Corona-Folgen für den Sport

So geht es weiter nach der Olympia-Verlegung

Japans Hauptstadt Tokio (Im Hintergrund das neue Olympiastadion) wird die Welt erst im kommenden Jahr zu Olympischen Spielen empfangen.

Japans Hauptstadt Tokio (Im Hintergrund das neue Olympiastadion) wird die Welt erst im kommenden Jahr zu Olympischen Spielen empfangen.

Foto: BEHROUZ MEHRI / AFP

Wann finden die Spiele statt, welche Kosten entstehen, was sind die Folgen für Athleten? Die wichtigsten Fragen.

Hamburg.  Am Tag nach der erstmaligen Verschiebung Olympischer Sommerspiele war Thomas Bach um Aufklärung bemüht. In einer Telefonkonferenz mit mehr als 400 zugeschalteten Journalisten versuchte der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), einige der vielen Fragen zu beantworten, die die Verlegung des vom 24. Juli bis 9. August in Japans Hauptstadt Tokio geplanten größten Sportereignisses der Welt aufwirft. Das Abendblatt gibt einen Überblick.

Wann finden die Spiele statt?

Diese Frage muss mit höchster Priorität geklärt werden, weil an ihr alle Folgeplanungen hängen. Eine Taskforce – bestehend aus Mitgliedern der IOC-Koordinierungskommission und des lokalen Organisationskomitees – mit dem Namen „Here we go“ wurde dazu gegründet.

Diese soll sich bereits an diesem Donnerstag mit den 33 beteiligten Weltsportverbänden austauschen und mögliche Termine besprechen. Denkbar wäre ein Datum im Frühjahr, was aus klimatischen Gesichtspunkten die bessere Wahl wäre und auch die Nutzung des olympischen Dorfs erleichtern würde (siehe nächste Frage).

Allerdings steht dem entgegen, dass dann im wichtigsten TV-Markt Nordamerika die großen Profiligen ihre Play-offs austragen. Außerdem könnte jeder zusätzliche Monat wichtige Zeit im Kampf um die Eindämmung des Coronavirus bringen. Deshalb ist eher von einer Verlegung um ein Jahr auszugehen.

Dagegen spricht, dass im Juni/Juli die ebenfalls verschobene Fußball-EM und im Juli/August Weltmeisterschaften in den olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen geplant sind. Aber die internationalen Kalender von 33 Sportarten in Einklang zu bringen ist zu keinem Zeitpunkt eine vergnügungssteuerpflichtige Aufgabe.

Sind die Sportstätten und das olympische Dorf 2021 nutzbar?

Nicht ohne Einschränkungen. Einige der 43 Sportstätten waren nur für die temporäre Nutzung in diesem Sommer angelegt. Das olympische Dorf, in dem die rund 11.000 Athleten und ihre Betreuerteams wohnen sollten, ist von 2021 an für private Wohnnutzung ausgelegt. Unklar ist, wie die Sicherheit der Athleten und die Transportlogistik gewährleistet werden könnten, wenn Tausende Sportler über die ganze Stadt verteilt würden.

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Was passiert mit Hotelbuchungen oder gekauften Eintrittskarten, wenn Touristen am neuen Termin nicht nach Japan reisen können?

Rund 4,5 der 7,8 Millionen zur Verfügung stehenden Tickets sind bereits verkauft gewesen. Eine Rückgaberegelung wird erarbeitet. Bei Hotelbuchungen dürfen Kunden auf Kulanz hoffen, da diese Kapazitäten zum neuen Termin erneut gebraucht werden. Stornierungskosten für bereits gebuchte Flüge werden von Airline zu Airline variabel gehandhabt.

Kann es sein, dass auch der neue Termin nicht gehalten werden kann, wenn die Coronapandemie fortschreitet?

Das ist nicht sicher zu beantworten. Allerdings rechnen Experten damit, dass im Frühjahr 2021 ein Impfstoff zur Verfügung steht. Das würde die Lage grundsätzlich entspannen. Dennoch gibt es auch weiterhin Stimmen, die zu einer generellen Absage der Spiele raten. Das jedoch ist aktuell weder für das IOC noch die Organisatoren in Tokio eine Option.

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Was kostet die Verschiebung?

Auch dazu gibt es bislang nur vage Schätzungen. Offiziell liegen die Gesamtkosten der Spiele bei 11,6 Milliarden Euro. Die Verschiebung verursacht für die Gastgeber Kosten von bis zu sechs Milliarden Euro. Auch für die Verbände bringt sie Probleme, da das IOC die Einnahmen aus dem Olympiazyklus nun erst ein Jahr später weiterreicht. „Die Verschiebung wird Opfer von allen Beteiligten erfordern. Es ist eine beispiellose Herausforderung“, sagte Bach.

Bleiben die Sponsoren und die TV-Sender im Boot?

Davon ist nach aktuellem Stand auszugehen. Die festen IOC-Sponsoren werden ihre Verträge nicht kündigen. Auch die japanischen Unternehmen, die bislang bereits rund 3,3 Milliarden US-Dollar investiert haben, dürften den Organisatoren die Stange halten. Die in Deutschland übertragenden Fernsehsender ARD, ZDF und Eurosport sagten, die grundlegenden Planungen und Vorbereitungen seien abgeschlossen und würden nun im nächsten Jahr umgesetzt. Die Rechtesituation ändert sich nicht. Discovery, die Muttergesellschaft von Eurosport, ist Rechteinhaber, ARD und ZDF hatten sich Sublizenzen gesichert.

Was bedeutet die Verschiebung für die Sportlerinnen und Sportler?

Die meisten warten zunächst den neuen Termin ab und reduzieren bis dahin das Training. Am Hamburger Olympiastützpunkt wurde die Sondergenehmigung für den Betrieb im Beachcenter, im Schwimmbad und im Kraftraum aufgehoben, da die Notwendigkeit der Olympiavorbereitung nicht mehr gegeben ist.

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Einige, wie der zweimalige Hockey-Olympiasieger Tobias Hauke (32), Martin Sauer (37) als Steuermann des Ruderachters oder Marathonläufer Arne Gabius (39), erwägen zumindest ein Karriereende. Die meisten jedoch dürften auch 2021 angreifen. Allerdings bedeutet die Verschiebung für viele, die studieren oder bereits arbeiten, einen erheblichen Eingriff in die private Lebensplanung.

Wie geht es mit der Qualifikation weiter, und bleiben diejenigen, die bereits das Ticket gelöst hatten, qualifiziert?

Von Letzterem ist auszugehen, um nicht auch noch juristische Auseinandersetzungen zu provozieren. 57 Prozent der Athleten haben ihr Ticket sicher. Die, die noch nicht qualifiziert sind, haben nun etwas mehr Zeit dazu. Auch hier ist der neue Termin für die Spiele entscheidend, um davon ausgehend die weiteren Schritte zu planen.