Boxen

Tod mit 47: Trauer um Ex-Weltmeister Markus Beyer

Markus Beyer im Juni bei einer Boxgala mit Moderatorin Sabrina Bramowski.

Markus Beyer im Juni bei einer Boxgala mit Moderatorin Sabrina Bramowski.

Foto: imago/Ed Gar

Der ehemalige Weltmeister stirbt in einem Berliner Krankenhaus. Sein Trainer Ulli Wegner und die Ex-Kollegen sind geschockt.

Berlin.  Das deutsche Boxen trauert um Markus Beyer. Der frühere Profi-Weltmeister verstarb am Montag viel zu früh im Alter von nur 47 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit in einem Berliner Krankenhaus.

"Mir fehlen die Worte, ich bin sehr traurig", sagte sein langjähriger Trainer Ulli Wegner. "Er war mein Lieblingsboxer, ein großartiger Mensch", meinte Wegner, der Bayer schon bei den Amateuren trainiert hatte und später aus ihm einen Profi-Champion machte. Beyers Kollegen reagierten geschockt. "Da tritt der Sport in den Hintergrund. Da hat er leider viel zu früh den wichtigsten Kampf verloren", sagte der frühere Schwergewichts-Boxer Axel Schulz (50) bei Eurosport.

1999 hatte Beyer als Profi seinen größten Erfolg gefeiert. Durch den Sieg über den Briten Richie Woodhall sicherte sich der gebürtige Sachse in England erstmals den WM-Titel im Supermittelgewicht. Nach Max Schmeling und Ralf Rocchigiani war Beyer erst der dritte deutsche Boxer, der im Ausland Weltmeister wurde. Der in Erlabrunn geborene Beyer kassierte auch schmerzhafte Niederlagen, kam aber immer wieder zurück und wurde dreimal Champion der WBC.

35 Siege in 39 Kämpfen

Im Jahr 2008 bestritt der Rechtsausleger beim Punktsieg über den Russen Murad Machmudow seinen letzten Profi-Fight. Sein Kampfrekord weist 35 Siege in 39 Kämpfen auf. "Er war taktisch sehr vielseitig, ein kompletter Boxer", so Wegner.

Zu seinen spektakulärsten Auftritten im Ring gehörte der Vereinigungskampf im Oktober 2006 gegen den Dänen Mikkel Kessler. Allerdings hatte Beyer das Nachsehen, verlor in der dritten Runde durch Knockout.

Wegner hatte das Talent von Beyer schon früh erkannt und den Nachwuchsboxer noch zu DDR-Zeiten als Amateur nach Gera geholt. 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta nahm der Rechtsausleger für das wiedervereinte Deutschland an Olympischen Spielen teil, schied aber jeweils frühzeitig aus.

Zweiter toter Exweltmeister binnen zweier Monate

Für die deutsche Box-Szene ist es ein erneuter Schlag. Erst Anfang Oktober war der frühere Weltmeister Graciano Rocchigiani mit nur 54 Jahren verstorben. Der zweimalige Weltmeister war bei einem Autounfall auf Sizilien ums Leben gekommen. Über 1000 Trauergäste nahmen bei der bewegenden Beisetzung in Berlin Abschied von Rocky.

"Sie haben beide Geschichte geschrieben, Rocky und Markus. Jeder auf seine Art", sagte Wegner. Beyer, der anders als Rocchigiani in der Öffentlichkeit immer ruhig und besonnen auftrat, machte sich schon als Amateur einen Namen und gewann 235 seiner 274 Kämpfe, ehe er 1996 bei Wilfried Sauerland seinen ersten Profivertrag unterschrieb.

Später, nach dem Ende seiner Karriere, arbeitete Beyer ab dem Jahr 2015 auch als Experte für die MDR-Sendung "Sport im Osten". "Wir sind bestürzt und trauern um einen großartigen und wunderbaren Kollegen. Mit seinem Box-Sachverstand hat er als Mitarbeiter des MDR 'Sport im Osten' in den vergangenen Jahren geprägt", sagte MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi.

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