Champions League

Dank Bürki und Barça: Dortmund zittert sich ins Achtelfinale

Die BVB-Profis wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten: Torwart Roman Bürki (r.) hielt den Sieg gegen Slavia Prag fest.

Die BVB-Profis wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten: Torwart Roman Bürki (r.) hielt den Sieg gegen Slavia Prag fest.

Foto: Lars Baron / Getty Images

Ein knapper Sieg gegen Slavia Prag reicht, weil die B-Mannschaft des FC Barcelona Schützenhilfe leistet. Leipzig Gruppensieger.

Dortmund/Mailand. Lucien Favre sprang Michael Zorc mit weit aufgerissenem Mund in die Arme, die BVB-Spieler huldigten ihrem Helden Roman Bürki. In einer nervenaufreibenden Europapokalnacht hat Borussia Dortmund mit viel Glück, einem herausragenden Torwart Bürki und freundlicher Unterstützung des FC Barcelona doch noch das Achtelfinale in der Champions League erreicht.

Ein keinesfalls berauschendes 2:1 (1:1) gegen Slavia Prag im „Endspiel“ reichte dem BVB am Dienstag zum Einzug in die K.-o.-Runde, weil parallel eine B-Mannschaft von Barça bei Inter Mailand unverhofft Schützenhilfe leistete.

„Heute hat vieles funktioniert. Am Ende wurde es nochmal knapp. Aber wir haben gut dagegengehalten. Wir mussten unsere Hausaufgaben heute machen und dann haben wir noch das nötige Glück gehabt“, sagte Matchwinner Julian Brandt bei DAZN: „Wir machen viele Tore in der zweiten Halbzeit, auch zu Hause. Es gibt einem immer Kraft, wenn man auf die Kurve spielt.“

Dortmund droht im Achtelfinale ein Topgegner

Jadon Sancho (10.) traf zum Abschluss der Gruppenphase früh für die Dortmunder, bei denen sich grandioses Offensivspiel und erhebliche Wackeleien in der Defensive 90 Minuten lang munter abwechselten. Tomas Soucek (43.) überwand für den tschechischen Meister vor 65.079 Zuschauern den ansonsten herausragenden Bürki, Nationalspieler Brandt (61.) sicherte den Dortmunder Sieg.

Julian Weigl (77.), den Trainer Favre als Ersatz für den verletzten Axel Witsel aufgestellt hatte, sah in der Schlussphase die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels.

Bei der Auslosung am Montag werden für den deutschen Vize-Meister die ganz großen Gegner im Topf sein: Der FC Liverpool, Barcelona, Paris Saint-Germain oder Manchester City.

Bürki rettet mehrmals glänzend

Leitwolf Witsel fehlte dem BVB im zentralen Mittelfeld als Passmaschine schmerzlich. Der belgische Nationalspieler war in seinem Zuhause die Treppe herabgestürzt, er zertrümmerte sich dabei unter anderem das Nasenbein und musste umgehend operiert werden. Ersatzmann Weigl strahlte nicht annähernd die Stabilität Witsels aus. Mats Hummels, zuletzt gesperrt, war der Mittelpunkt der anfälligen Dreier-Abwehrkette.

Mit einem Auge schauten zumindest die BVB-Verantwortlichen auf Mailand. Nur ein Punktgewinn von Barcelona, das fast alle Superstars schonte, würde eine Chance auf das Achtelfinale eröffnen. Außerdem galt es, „die Hausaufgaben zu machen“ (Sportdirektor Michael Zorc): alles auf Sieg, also. Sancho und Hummels vergaben die ersten Gelegenheiten (4./5.), Bürki musste allerdings gegen Peter Olayinka und Nicolae Stanciu auch Glanzparaden zeigen (8./20.).

Sanchos 1:0 nach einem Querpass von Marco Reus nährte die Hoffnung der Borussia, es zu schaffen. Der BVB blieb spielfreudig und offensiv, Pässe in die Tiefe stellten den tschechischen Meister immer wieder vor erhebliche Probleme. Reus hätte das 2:0 erzielen müssen (23.). Inter kassierte das 0:1, die Dortmunder waren virtuell weiter – doch ihre Abwehr wackelte sehr bedenklich.

Fati schießt Barcelona bei Inter zum Sieg

Bürki hielt erneut gegen Lukas Masopust sensationell (33.), gegen Soucek war er dann machtlos. Fast zeitgleich machte Inter das 1:1 - zur Halbzeitpause war der BVB draußen. Umso wichtiger war es, zumindest das eigene Spiel zu gewinnen: Die Bemühungen wirkten jedoch fortan etwas ungelenk. Brandt schoss über das Tor (52.).

Slavia, als Gruppenletzter bereits gescheitert, machte seine Sache weiterhin gut und ließ die Gastgeber immer spüren, dass es bei Kontern gefährlich ist. Daher warf der BVB auch nach einer Stunde noch nicht alles nach vorne, zu hoch war das Risiko, nach Ballverlusten kalt erwischt zu werden.

Aus der Kontrolle heraus jedoch tat sich die „Zockermannschaft“ Dortmund schwer, viele Kombinationen begannen im Stand, die wenigen Gegenangriffe wurden nicht konsequent ausgespielt. Brandts 2:1 ins kurze Eck nach perfektem Steilpass Sanchos war eine Erlösung. Und wieder hieß es: Was macht Inter? Die Italiener trafen zweimal, aber beide Tore wurden wegen Abseitsstellungen aberkannt. Dann sorgte Barças Supertalent Ansu Fati (87.) drei Minuten nach seiner Einwechslung mit seinem Treffer zum 2:1 für die Katalanen endgültig für Ekstase.

Leipzig sichert in Lyon den Gruppensieg

Dank eines Strafstoß-Doppelpacks hat ein am Ende wackeliges RB Leipzig in der Champions League die Mission Gruppensieg erfüllt. Die zunächst sehr abgeklärten Sachsen kamen durch Elfmetertore von Emil Forsberg (9.) und Timo Werner (33.) bei Olympique Lyon nach klarer Führung zu einem 2:2 (2:0) und schlossen die Gruppe G mit elf Punkten damit als Tabellenerster ab. Für Lyon trafen Houssem Aouar (50.) und Memphis Depay (82.).

„Wir haben unser Ziel mehr als erreicht. Natürlich hätten wir hier gerne gewonnen, doch wir sind zufrieden mit der Gruppenphase“, sagte RB-Vorstandsboss Oliver Mintzlaff. Olympique sicherte sich durch das Unentschieden den zweiten Platz in der Gruppe G vor Benfica Lissabon und Zenit St. Petersburg und zog ebenfalls in das Achtelfinale ein.

Im Achtelfinale hat RB nun den vermeintlichen Vorteil, auf einen Gruppenzweiten zu treffen. Doch auch dabei handelt es sich um große Namen, mögliche Gegner sind unter anderem Real Madrid, Tottenham Hotspur oder auch der SSC Neapel. Leipzig steht erstmals in der Clubgeschichte in der K.-o.-Runde der Königsklasse.