Pyeongchang 2018

Trotz Sanktion: Russland schickt seine Athleten zu Olympia

Die Shorttrack-Eisschnellläuferinnen Jewgenija Sacharowa (r.) und Ekaterina Efremenkowa (L) am Dienstag bei der Sitzung des russischen Olympiakomitees

Die Shorttrack-Eisschnellläuferinnen Jewgenija Sacharowa (r.) und Ekaterina Efremenkowa (L) am Dienstag bei der Sitzung des russischen Olympiakomitees

Foto: Anadolu Agency / Getty Images

Nach dem Ausschluss Russlands von den Winterspielen sollen alle Sportler unter neutraler Flagge starten. Doch eine Hürde gibt es noch.

Moskau/Berlin.  Jetzt ist es amtlich: Russland schickt seine Athleten unter neutraler Flagge zu den Olympischen Winterspielen nach Pyeongchang (9. bis 25. Februar). Dies beschloss das russische Olympiakomitee ROC am Dienstag einstimmig. Die Entscheidung pro Olympia sehen die Verantwortlichen als Chance, doch von Einsicht angesichts des Dopingskandals fehlt weiterhin jede Spur.

„Das Russische Olympische Komitee hat einstecken müssen, um den Sportlern ihren olympischen Traum ermöglichen zu können“, sagte ROC-Chef Alexander Schukow, der erneut Whistleblower Grigorij Rodtschenkow die Schuld an dem Skandal zuschob. „Die Schmid-Kommission hat gründliche Beschreibungen von Rodtschenkow und seinen Komplizen geliefert. Sie haben dem russischen Sport und der olympischen Bewegung enorm geschadet“, sagte Schukow.

46 Athleten von Sotschi unter Verdacht

Rodtschenkow hatte als Kronzeuge die Aufdeckung des Dopingskandals rund um die Winterspiele 2014 in Sotschi massiv vorangetrieben. Die Kommission unter der Leitung des Schweizers Samuel Schmid hatte dem IOC nach eingehenden Untersuchungen zu Sanktionen gegen Russland geraten. Die Zahl der untersuchten Einzelfälle steigt indes weiterhin an: Mittlerweile befasst sich die Oswald-Kommission mit 46 Sportlern, die von den Manipulationen in Sotschi profitiert haben sollen.

In der vergangenen Woche schon schloss das IOC das ROC wegen systematischen Dopings von den kommenden Spielen aus, saubere Athleten dürfen aber unter neutraler Flagge starten. Auch darf weder die russische Hymne bei Olympia gespielt werden noch die russische Fahne in Pyeongchang wehen.

Athleten sind erleichtert

Witali Smirnow, der Vorsitzende des russischen Anti-Doping-Ausschusses, begrüßte die Entscheidung für den Start unter neutraler Flagge: „Wir haben die richtige Entscheidung im Sinne unserer Athleten getroffen. Die Teilnahme an den Winterspielen 2018 ist eine Chance, unseren Status, unsere Stellung und unseren guten Namen wiederherzustellen.“ Der russische Eishockey-Nationalspieler Ilja Kowaltschuk ergänzte: „Gott sei Dank hat der Ärger ein Ende.“

Zuletzt hatte bereits Staatspräsident Wladimir Putin erklärt, dass das Riesenreich die Spiele in Pyeongchang nicht boykottieren werde, und damit den Weg frei gemacht. In den vergangenen Tagen hatten sich russische Athleten aus allen Wintersportarten für einen Start ausgesprochen, obwohl die Sanktionen auch scharf kritisiert worden waren.

IOC entscheidet über Start

Die Athleten müssen sich zum einen für die Spiele sportlich qualifizieren, zum anderen müssen sie nachweisen, dass sie sauber sind. Ein Gremium unter Vorsitz der ehemaligen französischen Sportministerin Valérie Fourneyron soll feststellen, wer für einen Start in Frage kommt. Im Anschluss entscheidet ein Dreiergremium des IOC über die endgültige Starterlaubnis. Vorsitzende der Arbeitsgruppe ist Nicole Hoevertsz (Aruba).

Zugelassene Sportler müssen in Pyeongchang dann unter der Teambezeichnung OAR (Olympic Athlete from Russia) starten. Dies sorgte jedoch zuletzt für Kritik. Das britische IOC-Mitglied Adam Pengilly stieß sich an der Namensgebung für das neutrale Team. „Olympischer Athlet von Russland klingt nicht wirklich neutral“, bemängelte der Brite.

31 russische Athleten sind gesperrt

Für die Sportler, die nicht an Olympia teilnehmen, will Schukow derweil mit dem IOC über Alternativen sprechen: „Alternative Wettkämpfe für die Athleten auszurichten, die nicht nach Pyeongchang fahren, ist ein Thema, das es zu diskutieren gilt.“

Wer tatsächlich nach Südkorea reist, hängt auch von den anstehenden Verfahren der lebenslang gesperrten Sportler vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS ab. Zuvor hatten 25 russische Athleten, die vom IOC lebenslang für alle Funktionen bei Olympia gesperrt worden waren, Einspruch beim CAS eingelegt. Am Dienstag legte das IOC nach und sanktionierte sechs Eishockeyspielerinnen. Die Zahl der vom IOC gesperrten russischen Athleten erhöht sich damit auf 31.