FC St. Pauli

Jan-Philipp Kalla übt Kritik an Trainer Jos Luhukay

Bei St.-Pauli-Trainer Jos Luhukay (l.) ist Jan-Philipp Kalla meist nur zweite Wahl.

Bei St.-Pauli-Trainer Jos Luhukay (l.) ist Jan-Philipp Kalla meist nur zweite Wahl.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

Anlässlich der Auslosung des Winsener Stadtpokals stellt der Routinier die Personalpolitik seines Chefs infrage.

Winsen (Luhe).  Als sich die Fragen auf den Trainer bezogen, merkte man deutlich, wie sehr sich Jan-Philipp Kalla und Florian Carstens ihre Antworten überlegten. Jetzt bloß nichts Falsches sagen, jetzt bloß nicht die eigene Position im ohnehin harten Kampf um Einsatzminuten beim FC St. Pauli verschlechtern. „Jos Luhukay wird geschätzt für seine offene Meinung. Er geht nicht immer den einfachen Weg und hat auch gern seine eigene Meinung“, sagte Kalla schließlich.

Im Vergleich mit dem Fußballlehrer der vergangenen Saison, Markus Kauczinski, der als Kenner der 2. Fußball-Bundesliga einen einfachen Fußball habe spielen lassen, suche Luhukay eher den taktischen Ansatz. Am Dienstagvormittag verpflichtete übrigens Zweitliga-Schlusslicht Dynamo Dresden Markus Kauczinski als neuen Trainer.

Was St.-Pauli-Routinier Kalla an Luhukay stört

Wenig später wurde Jan-Philipp Kalla, der von den Fans am Millerntor als „Fußballgott“ verehrt wird, etwas deutlicher. Auf die Frage, was ihn am meisten störe, nannte er das Aufstellungsproblem. Luhukay lasse sich die gesamte Trainingswoche über kaum in die Karten schauen. Ob ein Akteur beim Trainingsspielchen in der A- oder B-Elf einsortiert werde, sei nur selten als Fingerzeig auf die Startelf für das Wochenende zu deuten. „Meistens erfahren wir erst am Spieltag, wer im Kader steht und wer nicht“, sagte der 33-Jährige.

Da sei es natürlich frustrierend, wenn man die ganze Woche gute Leistungen abgeliefert habe und nun auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen müsse. Kalla bemühte einen Vergleich: „Das ist so, als wenn ein Angestellter fünf Tage im Büro seinen Job macht, und am Freitagabend zerreißt der Chef alles.“

Hrubesch, Lienen, Oenning und Azzouzi waren schon in Winsen

Die beiden Fußballprofis des FC St. Pauli waren auf Einladung der Sparkasse Harburg-Buxtehude zu Gast in Winsen. Längst ist es zur guten Tradition geworden, die Gruppenauslosung für den Sparkassen-Cup der Stadt Winsen mit prominenten Gästen und einer interessanten Talkrunde zu bereichern. Horst Hrubesch war schon zu Gast, ebenso Ewald Lienen, Holger Hieronymus, Michael Oenning, Rachid Azzouzi und im vergangenen Jahr Sven Neuhaus.

Gewohnt souverän führte Sparkassendirektor Jörn Stolle durch den Abend. Er hatte sich besonders darüber gefreut, dass der wie er aus der Elbmarsch stammende Florian Carstens im Herbst 2018 zunächst sein Debüt in der 2. Bundesliga gefeiert, wenig später einen bis 2022 datierten Profivertrag unterschrieben und dann noch sein erstes Profitor erzielt hatte. „Das war aus zehn Zentimetern Entfernung“, relativierte Kalla mit einem Schmunzeln die Torjägerqualitäten seines Zimmerkollegen.

Gesamtpaket von Michael Frontzeck gefiel am besten

In dieser Saison läuft es für den 21-jährigen Carstens weniger rund. „Natürlich hatte ich höhere Erwartungen nach 18 Spielen in meiner ersten Zweitligasaison“, sagte der Mann, der von Eintracht Elbmarsch, über TV Meckelfeld und MTV Treubund Lüneburg seinen Weg zum FC St. Pauli gefunden hatte. In der laufenden Spielzeit kam er bislang nur auf vier Einsätze. Zuletzt setzte ihn eine Kniereizung für zwei Wochen außer Gefecht. „Nichts Wildes“, meinte Carstens, der Joachim Philipkowski als größten Förderer bezeichnet. „Ihm habe ich viel zu verdanken, dass ich meinen Traum, Profi zu sein, leben darf“, sagt Florian Carstens, der quasi in Sichtweite des Millerntor-Stadions im Schanzenviertel wohnt.

