Zweite Liga

Was der HSV mit dem rasanten Absturz des KSC zu tun hat

Zum Ausflippen: Der KSC befindet sich auch mit den ehemaligen HSV-Nachwuchstrainern Marc-Patrick Meister (l.) und Zlatan Bajramovic (2.v.l.) im freien Fall

Zum Ausflippen: Der KSC befindet sich auch mit den ehemaligen HSV-Nachwuchstrainern Marc-Patrick Meister (l.) und Zlatan Bajramovic (2.v.l.) im freien Fall

Foto: Picture Alliance

Rund 100 Wochen nach dem Relegationsdrama stehen die Badener statt in der ersten an der Schwelle zur dritten Liga. Warum nur?

Karlsruhe/Hamburg. Dass ausgerechnet im emotional so aufgeladenen Derby gegen den Erzrivalen 1. FC Kaiserslautern der Abstieg endgültig besiegelt werden könnte, ist für den Karlsruher SC und seine Fans doppelt bitter. Noch im Juni 2015 war der Fußball-Zweitligist in der Relegation quasi in letzter Sekunde am Hamburger SV gescheitert – auch durch einen in Fankreisen noch immer umstrittenen Freistoßtreffer des HSV-Chilenen Marcelo Díaz. Fast genau 100 Wochen später droht dem Traditionsverein zum dritten Mal nach 2000 und 2012 der Sturz in die Drittklassigkeit. Der Rückstand des Tabellenletzten auf den Relegationsplatz 16 beträgt vor der Partie am Sonnabend vier Spiele vor Saisonende elf Punkte.

Die Gründe für den rasanten Niedergang sind vielfältig. Seinen Ursprung sehen viele in dem Trauma des verpassten Aufstiegs vor zwei Jahren. Vieles änderte sich danach rund um das Wildparkstadion. Die zuvor seit dem Amtsantritt von Trainer Markus Kauczinski wieder eingekehrte sportliche Gelassenheit war in ihren Grundfesten erschüttert worden. Leistungsträger wie Verteidiger Philipp Max und der in Hamburg ausgebildete Torschützenkönig Rouwen Hennings verließen den Verein. Trotz Millioneneinnahmen konnten beide vom damaligen Sportdirektor Jens Todt nicht adäquat ersetzt werden. Todt arbeitet heute für den HSV.

Wellenreuther schimpft auf Todt

Auch Kauczinski selbst, seit 2001 im Verein und Inbegriff der Bodenständigkeit, verlor bei Teilen von Fans und Verantwortlichen an Rückhalt. Trotz eines miserablen Auftakts in die Saison gelang es ihm 2016 noch einmal, den Trend umzukehren und sein Team auf Platz sieben der 2. Bundesliga zu führen. Doch Kauczinski, der den Weg des Clubs von der 3. Liga bis in die Erstliga-Relegation bestimmt hatte, wechselte im vergangenen Sommer zum Bundesligisten FC Ingolstadt 04. Dort wurde er aber nach wenigen Monaten beurlaubt.

In Dominic Peitz, Manuel Gulde und Daniel Gordon gingen beim KSC vor der laufenden Saison weitere Führungsspieler. Auch die Kommunikation zwischen Todt und Präsident Ingo Wellenreuther funktionierte nicht mehr. „Wir hätten uns besser nach der verlorenen Relegation gegen den HSV getrennt“, erklärt Wellenreuther heute – nachdem er Todts Autorität im Laufe der vergangenen Sommertransferperiode bereits öffentlich untergraben hatte. Im erfolglosen Tomas Oral als Nachfolger von Kauczinski irrten sich schließlich beide.

Auch der aktuelle Trainer war schon HSVer

Nach Todts Freistellung im November und der Entlassung von Oral wenig später setzte der neue Sportdirektor Oliver Kreuzer – der sich zur Saison 2013/14 zum HSV freigepresst hatte – auf den erfahrenen Mirko Slomka. Den früheren Coach von Schalke und Hannover kannte Kreuzer aus der gemeinsamen Zeit beim HSV. Dort war Slomkas Mission 2014 wegen Erfolglosigkeit vorzeitig beendet. Und auch in Karlsruhe fand der Trainer keine Antworten auf den rasanten Absturz und wurde sieben Spieltage vor Ende wieder vor die Tür gesetzt.

Unter dem früheren U17-Trainer Marc-Patrick Meister, der zwischen 2007 und 2010 seine ersten Erfahrungen im Nachwuchsbereich des HSV sammelte, hat der KSC nun nur noch eine theoretische Chance auf den Klassenverbleib. Meister zur Seite gestellt: Zlatan Bajramovic, natürlich in Hamburg geboren und beim HSV bereits als Nachwuchstrainer und Bundesliga-Assistent aktiv. Dass parallel der Karlsruher Unterbau nach dem Abgang Josef Zinnbauers vor drei Jahren an die Elbe sukzessive bis in die unteren Regionen der Oberliga Baden-Württemberg abstürzte, ist ein weiterer Aspekt der badisch-hanseatischen Wechselspiele.

Wildpark-Neubau am seidenen Faden

Dabei sollten beim stolzen Bundesliga-Gründungsmitglied und Heimatverein von Größen wie den späteren Nationalspielern Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Jens Nowotny oder aktuell auch Lars Stindl und Hakan Calhanoglu endlich stabilere Strukturen geschaffen werden, wie es etwa der südbadische Nachbar in Freiburg vorlebt.

Vor wenigen Monaten erst wurde der Neubau des Wildparkstadions beschlossen. Die Kosten in Höhe von 113 Millionen Euro soll der KSC in großen Teilen über eine Pacht zurückzahlen. Nach der geplanten Fertigstellung 2020 darf er sich laut Finanzierungsplan aber nur ein Drittliga-Jahr pro Dekade leisten - sonst bricht das Modell zusammen.

Fan-Ausraster nach der Relegation: