Nach Corona-Pause

Basketball-Bundesliga jubelt über gelungenen Neustart

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Nach 89 Tagen Corona-Pause spielt die Basketball-Bundesliga seit diesem Wochenende in München den deutschen Meister aus.

Nach 89 Tagen Corona-Pause spielt die Basketball-Bundesliga seit diesem Wochenende in München den deutschen Meister aus.

Foto: imago images/BBL-Foto

Selbst die große NBA verfolgt den Auftakt des Meisterturniers in München. Für Diskussionen sorgt ein Tracing-Chip.

München. Den Gang durch die Sicherheitsschleuse samt Sprühregen aus Desinfektionsmitteln ersparte sich BBL-Chef Stefan Holz am Sonntag. Der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga feierte seinen 53. Geburtstag und nahm sich nach den arbeitsreichen Tagen der vergangenen Wochen mal eine kleine Auszeit.

Das schönste Geburtstagsgeschenk hatte Holz bereits am Sonnabend bekommen. Denn da starteten die Basketballer erfolgreich in ihr außergewöhnliches Meisterturnier mit zehn Teams ohne Zuschauer im Münchner Audi Dome.

Organisatorisch lief am ersten Turnierwochenende – abgesehen von ein paar Kleinigkeiten – alles rund, sportlich ging die spezielle Veranstaltung mit zwei spannenden Begegnungen und einer überraschenden Niederlage von Topfavorit Bayern München los. „Das konnte sich sehen lassen“, sagte Holz. „Wir sind froh, dass nach der ganzen Arbeit endlich gespielt wird.“

NBA beobachtet Restart der Basketball-Bundesliga

Anfang März war die Saison wegen der Corona-Krise unterbrochen worden. Anders als im Handball und Eishockey sagten die Basketballer ihre Spielzeit aber nicht schnell ab, sondern warteten die weitere Entwicklung ab und erarbeiteten im Sog der Fußball-Bundesliga ein passgenaues Hygiene- und Sicherheitskonzept, das selbst in der großen NBA in diesen Tagen genau beobachtet wird. Die beste Basketballliga der Welt will Ende Juli auf dem Gelände von Disney World in Orlando mit einem deutlich größeren, aber inhaltlich ähnlichen Turnier ihre Saison ebenfalls noch zu Ende bringen.

Bis kurz vor Beginn des ersten von 35 Spielen hatten die Verantwortlichen im Audi Dome noch an den letzten Hygienemaßnahmen gefeilt. Der Spielbereich, im 48 Seiten starken Konzept als aktive Zone bezeichnet, ist weiträumig abgesperrt. Diese darf nur betreten, wer auch im Quarantäne-Hotel wohnt. Das Kampfgericht sitzt hinter Plexiglas, damit es keinen Kontakt zum aktiven Personal gibt. Und wenn das Hallenparkett während der Spiele von Schweiß befreit werden muss, greifen Bayerns Nationalspieler Paul Zipser oder Göttingens Trainer Johan Roijakkers eben selbst zum Wischer.

Spezielle Atmosphäre im leeren Audi Dome

„Es gibt immer Kleinigkeiten, die es nachzubessern gilt“, sagte Florian Kainzinger, der das Konzept maßgeblich mitentwickelt hatte und am Wochenende die Umsetzung genau überprüfte. Hier jemand, der in der passiven Zone keinen Mund-Nasen-Schutz trug, da ein etwas zu geringer Abstand bei den Medienvertretern. Das Ordnungs- und/oder Gesundheitsamt München kann jederzeit für eine Stichprobe in die Halle kommen - dann soll alles perfekt sein.

Als nach 89 Tagen Pause endlich wieder der Basketball durch die Luft flog, herrschte im sonst meist mit 6700 Zuschauern ausverkauften Audi Dome eine ganz spezielle Atmosphäre. Die Kommunikation der Profis war ebenso deutlich vernehmbar wie die Anweisungen der Coaches. „Es war schon etwas komisch“, sagte Bayerns Nationalspieler Danilo Barthel.

Und doch wirkte das Geschehen etwas weniger befremdlich als in der Fußball-Bundesliga, was vor allem daran liegt, dass die Halle deutlich kleiner ist als die Arenen im Fußball. Zudem waren die Tribünen ein wenig abgedunkelt, auch das im Basketball typische Einspielen von Musik nach erfolgreichen Aktionen hellte die Stimmung auf. „Beim Aufwärmen war es etwas ungewohnt, während des Spiels blendet man das aber aus“, sagte Ulms Andreas Obst.

Diskussionen um Tracing-Chip

Für Diskussionen unter den Spielern sorgte die kurzfristige Einführung eines Tracing-Chips. Die Profis sollen im Quarantäne-Hotel, in dem alle zehn Teams untergebracht sind, einen Chip am Handgelenk tragen, damit für den Fall eines positiven Tests die Kontaktpersonen und die Dauer des jeweiligen Kontakts genau nachvollzogen werden können.

„Diese Technik haben wir als Worst-Case-Backup eingebaut und glauben, dass wir uns dadurch noch ein Stück mehr schützen können“, sagte Florian Kainzinger, Leiter des Hygiene- und Sicherheitskonzepts der Liga, bei Magentasport.

Die Entscheidung für den Tracing-Chip fiel erst nach einem abschließenden Gespräch mit dem Gesundheitsamt München am Mittwoch. Daher wurden viele Spieler bei der Ankunft in München von der zusätzlichen Maßnahme überrascht. „Es kam nicht so gut an, weil es nicht früh genug kommuniziert wurde. Da hätte es einen etwas größeren Vorlauf geben können“, kritisierte Maurice Stuckey von den Hakro Merlins Crailsheim.

Die Liga legt aber wert darauf, dass sie die Spieler damit nicht überwachen will. Die Spieler sind nicht verpflichtet, den Chip am Handgelenk zu tragen. Wenn sie es ablehnen, müssen sie aber im Hotel dauerhaft einen Mund-Nase-Schutz tragen und stets eineinhalb Meter Abstand voneinander halten.

Ulm düpiert die Bayern

Außerhalb des Hotels bei Spaziergängen oder beim Training oder Spiel in der Halle muss der Chip nicht getragen werden. „Es kam ein bisschen kurzfristig, aber das ist nichts Großes. Es dient ja unserer Sicherheit, es soll ja keine Strafe sein“, sagte Ulms Nationalspieler Andreas Obst von ratiopharm Ulm.

Der Nationalspieler sorgte mit seinem Team für die erste ganz große Überraschung des Turniers. Mit 95:85 setzten sich die Ulmer, vor der Saisonunterbrechung als Zehnter außerhalb der Playoff-Ränge, gegen die Bayern durch und verdarben dem Topfavoriten damit vor den Augen von Club-Präsident Herbert Hainer Start und Stimmung. „Wir haben vorher gesagt, dass wir Intensität zeigen und aggressiv sein müssen. Aber leider waren wir soft“, kritisierte Bayern-Coach Oliver Kostic.

Gegen die Hakro Merlins Crailsheim steht der Titelverteidiger nun am Montag (16.30 Uhr/Magentasport) bereits ein wenig unter Druck. Crailsheim verlor zum Auftakt gegen die BG Göttingen mit 78:89. Mitfavorit Alba Berlin mühte sich zu einem 81:72-Sieg gegen Frankfurt.

Corona-Infektion: Ludwigsburg zunächst ohne Smith

Die MHP Riesen Ludwigsburg müssen beim Finalturnier wegen einer Corona-Infektion vorerst ohne Jaleen Smith auskommen. Nach der Rückkehr aus seiner Heimat USA war das Virus-Genom schwach positiv beim Profi nachgewiesen worden. Der 25-Jährige fehlte deshalb am Sonntagabend im Spiel gegen Rasta Vechta und hält sich noch in Ludwigsburg auf.

Smith wurde mittlerweile mit einem Abstand von über 24 Stunden zweimal negativ getestet, das Gesundheitsamt und die BBL haben den Aufbauspieler für den Spielbetrieb freigegeben. Am Montag soll er in München eintreffen.

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Bereits Mitte Mai war ein amerikanischer Profi nach der Rückkehr aus den USA positiv getestet worden. Der namentlich nicht genannte Spieler wurde damals isoliert.

( dpa/SID )

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