Steht Carstens am Anfang seiner Karriere, neigt sie sich bei Kalla dem Ende zu. Der Vertrag des 33-Jährigen läuft am Saisonende 2019/2020 aus. „Ich traue mir zu, noch ein Jahr dranzuhängen“, sagt der Mann, der parallel erste Erfahrungen als Trainer sammelt. Er trainiert die dritte Damenmannschaft des FC St. Pauli und ist nach dem Aufstieg im ersten Jahr nun ungeschlagen Herbstmeister der Bezirksliga Ost geworden. „Falls ich nicht weiterspiele, gibt es Überlegungen, mich in anderer Funktion im Verein einzubinden.“ Das müsse nicht die Dritte Damen bleiben, auch das Nachwuchsleistungszentrum oder die U23 seien Optionen, so Kalla, der seit 2003 das braun-weiße Pauli-Trikot trägt.

Kalla trainiert parallel dritte Damenmannschaft von St. Pauli

Als seinen persönlichen Mentor bezeichnet er Fabian Boll, heute Co-Trainer bei Holstein Kiel. Als guter Motivator mit immer neuer Kabinenansprache ist ihm Holger Stanislawski in Erinnerung geblieben. „Das Gesamtpaket aller Trainerfähigkeiten hat mir bei Michael Frontzeck am besten gefallen“, sagte Jan-Philipp Kalla jetzt in Winsen.

Anschließend ging es an die Gruppenauslosung für den Sparkassen-Cup der Stadt Winsen, besser bekannt als Winsener Stadtpokal. Das Turnier wird am Sonnabend, 4. Januar 2020, bereits zum 35. Mal ausgetragen, als Hauptsponsor engagiert sich zum 16. Mal die Sparkasse Harburg-Buxtehude. Gespielt wird von 11 Uhr an in der Winarena an der Bürgerweide, den Siegerpokal wird Bürgermeister André Wiese kurz vor 18 Uhr übergeben. Das Stadtoberhaupt ließ es sich trotz der Gäste vom FC St. Pauli nicht nehmen, mit HSV-Fanschal zur Auslosung zu erscheinen.

Bezirksligist TSV Winsen tritt als Titelverteidiger an

In den vergangenen Jahren hatten es viele verschiedene Sieger gegeben. Zuletzt standen sich die Rekordsieger TSV Winsen und MTV Borstel-Sangenstedt mit bis dato jeweils elf Erfolgen gegenüber. Der TSV setzt sich in einem dramatischen Finale im Januar 2019 mit 1:0 durch.

Als Ausrichter 2020 fungiert der TSV Stelle. Als der MTV Laßrönne keine Herrenmannschaft mehr stellen konnte, rückten die Steller ins Teilnehmerfeld der zehn Vereine. Sie spielen erst zum dritten Mal mit, sind erstmals für die Organisation verantwortlich. „Das ist mehr Aufwand als gedacht“, sagte Abteilungsleiter Holger Rehwinkel, der auf ein ereignisreiches Jahr zurückblickt.

Stelles Fußballer haben sich 2019 komplett neu aufgestellt

Nach dem Abstieg aus der 1. Kreisklasse stellte sich die Fußballabteilung des TSV Stelle komplett neu auf, dazu mussten die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Gesamtvereins vorbereitet werden. „Und jetzt noch der Stadtpokal“, so Rehwinkel, der gemeinsam mit Frank Zwillus den harten Kern des Orgateams bildet.

Am 4. Januar 2020 wird wie gewohnt in zwei Fünfergruppen im Modus Jeder-gegen-jeden gespielt. Die ersten Vier jeder Gruppe erreichen das Viertelfinale, das um 15.30 Uhr beginnt. Danach geht es im K.o.-System bis zum Finale um 17.15 Uhr weiter.

So losten Florian Carstens und Jan-Philipp Kalla: Gruppe A: Eintracht Elbmarsch, MTV Ashausen-Gehrden, MTV Borstel-Sangenstedt, SG Elbdeich und TSV Auetal
Gruppe B: SG Scharmbeck-Pattensen, TSV Winsen, TSV Stelle, MTV Luhdorf-Roydorf und FC Roddau