Tennis

Struff: „Am liebsten würde ich Wimbledon gewinnen“

Hat sich kontinuierlich verbessert und in die Weltranglistenspitze gespielt: Jung-Vater Jan-Lennard Struff aus Warstein.

Hat sich kontinuierlich verbessert und in die Weltranglistenspitze gespielt: Jung-Vater Jan-Lennard Struff aus Warstein.

Foto: Claus Bergmannvia www.imago-images.de / imago images / Claus Bergmann

Am Montag beginnt das Tennis-Turnier in London. Jan-Lennard Struff, 34. der Weltrangliste, hat sich auf dem Rasen viel vorgenommen.

Hamburg.  Einen wichtigen Termin musste Jan-Lennard Struff (29) für diesen Sonnabend absagen. Zehn Jahre nach dem Abitur am Gymnasium Warstein steht ein Jahrgangstreffen an. „Wäre sicher interessant gewesen, die Leute alle wiederzusehen“, sagt er. Stattdessen will der der Weltranglisten-34. beim Grand-Slam-Turnier in Wimbledon, das am Montag startet, seinen Vorjahreserfolg – Einzug in die dritte Runde inklusive Center-Court-Match mit Roger Federer – möglichst noch übertreffen. Erster Gegner am Montag ist Marcos Baghdatis aus Zypern.

Herr Struff, wenn Sie sich den Ort für Ihren ersten Turniersieg im Einzel auf der ATP-Tour aussuchen dürften, welcher wäre es?

Jan-Lennard Struff: Wimbledon, ganz klar. Es gibt kein Turnier, das ein solches Prestige hat wie dieses. Über der Anlage liegt ein Mythos. Dieses Flair spürt jeder, der zum ersten Mal herkommt. Es ist eine eigene Welt. Hier zu gewinnen wäre der größte Traum.

Seit Ihrem Drittrundeneinzug 2018 haben Sie sich kontinuierlich verbessert. War Wimbledon 2018 für Sie ein Wendepunkt?

Das kann man sicherlich so sehen. Natürlich war das Match gegen Roger auf dem Center-Court eine ganz besondere Erfahrung. Aber für mich war der Weg dorthin entscheidender, dass ich die Spiele gegen Leonardo Mayer und Ivo Karlovic trotz 0:2-Satzrückständen gewinnen konnte. Daran bin ich besonders gewachsen.

Was bewirken solche Erfahrungen?

Einerseits wächst damit das Selbstvertrauen. Andererseits wird man nach solchen Siegen von den Gegnern anders wahrgenommen, das Standing verändert sich. Das Spiel gegen Roger konnte ich dagegen gar nicht richtig genießen, weil ich es verloren habe. Für mich steht der Erfolg über allem, es geht nicht um das Genießen von Nebensächlichkeiten. Deshalb waren die Matches gegen Mayer und Karlovic für mich prägender.

Sie haben in dieser Saison noch einmal einen Sprung gemacht und sind als zweitbester deutscher Profi erstmals in die Top 40 der Welt vorgestoßen. Was sind das für Gründe? Sie sind 29 Jahre alt?

Ein entscheidender Faktor ist die sehr zielgerichtete Arbeit, die ich mit meinem Trainer Carsten Arriens und meinem Physio Uwe Liedtke leiste. In der Winterpause waren wir zum Beispiel auf Teneriffa, wo ich mit Dominic Thiem und einer Reihe anderer Topspieler trainieren konnte. Dazu kommt das gewachsene Selbstvertrauen. Früher bin ich gegen die Topspieler auf den Platz gegangen und dachte: Ich habe keine Chance, ich versuche halt mein Bestes. Wenn man aber ein paar Gute schlägt, weiß man: Wenn ich mein Können abrufe, habe ich gute Chancen. Daran glaube ich jetzt.

Sie sind seit einigen Monaten Vater eines Sohnes. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Die Geburt von Henri ist viel größer als alles andere. Natürlich beflügelt er mich. Er war in München, Stuttgart und Halle dabei, kommt auch nach Hamburg und zu den US Open mit. Das bedeutet mir sehr viel.

Was müssen Sie denn noch optimieren, um dauerhaft in der Weltspitze mithalten zu können?

Meine Quote beim ersten Aufschlag, da liege ich aktuell bei 56 Prozent. Zwei, drei Prozent mehr wären sehr hilfreich, denn ich gewinne 78 Prozent meiner Servicepunkte, wenn der erste Aufschlag kommt. Das ist ein Top-Ten-Wert. Außerdem muss ich noch variabler spielen und mein Netzspiel verbessern.

Darum spielen Sie ja sehr aktiv Doppel. Können Sie beschreiben, was Ihnen das für Ihr Einzelspiel bringt?

Aufschlag, Return und Volley werden im Doppel sehr viel trainiert, dazu kommt das spielerische Verständnis, zum Beispiel das intuitive Abdecken des Feldes. All diese Dinge habe ich dank des Doppelspielens deutlich verbessern können.

Sie haben sich entschieden, auch in diesem Jahr wieder mit dem Japaner Ben McLachlan bei den Grand-Slam-Turnieren anzutreten. War es keine Option, mit Tim Pütz zu spielen, mit dem es im Daviscup so perfekt läuft?

Eine Option ist das immer, am Hamburger Rothenbaum werden wir zusammen auflaufen, weil Ben nach Wimbledon nicht auf Sand zurückgehen will. Aber mit Ben habe ich auch viel Spaß, und wir waren 2018 und Anfang dieses Jahres sehr erfolgreich zusammen. Zuletzt war es etwas schwierig, aber in Wimbledon und bei den US Open wollen wir wieder angreifen. Was dann kommt, wird man sehen.

Das Doppel hat durch den French-Open-Triumph von Kevin Krawietz und Andreas Mies in Deutschland eine deutliche Aufwertung erlebt. Dass Boris Becker danach forderte, Krawietz/Mies auch im Daviscup aufzustellen, kann Ihnen aber nicht gefallen. Schließlich soll doch die Story von „Tim und Struffi“ weitergeschrieben werden.

Bis zum Daviscupfinale im November ist ja noch etwas Zeit. Der Erfolg von Kevin und Andreas kam aus dem Nichts, war aber unfassbar. Die beiden haben einen unglaublichen Spaß ausgestrahlt und herausragend gespielt. Allerdings muss man bedenken, dass es einen neuen Daviscup-Modus mit zwei Einzeln und dem Doppel am selben Tag gibt. Da Sascha Zverev nicht dabei ist, könnte ich das zweite Einzel spielen und hätte dann nur eine kurze Pause bis zum Doppel. Für mich ist das kein Problem, ich spiele gern beides. Aber der Teamchef wird entscheiden, was das Beste ist.

Bei den French Open sind Sie erstmals in die zweite Woche eines Grand-Slam-Turniers eingezogen, auf der ATP-Homepage geben Sie Paris als Ihr Lieblingsturnier und Sand als Ihren Lieblingsbelag an. Stimmt das noch?

Ich bin auf Sand groß geworden, aber mittlerweile bin ich ein Allrounder und spiele auf Hartplatz in der Halle mein bestes Tennis. Und die French Open mag ich noch immer, aber das Turnier, das ich am liebsten gewinnen würde, ist Wimbledon.