Crocodiles Hamburg

„Wir brauchen nicht viel Geld, wir brauchen Charakter“

Der neue Crocodiles-Cheftrainer
Jacek Plachta
(49) spielte von
2002 bis 2007
für die Hamburg
Freezers

Der neue Crocodiles-Cheftrainer Jacek Plachta (49) spielte von 2002 bis 2007 für die Hamburg Freezers

Foto: Imago/GEPA pictures

Jacek Plachta, neuer Cheftrainer des Eishockey-Oberligisten Crocodiles, spricht über den Kader und seine Pläne mit Kapitän Schubert.

Hamburg.  In der vergangenen Woche wurde er verpflichtet, nun gab Jacek Plachta (49) dem Abendblatt das erste Interview in seiner Funktion als neuer Cheftrainer der Eishockey-Oberligamänner der Crocodiles Hamburg.

Herr Plachta, noch immer sieht man bei Spielen der Crocodiles-Fans, die Trikots mit Ihrem Namen tragen. Welche Rolle hat es bei Ihrer Entscheidung gespielt, dass Sie von 2002 bis 2007 für die Freezers aktiv waren?

Jacek Plachta: Es ist kein Geheimnis, dass ich bei den Freezers die beste Zeit meiner Karriere hatte. Ich habe mich in Hamburg sehr wohlgefühlt. Und auch wenn ich in den vergangenen Jahren nicht mehr häufig in der Stadt war, fühlte es sich bei den Vertragsgesprächen an, als wäre ich nach Hause gekommen. Die Eishalle in Farmsen, wo die Crocodiles spielen, kenne ich zum Beispiel noch gut, wir haben zu meiner Zeit dort ja trainiert. Zu hören, dass viele Freezers-Fans nach dem Aus vor zwei Jahren zu den Crocos gewechselt sind, finde ich toll, das hilft dem Verein. Ich freue mich sehr, sie alle wiederzutreffen.

Diese Vorfreude kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sie mit der Nachfolge von Herbert Hohenberger ein schweres Erbe antreten. Die Crocodiles kommen aus einer enttäuschenden Saison, haben alle Ziele verfehlt und sind spät dran mit der Kaderplanung. Macht Ihnen das Sorgen?

Plachta: Nein. Ich weiß um die Lage, dass wir vom Budget her nicht mit den Topteams mithalten können. Aber wir brauchen nicht viel Geld, wir brauchen Charakter. Wir wollen ein Team stellen, das zu Hamburg und den Crocodiles passt. Die Situation ist perfekt, weil wir jetzt junge Spieler einbauen und fördern können. Das muss unser Weg sein.

Menschlich gesehen: Das Chef-Krokodil

Das Budget reicht aktuell nur zu einem kleinen Kader von 15 Feldspielern und zwei Torhütern. Genügt das?

Plachta: Wir werden sehen, was noch machbar ist. Aber klar ist: Wir werden nicht viele Spieler haben. Umso wichtiger ist es, dass wir die richtigen holen. Wir können uns in der Kaderplanung keinen Fehler erlauben.

Was erwarten Sie von Ihren Spielern, und welchen Stil können Mannschaft und Fans von Ihnen erwarten?

Plachta: Ich erwarte, dass meine Spieler in jedem Training mit 100 Prozent Einsatz und Leidenschaft auftreten, denn man spielt immer so, wie man trainiert. Ich möchte aber auch, dass der Spaß nie zu kurz kommt. Diese Mischung ist mir wichtig, denn daraus entsteht Erfolg. Wir werden sicherlich nicht das Team mit dem größten Talent sein. Deshalb müssen wir andere Wege finden, um nach vorn zu kommen. Die Fans dürfen von uns erwarten, dass wir in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen. Und das ist auch mein Anspruch an mich.

Sie waren Cheftrainer in Polens Nationalteam und der dortigen Topliga. Ist da die Dritte Liga in Deutschland nicht ein Rückschritt?

Plachta: Sehe ich nicht so. Ich war zuletzt Co-Trainer in der DEL2 in Crimmitschau. Jetzt bot sich die Chance, in einem deutschen Club die Verantwortung als Headcoach zu übernehmen. Für mich ist das deshalb der nächste Schritt in meiner Trainerkarriere. Ich freue mich sehr darauf, in Hamburg mithelfen zu können, etwas Neues aufzubauen.

Gerade weil Sie aus eigener Erfahrung wissen, wie wichtig ein Assistenzcoach ist: Werden Sie einen verpflichten?

Plachta: Das hat momentan keine Priorität. Wenn es das Budget hergibt, fände ich es aber hilfreich, denn ich bin sehr offen für andere Meinungen.

Führungsfigur bei den Crocodiles ist Christoph Schubert. Bleibt er Ihr Kapitän, und wäre er als eine Art Co-Trainer denkbar?

Plachta: Natürlich bleibt Schuby Kapitän, er ist die wichtigste Person im gesamten Verein, ist ja auch schon in die sportliche Leitung eingebunden. Ich möchte aber vor allem, dass er seinen sportlichen Führungsaufgaben gerecht werden kann. Wir brauchen ihn als Vorbild und Anführer auf dem Eis. Darauf soll er sich konzentrieren.

Vor der vergangenen Saison gab es Verstimmungen über das Vorbereitungsprogramm mit zu schwachen Testgegnern. Wie planen Sie Ihr Team für die Saison fit zu machen?

Plachta: Wir starten Mitte August, dann haben wir fünf Wochen Zeit. Das muss reichen. Das Testspielprogramm stand fest, bevor ich unterschrieb, aber ich bin damit sehr zufrieden, weil wir gegen starke Gegner spielen. Das ist wichtig, um zu wissen, wo man steht. Wir werden bereit sein, wenn es losgeht. y