Hamburg. Andrew Barham, Beau Beech und Carlton Guyton sollen die Hamburger Basketballer zum Bundesliga-Aufstieg führen.

An Lockerheit mangelt es Andrew Barham (29), Carlton „Scootie“ Guyton (28) und Beau Beech (25) vor den Play-offs nicht. Als das US-amerikanische Trio der Hamburg Towers zum Fototermin mit dem Abendblatt erscheint, haben die drei Kumpels sichtlich Spaß. Wer schafft die beste Pose? Wer kann am besten böse dreinschauen? Schnell entsteht ein kleines teaminternes Duell vor der Kamera. Der Sieger? Schwer zu sagen. Wenig überraschend gab es von den drei Protagonisten drei unterschiedliche Antworten. „Spaß gehört für uns im Alltag dazu. Wir drei verstehen uns richtig gut, haben gerne eine gute Zeit zusammen, aber Sie können sicher sein, dass wir bei allem Herumgeblödel bereits im Play-off-Modus sind. Wir wollen aufsteigen“, sagt Beech vor dem Auftaktspiel der Best-of-five-Viertelfinalserie am Sonnabend (19.30 Uhr, edel-optics.de-Arena, Airtango live) gegen die Rostock Seawolves.

Die drei Leistungsträger wissen, dass sie eine Schlüsselrolle im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg innehaben. Vor allem die beiden Topscorer Barham, mit 495 erzielten Punkten (16,5 im Schnitt) viertbester Korbjäger der gesamten 2. Bundesliga ProA, und Beech (376 Punkte, 12,5 pro Partie) stehen – ob sie wollen oder nicht – in der Endrunde im Fokus. Nach einem famosen Start in die Saison stagnierte die Leistung der beiden Freunde in der Schlussphase der Hauptrunde. Natürlich stellten sich die Gegner auf die beiden Scharfschützen zunehmend ein, häufig aber fanden die beiden in der heißen Phase der Partien nicht statt und sie trafen zu oft die falsche Entscheidung in der Offensive.

Erfolgsgeheimnis soll Tiefe im Kader werden

„Auch wenn meine Leistungen hier und da etwas holprig waren, habe ich mit meinem Team insgesamt eine gute Hauptrunde gespielt“, stellt der 29 Jahre alte Barham klar. „Auch ich hatte viele Höhen und Tiefen in meinem Spiel. Ich bin mir der Erwartungshaltung bewusst, habe damit aber überhaupt kein Pro­blem. Ich will in den Play-offs meine Rolle bestmöglich ausfüllen. Am Sonnabend beginnt für uns alle eine neue Saison“, ergänzt Beach.

Das Wort „Druck“ versuchen die Amerikaner so gut es geht zu vermeiden. Das Erfolgsgeheimnis der Towers sei schließlich der tiefe Kader und die Tatsache, dass die „Türme“ nicht von einzelnen Spielern abhängig sind. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die Star-Profis auch als solche auftreten müssen, wenn man in den Play-offs bestehen will. „Druck hat nur derjenige, der schlecht vorbereitet ist“, sagt Barham fast schon philosophisch: „Beau und ich können die Towers nicht allein zum Aufstieg führen. Jeder von uns muss sein Spiel auf die nächsthöhere Stufe heben, wenn wir unser großes Ziel Bundesliga erreichen wollen.“

Trumpf im Aufstiegskampf

Damit dürfte sich auch besonders „Scootie“ Guyton angesprochen fühlen. Der in Chicago geborene Spielmacher wurde Ende Dezember als Soforthilfe und Trumpf im Aufstiegskampf nachverpflichtet. Überzeugen konnte der 28-Jährige aber noch nicht. Zuletzt musste der bundesligaerfahrene Profi aufgrund eines Bänderrisses im Sprunggelenk vier Wochen pausieren. In dieser Woche konnte er zwar wieder am Mannschaftstraining teilnehmen, komplett beschwerdefrei ist Guyton aber immer noch nicht. „Es wird von Tag zu Tag besser“, zeigt er sich verhalten optimistisch: „Aber es wird sicher eine Herausforderung sein, nach vier Wochen Pause ins kalte Wasser zu springen. In den Play-offs steht viel auf dem Spiel, aber ich bin bereit für Rostock“, sagt der US-Amerikaner, der die Verletzungspause nutzte, um seine Anfangszeit in Hamburg zu reflektieren.

Dass er mehr abrufen muss als das, was er bisher auf dem Court zeigte, weiß der Mann mit der markanten Frisur: „Man hat bei den Towers noch nicht einmal annähernd den besten Scootie gesehen, den es gibt“, gesteht er ein: „Vielleicht in Ansätzen, aber ich habe eine Zeit gebraucht, um mich hier einzufinden. Mittlerweile verstehe ich, was der Trainer erwartet und wie wir spielen wollen. Die Verletzung war natürlich ein blöder Rückschlag zur Unzeit.“

Kollektiver Rückschlag

Einen kollektiven Rückschlag mussten die Towers in der heißen Phase der Hauptrunde einstecken. Am letzten Spieltag büßten die Wilhelmsburger Basketballer durch eine Niederlage in Tübingen überraschend noch Platz zwei ein, der bis zum Finale Heimrecht garantiert hätte. Der Absturz auf Rang vier warf zumindest einen kleinen Schatten auf die bislang gute Saison der Towers. „Das hing uns am Tag nach dem Tübingen-Spiel in den Knochen und tat natürlich weh“, offenbart Barham: „Aber wir haben schnell den Fokus auf das gelegt, was kommt: das Derby gegen Rostock. Auch in den Play-offs ist es wichtig, ein Kurzzeitgedächtnis zu haben. Egal ob du ein Spiel gewinnst oder verlierst, du musst es schnell abhaken, weil die nächste Aufgabe wartet“, fügt Beech, der in seiner Profikarriere noch nie in den Play-offs stand, hinzu.

Am Donnerstag trafen sich Guyton, Barham und Beech mit den Mannschaftskollegen in der L’Osteria zum Teambuilding-Nachmittag. Gemeinsames Einstimmen auf die „beste Zeit des Jahres“, wie das Trio die Aufstiegsrunde beschreibt. Das offizielle Motto für die Play-offs lautet bei den Towers in dieser Saison: „Let’s play in May“. Im Mai steigen die beiden Finalpartien, anschließend wollen die Basketballer den größten Erfolg der fünfjährigen Vereinsgeschichte feiern. „Die Play-offs werden ein zäher Abnutzungskampf. Jedes kleine Detail zählt. Du kannst dir keine Schwächephase erlauben, sonst hast du früher Urlaub, als es dir lieb ist“, sagt
Beech, und gibt gleichzeitig die Marschroute für die kommenden vier Wochen aus: „Wir müssen uns in jeder Partie das Herz aus dem Körper spielen und jedes Spiel wie ein Endspiel angehen.“ Das erste steigt am Sonnabend.