Gut Kaden

Mission Titelverteidigung für den Golf-Club Falkenstein

Trainer Christian Lanfermann (l.) und sein Team feierten in Berlin den Einzug in die DM-Endrunde, die auf Gut Kaden ausgetragen wird.

Trainer Christian Lanfermann (l.) und sein Team feierten in Berlin den Einzug in die DM-Endrunde, die auf Gut Kaden ausgetragen wird.

Foto: Christopher Tiess

Die Damen des Golf-Clubs Falkenstein wollen beim Final Four auf Gut Kaden wieder deutscher Mannschaftsmeister werden.

Alveslohe.  Christian Lanfermann ist hin- und hergerissen. Natürlich wünscht er Esther Henseleit sportlich jeden Erfolg. Nur: Die Profispielerin vom Hamburger Golf-Club Falkenstein schlägt an diesem Donnerstag um 8.22 Uhr MESZ bei den Scottish Open in Aberdeen ab. Nach zwei erfolglosen Turnieren zuletzt strebt die 20-Jährige unbedingt ein starkes Ergebnis an, um ihre Chancen auf eine Nominierung für den Solheim Cup, den Kontinentalvergleich Europa – USA, zu wahren. Dann aber kann sie keinesfalls für ihren Club beim Final Four um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft am Sonnabend und Sonntag auf Gut Kaden starten.

Trotzdem hat Hamburgs Trainer des Jahres 2018 Henseleit in den neunköpfigen Kader berufen, mit dem die Mission Titelverteidigung angegangen werden soll. Man weiß ja nie, was passiert. „Sollte Esther aus irgendeinem Grund am Freitag den Cut verpassen, dann sitzt sie sofort im Flieger und kommt hierher und könnte spielen“, sagt Lanfermann. Und wenn sie gut spielt in Schottland, wenn sie es ins Wochenende schafft? „Dann“, sagt Lanfermann, „haben wir noch acht weitere tolle Spielerinnen, die gezeigt haben, dass sie auch ohne Esther gewinnen können.“

Höhepunkt des deutschen Golfjahres

Am vergangenen Wochenende zum Beispiel. Beim GC Berlin-Wannsee haben sich die Falkensteinerinnen mit einem starken Tagessieg am letzten regulären Bundesligaspieltag noch vom dritten Rang auf Platz zwei geschoben und damit auf den letzten Drücker das Final Four in Alveslohe erreicht. „Glücklicherweise haben sie es geschafft“, sagte Gut-Kaden-Geschäftsführer Wolfgang Mych durchaus mit spürbarer Erleichterung, „natürlich freut uns besonders, dass ein Hamburger Team dabei ist.“

Die Endrunde der jeweils vier besten Damen- und Herrenmannschaften um den Meistertitel gilt als der Höhepunkt des deutschen Golfjahres. Die Damen aus Falkenstein erwarten im Halbfinale am Sonnabend St. Leon-Rot, gegen die sie 2017 im Finale unterlagen. Das zweite Halbfinale bestreiten Berlin-Wannsee und der Frankfurter Golf Club. Bei den Herren lauten die Halbfinalpaarungen Mannheim-Viernheim gegen GC Düsseldorf Hubbelrath und Stuttgarter GC gegen GC Hösel. Spielbeginn der Vierer (drei bei den Damen, vier bei den Herren) ist an beiden Tagen um 7.30 Uhr, ab 13 Uhr gehen die sechs (bzw. acht) Einzel auf die Bahn. Gespielt wird Matchplay. „Für uns war ganz wichtig, dass es ein Teamwettbewerb im Lochspiel ist“, sagt Mych, „Mannschaftssport ist einfach großartig. Das ist fast wie im Ryder Cup.“

„Golf geht nach vorne“

Man kann jetzt schon davon ausgehen, dass die Siegerteams am Sonntag euphorisiert ein spontanes Bad im Teich hinter der neunten Bahn des C-Kurses nehmen werden. Wahrscheinlich muss auch der eine oder andere Trainer dann daran glauben. So wie Lanfermann beim ersten Meistertitel der Hamburger Damen vor einem Jahr in Köln. „Die Chance, den Titel sozusagen in Hamburg zu verteidigen, hat man ja nicht alle Tage“, sagte er, „wir werden alles versuchen, das erfolgreich zu schaffen. Wir freuen uns sehr auf das Match mit St. Leon-Rot – und wir haben ja noch eine kleine Revanche von vor zwei Jahren offen.“

Man weiß es nicht genau – aber wahrscheinlich atmete am vergangenen Sonntag auch Sport-Staatsrat Christoph Holstein ein wenig auf, dass Falkenstein sich noch qualifizieren konnte. Erstmals ist die „Active City“ bei einem großen Golfturnier präsent, mit einem „überschaubaren fünfstelligen Betrag“ unterstützt die Stadt das umfangreiche Rahmenprogramm im „Hamburger Format“: „Wir wollen Elemente des Spitzensports mit Nachwuchs-, Breiten- und Inklusionssport in Verbindung bringen“, erklärt Holstein. Auf Aktionsflächen gibt es deshalb Mitmach- und Schnupperangebote für Jedermann und -frau.

Außerdem haben sich Athleten des Teams Hamburg angesagt, zu dem ja auch die Golferinnen Henseleit, Miriam Emmert und Christin Eisenbeiß gehören. Golf scheint noch ein Stück weiter angekommen, wird zunehmend als „richtiger“ Sport wahrgenommen. „Nach meinem Gefühl hat sich seit unserem Meistertitel vor einem Jahr in der öffentlichen Wahrnehmung etwas verändert“, meint Lanfermann, „Golf geht nach vorne.“ Für Bilder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aber reicht das Interesse dann doch noch nicht aus. Sky zeigt einige Szenen, immerhin. Als „schwierig“ beschreibt Marcus Neumann, Vorstand Sport im Deutschen Golfverband, die Situation. Umso mehr ein Grund, raus nach Alveslohe zu kommen. Der Eintritt ist frei – aber nicht umsonst.