Geschichten eines Abends

Oke Göttlich kam mit dem letzten Sprit zur Sportgala

Die Hockeydamen des Club an der Alster gewannen 2018 die deutschen Meistertitel in Halle und Feld und zählten deshalb zu den Nominierten.

Die Hockeydamen des Club an der Alster gewannen 2018 die deutschen Meistertitel in Halle und Feld und zählten deshalb zu den Nominierten.

Foto: Witters

Der St.-Pauli-Präsident kommt nicht mehr nach Hause, auf der Alster segeln so viele Frauen wie nie, und die Judoka sind die Schicksten.

Hamburg.  Ehrung: Zum zweiten Mal wurde im Rahmen der Sportgala der Active-City-Award verliehen. Diesjähriger Gewinner ist der Norddeutsche Regatta Verein (NRV). Anlässlich des 150-jährigen Bestehens gab es mehrere Veranstaltungen, die den Segelstandort Hamburg national wie international als Active City herausstellen konnten. Eine Besonderheit war die erstmalige Austragung des Helga Cups – eine Segelregatta auf der Alster ausschließlich für Frauenteams. Dieses Format ist weltweit einmalig, und die Veranstaltungspremiere war derart erfolgreich, dass die Regatta von 2019 an eine „Hamburg Top Ten Veranstaltung“ wird. „Ihnen ist es gelungen, aus dem Stand die weltgrößte Frauenregatta aufs Wasser zu bringen“, sagte Sportsenator Andy Grote in seiner Laudatio.

Entschuldigt: Wie schwer es ist, Spitzensport mit Amateurstatus zu vereinbaren, zeigte einmal mehr Voltigiererin Kristina Boe. Die 30-Jährige vom Reit- und Fahrverein Kirchwärder fehlte als Zweitplatzierte bei der Gala, und das aus gutem Grund: „Ich habe meine erste und einzige Urlaubswoche in diesem Jahr, zu der ich auf keinem Wettkampf bin. Die Polarlichtreise nach Norwegen war fest gebucht“, entschuldigte sich die diesjährige Doppelweltmeisterin und Weltcupgesamtsiegerin. Boe arbeitet als Unfallchirurgin in der Eilbeker Schön Klinik, für die 14-tägigen Weltreiterspiele in Tryon (USA) Mitte September hatte sie ihren Sommerurlaub nehmen müssen.

Dezimiert: Hamburgs Boxer waren nicht in gewohnter Stärke vertreten. Die frühere Fliegengewichtsweltmeisterin Susi Kentikian (31) war als Zeugin bei einer Gerichtsverhandlung in Süddeutschland gefragt. Die Brüder Artem und Robert Harutyunyan, wie Kentikian armenischer Herkunft und seit Jahren Stammgäste auf der Sportgala, bestreiten an diesem Sonnabend in Augsburg ihre sechsten Profikämpfe. Leichtgewichtler Robert (29) kämpft gegen den Georgier Giorgi Gachechiladze, Artem (28) boxt im Halbweltergewicht gegen Aleko Lursmanaschwili (ebenfalls Georgien). Dafür hielt Sebastian Formella die Stellung

Der Superweltergewichtler, der mit Manager Steffen Soltau kam, musste allerdings am Büfett Zurückhaltung zeigen. Am Sonnabend bestreitet der 31-Jährige auf der Dinnerbox-Gala des Hamburger EC-Stalls in der Sporthalle Hamburg den Hauptkampf gegen Bethuel Ushona aus Namibia. „Dafür muss ich natürlich mein Gewicht halten. Festessen gibt es für mich zu Weihnachten“, sagte er. Vom Zweitligateam Hamburg Giants waren die Teammanager Christian und Raiko Morales mit ihrem Topmann Edison Zani (21) und dem neuen Schwergewichtsprofi Peter Kadiru (21) am Start.

Die Hamburger Sportgala 2018:

Ambitioniert: Tabellenführer der Hallenbundesliga Nord sind die Hockeydamen des Clubs an der Alster schon wieder. An diesem Donnerstag (20.30 Uhr) steht das Topspiel bei Verfolger Uhlenhorster HC an, und die Vorbereitung darauf absolvierten beide Teams auf der Sportgala, zu der Alsters Damen als Doublesieger der vergangenen Saison sogar als Nominierte geladen waren. „Unser Derby ist ja wie Schalke gegen Dortmund, nur mit geringfügig weniger Ausschreitungen“, sagte Alsters Cheftrainer Jens George (49) augenzwinkernd.

Überhaupt war Hockey seiner Bedeutung in der Hochburg Hamburg angemessen vertreten. Die gesamte Damen-Nationalmannschaft, die aktuell einen Athletiklehrgang in der Stadt abhält, war ebenso vertreten wie die UHC-Herren um das im Sommer zurückgetretene Idol Moritz Fürste (34), die im ­Februar den deutschen Hallenmeister­titel gewonnen hatten.

Ausgetrocknet: Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli, kam buchstäblich mit dem letzten Tropfen Benzin auf den Parkplatz der Volksbank-Arena. „Ich musste meinen Wagen am Ende sogar noch in die Parklücke schieben“, verriet er. „Eigentlich wollte ich direkt nach der Sportgala zur Tankstelle fahren.“ So aber musste ihn seine Frau erlösen und eilte mit einem Kanister zur Arena.

Schiedsrichter-Freundschaft: Für Christoph Schubert gehört die Sportgala zu den Highlights des Jahres. Am Mittwoch hatte sich das Aushängeschild der Crocodiles Hamburg besonders auf Fußball-Bundesligaschiedsrichter Patrick ­Ittrich gefreut. „Wir sind hier auf der Sportgala im vergangenen Jahr zu dicken Kumpels geworden. Schade, dass er nicht hier ist“, erklärte der 36-Jährige. ­Ittrich verpasste die Sportgala, weil er an diesem Donnerstag am Knie operiert wird. „Ich wünsche ihm alles Gute, und wir stoßen im kommenden Jahr wieder hier an“, sagte der Eishockeyprofi.

Traum: In voller Mannschaftsstärke waren die Zweitligafrauen des Volleyball-Teams Hamburg aufgelaufen. Nur der Chef fehlte: Trainer Jan Maier (46) musste daheim seine erkrankte Familie pflegen. Hemmungslos feiern konnten die Spielerinnen allerdings nicht, Maiers Assistent Matthias Krause (47) war als „Aufpasser“ dabei. Spielführerin Juliane Köhler (22) wünschte sich, mit ihrem Team irgendwann auch einen Anlass zum Feiern zu bieten. „Hier mal als Mannschaft des Jahres ausgezeichnet zu werden, das wäre toll“, sagte sie.

Modisch top: Für den Hingucker des Abends sorgten die deutschen Mannschaftsmeister vom Hamburger Judo-Team, die mit roten, mit dem Vereinslogo verzierten Fliegen antraten. „Die haben wir alle selbst gebunden“, sagte Sportdirektor Sascha Costa. Max Münsterberg, Topmann in der 81-Kilo-Klasse, gab allerdings zu, dass er Hilfe benötigt hatte, um das Gesamtbild nicht zu trüben. „Auf der Matte finde ich mich besser zurecht“, sagte er.


Eigenwerbung: Rollstuhlbasketballerin Anne Patzwald (29/BG Baskets) nutzte die Gunst der Stunde und lud im Talk auf der großen Bühne ihre Hamburger Sportkollegen zum letzten Heimspiel des Jahres am 23. Dezember (12.30 Uhr) gegen Zwickau ein. Anhand des erhaltenen Beifalls dürfte die Wilhelmsburger edel-optics.de-Arena voll werden.