Amateurfußball

Saglam: "Dazu gehört das Mannsein, eine Schwalbe zuzugeben"

Teutonias Trainer Sören Titze (34) bleibt durch ein 2:1 in Meiendorf Altona im Oberliga-Titelkampf auf den Fersen

Teutonias Trainer Sören Titze (34) bleibt durch ein 2:1 in Meiendorf Altona im Oberliga-Titelkampf auf den Fersen

Foto: FOTO: Andre Matz

Teutonia siegt 2:1 in Meiendorf – doch es ging auch um Moral mit einer hitzigen Diskussionen um Elfmeter für die Gäste.

Hamburg.  Wer moralische Debatten im Fußball liebt, der war beim Oberligaspiel zwischen dem Meiendorfer SV und Meisterschaftskandidat FC Teutonia 05 (1:2) im richtigen Stadion gelandet. Noch weit nach Spielschluss sorgte das Führungstor zum 1:0 der Gäste durch einen Foulelfmeter von Gerrit Pressel (45.+3) für Diskussionen. Teutonias Mittelfeldspieler Nick Gutmann hob im Sechzehner ab, eine Berührung von Meiendorfs Paul Herrdum war im realen Tempo nicht auszumachen. TV-Bilder gab es nicht. Auf Intervention seines Assistenten entschied Schiedsrichter Martin Pfefferkorn auf Elfmeter, befragte Gutmann aber zur Sicherheit.

„Ich habe ihm gesagt, dass ich berührt worden bin. Bei dem Tempo reicht ein leichter Kontakt“, beteuerte Gutmann. Das wiederum brachte Meiendorfs Trainer Baris Saglam auf die Palme: „Im Fußball geht es auch um Ehrlichkeit und Fairness. Dazu gehört das Mannsein, eine Schwalbe zuzugeben. Aber wenn Teutonias Trainerbank dem Spieler ein `Lass dich nicht besabbeln` reinruft, sagt der leider nicht die Wahrheit.“

Hitzige Diskussion der Trainer

Teutonias Co-Trainer Matthias Reincke wollte seinen reklamierten Ausruf anders verstanden wissen (Reincke: „Nick sollte sich nicht provozieren lassen von Meiendorfs Spielern“), Teutonias Trainer Sören Titze beschrieb Gutmann als „ehrlichen Spieler, dem ich glaube, wenn er sagt, das war ein Elfer“. Ein Wort gab das andere, eine hitzige Diskussion der Trainer schloss sich nahtlos an die feurige Pressekonferenz im Vereinsheim an.

Was im verbalen Getümmel unterging, war die sportliche Seite. Teutonia 05 errang einen unterschiedlich interpretierbaren Erfolg im Titelkampf. Ohne Deran Toksöz (siehe Kolumne) und Top-Torschütze Aytac Erman (16 Treffer, Muskelfaserriss in der Leiste plus Zerrung im Gesäßmuskel) gewonnen! Tolle Leistung, fand Teutonia-Coach Titze.

„Ein Kompliment an meine Mannschaft. Immerhin waren Deran und Aytac in den letzten sieben Wochen an circa 75 Prozent unserer Treffer beteiligt.“ Saglam widersprach: „Teutonia hat gegen uns keine spielerischen Lösungen gefunden. Ein Unentschieden wäre mindestens gerecht gewesen.“

Bis auf das `mindestens` eine vertretbare Sichtweise. Ist nun eher die starke Moral und „individuelle Qualität“ (Gutmann) zu loben, mit der Teutonia die Vorgabe von Abwehrspieler Davidson Eden („Kämpfen! Rennen! Beißen!“) erfüllte - und die Drangphase der Gastgeber nach dem 1:1 durch Andrej Blum (56.) mit dem Siegtreffer durch Niklas Mallwitz (74.) beantwortete? Oder ist ein wirkungsloser Auftritt wie der von Erman-Ersatz Francky Sembolo ein Zeichen, dass Teutonias Bank Titelreife fehlt. Die Antwort geben die nächsten zwei bis drei Wochen. So lange wird mindestens Erman fehlen.