Hamburg

HSV kürzt Rollstuhlbasketballern den Saisonetat

Trainer Holger Glinicki (r.) absolvierte
einst 123 Länderspiele.

Trainer Holger Glinicki (r.) absolvierte einst 123 Länderspiele.

Foto: Witters

Die BG Baskets konnten von der WM 2018 in Wilhelmsburg nicht profitieren. Trainer Holger Glinicki will aufhören.

Hamburg.  Die Saison der BG Baskets wird dieses Wochenende in Wetzlar im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft enden. Der RSV Lahn-Dill, dessen Etat das Dreifache des Budgets der Hamburger beträgt, ist eine Nummer zu groß für den HSV. Bei der 67:81-Heimniederlage am vergangenen Sonntag im Wilhelmsburger Inselpark im ersten Spiel der Best-of-3-Serie hielten die Baskets über drei Viertel gut mit, dann waren die Kräfte aufgebraucht in einem Team, das nicht ausreichend starke Spieler von der Bank bringen kann. „Es war für uns dennoch eine sensationelle Saison“, sagt der langjährige National- und Clubtrainer Holger Glinicki (66), „wir werden die Serie als Dritter abschließen. Mehr war für uns absolut nicht drin.“

Man kann sich die Rollstuhlbasketball-Bundesliga analog zum Fußball so vorstellen, als würden dort der FC Bayern (Thuringia Bulls) und Borussia Dortmund (Lahn-Dill) spielen – und dann nur noch arme Clubs wie Freiburg, Augsburg, Mainz – und eben der HSV. „Best oft the Rest“ zu sein, ist deshalb für den HSV ein Erfolg. „Wir sind stolz und sehr zufrieden“, sagt Kumar Tschana, der Leiter Amateursport im HSV e. V.

Frust und Unsicherheit

Und in Zukunft? Konkrete Gespräche mit Spielern und Trainer gab es bisher kaum, in der Kabine herrscht Frust und Unsicherheit. „Es geht in jedem Fall weiter, wir werden in der Bundesliga präsent bleiben“, sagt Tschana, „und das mit einem ähnlichen Etat.“ Ähnlich heißt Kürzungen. Unbestätigt war von 20 Prozent weniger zu hören, die Teammananager David Schulze dem HSV-Präsidium vorgelegt hat. Der geringere Zuschuss des Vereins muss nun von Sponsoren ausgeglichen werden. „Wir haben neue Partner, und wir sind noch in aussichtsreichen Gesprächen“, sagt Tschana. Über genaue Summen spricht er nicht, 250.000 Euro sind mindestens nötig, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Der erhoffte Werbeeffekt durch die erfolgreiche WM 2018 in Wilhelmsburg blieb aus, die Zuschauerzahl stagnierte bei 300, die Sponsorensuche gestaltete sich zäh. Ein Problem war der Ausstieg des Mobilitätspartners vor dieser Saison, dessen Fahrzeuge zum Transport der Rollstühle und Spieler wichtig waren. „Das war schwierig“, räumt Tschana ein, „wir wollen aber nicht zurückschauen.“

Referenz für erfolgreiche Reha-Arbeit

Die BG Baskets sollen weiter eine Referenz für erfolgreiche Reha-Arbeit im Klinikum Boberg bleiben, dabei geht es vor allem um Sachleistungen, Trainingsstätten und Wohnraum. Partner Aurubis AG, seit Dezember im Team, legt seinen Schwerpunkt auf die Unterstützung der „Inklusionstage“ an Hamburger Grundschulen. Dafür wurden Sportrollstühle angeschafft. Spieler der BG Baskets treten als Übungsleiter auf, hauptsächlich der Iraner Alireza Ahmadi (41). Er absolviert gerade eine Trainerausbildung und wird in Hamburg bleiben.

Der HSV hat 100 Mitglieder in seiner Rollsportabteilung und fünf Mannschaften, die Basketball spielen. Dort wird wertvolle Arbeit geleistet. Erfolgstrainer Glinicki aber steht für den Leistungssport an der Spitze: „Mein Anspruch ist es nicht, um die Plätze fünf bis acht zu spielen.“ Die Zeichen stehen daher auf Trennung. Wie bei den meisten Profis.

„Ich habe einen Superarbeitsplatz und als Ergotherapeutin in der BG Klinik einen Job, den ich liebe, und ich bin total gerne in Hamburg“, sagt Nationalspielerin Anne Patzwald, deren Ziel die Paralympics 2020 in Tokio sind: „Um mich sportlich weiterzuentwickeln, brauche ich aber ein konkurrenzfähiges Team und viele Mitspieler, um auch im Training gefordert zu sein.“