Tennis

Auch Kerber scheitert – Zverev bangt um Wimbledon

Angelique Kerber ließ sich in einer medizinischen Auszeit die Blasen an den Füßen verbinden

Angelique Kerber ließ sich in einer medizinischen Auszeit die Blasen an den Füßen verbinden

Foto: Matthew Stockman / Getty Images

Auf dem Weg ins French-Open-Halbfinale wird die Kielerin erneut von Halep gestoppt. Zverev macht der Oberschenkel Sorgen.

Paris.  Angelique Kerber rannte, kämpfte und retournierte, bis sie Blasen an den Füßen hatte – und ging letztlich doch erneut geschlagen vom Platz. Trotz einer leidenschaftlichen Defensivleistung hat die 30-Jährige ihr erstes Halbfinale bei den French Open verpasst. Kerber verlor ihr Duell mit der Weltranglistenersten Simona Halep 7:6 (7:2), 3:6, 2:6. Wie schon bei den Australian Open war gegen die Rumänin letztlich Endstation für die zweimalige Grand-Slam-Gewinnerin aus Kiel.

Kerber war die letzte deutsche Hoffnungsträgerin in Paris, nachdem am Vortag Alexander Zverev beeinträchtigt von einer Verletzung ausgeschieden war. Die frühere Nummer eins der Welt wäre zudem die erste Deutsche im Halbfinale von Roland Garros seit Andrea Petkovic (Darmstadt) 2014 gewesen. Vorjahresfinalistin Halep spielt als Nächstes gegen Garbiñe Muguruza (Spanien/Nr. 3), die Russlands Tennisstar Maria Scharapowa (Nr. 28) 6:2, 6:1 abgefertigt hatte.

Bereits vor dem Match hatte Kerber für ihre bisherigen Auftritte in Roland Garros von Deutschlands Tennis-Ikone Steffi Graf ein großes Lob geerntet. „Sie hat wieder den Glauben an sich selbst gefunden, spielt mit Selbstbewusstsein und Sicherheit“, sagte die 22-malige Major-Siegerin, die während der French Open einige Tage in Paris verbracht hatte, dem Abendblatt: „Mir imponiert ihre Willenskraft und Leidenschaft.“

Kerber nimmt medizinische Auszeit

Gegen Halep hatte Kerber bei diesmal milden Temperaturen einen Traumstart erwischt. Die Weltranglistenzwölfte leistete sich kaum einen leichten Fehler und entnervte ihre leicht favorisierte Gegnerin mit ihrer gewohnt unermüdlichen Defensivarbeit. Nach 18 Minuten führte Kerber mit 4:0, ehe auch Halep besser ins Spiel fand und letztlich den Tiebreak erzwang. Dort bewies Kerber jedoch die besseren Nerven, ihr Blick verriet nun wilde Entschlossenheit.

„Ich bin ein bisschen zu aggressiv gestartet, das hat nicht geklappt“, sagte Halep nach dem Match: „Gegen Angelique ist es immer hart, weil sie so viele Bälle zurückbringt. Das geht es in jedem Punkt um alles. Es macht mich sehr glücklich, dass ich so stark bleiben kann.“

Ab dem zweiten Satz übernahm Halep endgültig das Kommando. Die 26-Jährige, die noch nie ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat, war die aktivere Spielerin und trieb Kerber noch mehr als bisher über den Platz. Beim Stand von 1:2 nahm die Deutsche ein medizinische Auszeit, um sich die Blasen an den Füßen verbinden zu lassen. Danach machte Halep alles klar und beendete nach 2:14 Stunden das Match.

Zverev bangt um Wimbledon

Schon bei den Australian Open hatten sich die Wege von Kerber und Halep gekreuzt. Nach einem geradezu epischen Duell, während dem Kerber zwei Matchbälle vergab, hatte sie sich letztlich mit 7:9 im dritten Satz geschlagen geben müssen. Auch diesmal lieferten sich beide lange Ballwechsel und einen großen Fight. Das bessere Ende hatte erneut Halep für sich.

Am Vortag war bei den Männern Topspieler Zverev im ersten Grand-Slam-Viertelfinale seiner Karriere von einer Oberschenkelblessur ausgebremst worden. Gegen den Österreicher Dominic Thiem (Nr. 7) kassierte er so eine 4:6, 2:6, 1:6-Pleite und bangt nun auch um seinen Start in die Rasensaison inklusive des Highlights Anfang Juli in Wimbledon.

„Bei solchen Muskelverletzungen sieht man das immer erst zwei, drei Tage später“, sagte Zverev: „Ich hoffe, es ist nichts Riesengroßes.“ Stundenlang hatte er sich gegen Thiem unter Schmerzen gequält: „Ich werde jetzt nach Hause fahren, definitiv erstmal gar nichts machen und dann schauen, was es genau ist.“

Aufzugeben war keine Option

Zverev hatte bereits früh im ersten Satz einen Stich im linken Oberschenkel verspürt, ab Mitte des zweiten Durchgangs war er körperlich dann komplett eingeschränkt. Er sei niemand, der bei jeder Kleinigkeit nach dem Physiotherapeuten rufe, meinte der 21-Jährige: „Nein, das hat wirklich wehgetan.“ Doch aufgeben, erstmals überhaupt in 236 Profimatches, kam für Zverev nicht infrage.

Ob er mit seiner Entscheidung, weiterzuspielen, womöglich sogar eine schlimmere Verletzung in Kauf genommen hat, bleibt also vorerst unklar. Er wolle zunächst die Kernspin-Untersuchung abwarten, betonte Zverev. Gedanken über die kommenden Wochen machte er sich trotzdem, vor allem um den geplanten Start beim Heimturnier im westfälischen Halle (16. bis 24. Juni). „Ich hoffe, dass ich bereit sein werde“, sagte Zverev: „Und Wimbledon ist jetzt auch nicht so weit entfernt.“

Doch trotz aller Sorgen und Ungewissheiten schaffte es der Hamburger selbst in der Stunde bitterer Enttäuschung, ein insgesamt positives Fazit für seinen Auftritt in Roland Garros zu ziehen. „Ich habe drei Fünfsatzmatches in Folge gewonnen und bin zum ersten Mal ins Viertelfinale gekommen. Es ist alles sehr positiv, die ganze Sandplatzsaison war positiv.“