Zwei Jahre später wäre der HSV dann beinahe wieder in der Relegation gelandet, doch Luca Waldschmidt ließ die Hamburger kurz vor Schluss mit seinem Kopfballtor jubeln. Spätestens in diesem Moment dachte man, dass der HSV tatsächlich unabsteigbar sei, doch nur ein Jahr später sollte es dann am letzten Spieltag der Saison passieren.

HSV gegen Werder Bremen: Da war doch was...

Angesichts einer möglichen Relegation gegen Werder Bremen in der kommenden Woche erscheint es fast ein wenig surreal, dass der HSV und sein Nordrivale beim ersten Saisonabschlussdrama dieses Jahrzehnts noch gegeneinander um die Europapokalteilnahme spielten. Am 34. Spieltag der Saison 2009/10 musste Hamburg in Bremen gewinnen, um die Chance auf die erneute Europa-League-Qualifikation zu wahren.

Doch das Tor von Claudio Pizarro beim 1:1 brachte nicht nur Werder in die Champions League, sondern auch den HSV raus aus den internationalen Rängen. Wie schon in den Werder-Wochen im Jahr zuvor wurden die Bremer zum Hamburger Albtraum.

Pizarro ist heute übrigens 41 Jahre alt und kämpft in seiner letzten Saison am Sonnabend mit Werder ebenfalls um das Erreichen der Relegation. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja tatsächlich noch mal ein Wiedersehen mit dem HSV. Der Peruaner ist jedenfalls einer der letzten Bremer Hoffnungsträger.

Und beim HSV? Da muss man die Hoffnungsträger ebenfalls suchen. Auf eines konnte man sich in den vergangenen Jahren aber zumindest verlassen: Seit 2015 haben die Hamburger immer ihr letztes Saisonspiel gewonnen. Ein gutes Omen? Die Hoffnung stirbt eben auch beim HSV zuletzt.