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Fussball

An ein Wunder glaubt in Elmshorn keiner mehr

Der Abstieg ist nur noch rechnerisch nicht sicher: Der Elmshorner TrainerDennis Usadel geht nachdenklich Richtung Kabine.

Der Abstieg ist nur noch rechnerisch nicht sicher: Der Elmshorner TrainerDennis Usadel geht nachdenklich Richtung Kabine.

Foto: KBS-Picture

Landesligist ist nach 0:7 gegen SC Nienstedten nur theoretisch zu retten. Vor sechs Jahren erst war der FC Elmshorn Oberliga-Meister

Elmshorn.  „Dieser Abstieg ist ein Armutszeugnis für den gesamten Elmshorner Fußball.“ Torben Roß, Seniorenkicker der SV Lieth, nimmt kein Blatt vor den Mund. Klassenziel klar verfehlt, steht im Zeugnis. Nach der 0:7 (0:4)-Niederlage gegen den SC Nienstedten ist schon fünf Spieltage vor dem Ende des Landesliga-Saison Tatsache, dass sich der FC Elmshorn nach allem menschlichen Ermessen in die Bezirksliga verabschiedet. Nur noch mit einer Serie von fünf Siegen bei einer gleichzeitigen Pechsträhne des Harburger TB (13 Punkte voraus) wäre der Sturz in die 7. Liga zu vermeiden. Undenkbar.

Wirklich zu interessieren scheint es kaum noch jemanden. Nur 40 Besucher säumen das Spielfeld an der Wilhelmstraße. Uwe Bernhardt aus Groß Nordende gibt einen Kommentar ab. „Weil die Leistungen von Woche zu Woche schlimmer wurden.“ Schweigsam trägt der Elmshorner Gerd-Rainer Hein seinen weinroten Fan-Schal, den ihm Sohn Andreas zu Weihnachten schenkte, zur Schau. Lärm machen an diesem Abend nur die SCN-Fans. Die meisten FCE-Freunde haben sich schon nach ein paar Spielminuten ins Clubhaus verzogen und trösten sich mit einem kräftigen Schluck über das hinweg, was der ehemalige Raspo-Kicker Stefan von Appen als „Katastrophe“ bezeichnet.

2013 grüßte Raspo-Nachfolger FCE noch als souveräner Oberliga-Meister. Präsident Helge Werner Melzer bekam allerdings kalte Füße und verzichtete wegen fehlender Infrastruktur auf die Möglichkeit, sich über die Aufstiegsrunde für die kostspielige Regionalliga zu qualifizieren. Nach 19 Runden der Saison 2014/15 folgten die Aufgabe des Oberliga-Spielbetriebs und der Ausverkauf. Um den Schaden in Grenzen zu halten. Der damalige 2. Vorsitzende Dieter Hector hatte nach eigener Darstellung schon frühzeitig auf eine Lücke im Etat im fünfstelligen Bereich hingewiesen.

Melzers Nachfolger Michael Homburg räumt Altlasten aus dieser Zeit ein. „Die aber haben wir am Ende dieses Jahres vollständig abgetragen.“ Einen Zusammenhang mit der Melzer-Ära und dem Absturz in die Bezirksliga sieht Homburg deshalb nicht. „Mit unserem aktuellen Etat in Höhe von 30.000 Euro bewegen wir uns für meine Begriffe im Mittelfeld. Warum sich die doch recht namhafte Mannschaft dem sportlich nicht angeglichen hat, ist mir ein Rätsel.“ Innenverteidiger Stephan Weckwert, gegen Nienstedten Kapitän, wird deutlich. „Es war eine Frage der Einstellung. Uns fehlte der Biss.“

Trainer Dennis Usadel beklagt erhebliches Verletzungspech. Gegen Nienstedten führte das dazu, dass er alle drei Torleute einsetzen musste, Knut-Ole Mohr zwischen den Pfosten, Sven Schulz als rechten Verteidiger, Moritz Junge im Angriff. Früh endete die Partie für Emmanuel Kwakye (Leistenzerrung) und Ngoc Phi Duong (Blase am Fuß), so dass sich die A-Junioren Albert Revutskiy und Alan Kado der Landesliga-Feuertaufe ausgesetzt sahen. Da hatte der Aufsteiger aber schon eine 3:0-Führung vorgelegt und das FCE-Aus längst besiegelt.

Auffällig: Überhand nahm in dieser Saison die Zahl der Platzverweise (vier Rote/zwei Gelb-Rote Karten). Vizepräsident Rainer Klaar hatte das Pech, dass die Mittel offenbar nicht reichten, die Offensive – nur 19 Treffer – adäquat zu verstärken. Seine Versuche mit Serhat Ercek (zurück von Gencler Birligi) und Max Stolzenburg (Wedeler TSV) schlugen fehl. Für Stephan Weckwert die Konsequenz daraus. „Wir müssen junge Leute holen, die richtig Bock auf den FCE haben.“ Weckwert weiter: „Ich glaube an unsere Sache, es gibt gute Ideen.“ Rainer Klaar bleibt dem Team in beratender Funktion erhalten, erste Ansprechperson für neue Spieler ist aber in Zukunft Stürmer Daniel Witt. Spielertrainer Dennis Usadel, dem niemand die Talfahrt anlastet, hat seinen Vertrag verlängert.