Triathlon

Mega-Events: Was der Ironman Hamburg bringt

Angefeuert von zahlreichen Zuschauern schwimmen Teilnehmer des Triathlon in Hamburg

Angefeuert von zahlreichen Zuschauern schwimmen Teilnehmer des Triathlon in Hamburg

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture alliance / dpa

Premiere für den Langstrecken-Triathlon an und in der Alster. Der Hamburger Ironman 2017 bringt überraschende Neuerungen.

Hamburg. Welch guten Ruf Hamburg als Triathlonstandort genießt, ist Andy Grote anlässlich seines Besuchs bei den Olympischen Spielen im August bewusst geworden. „Wir haben bei unseren Gesprächen in Rio ein beeindruckendes Feedback bekommen“, erzählt der Sportsenator, „der Hamburger World Triathlon ist ganz offenbar die Benchmark-Veranstaltung, an der sich alle anderen Triathlons weltweit messen lassen müssen“.

Welcher Standort könnte also besser geeignet sein, um einen Ironman zu veranstalten? Das Abendblatt hatte das Vorhaben im Januar öffentlich gemacht. Jetzt sind die Verträge unterschrieben. Am 13. August 2017 wird gegen 7 Uhr am Jungfernstieg der Startschuss zum ersten Ironman Hamburg erfolgen. 2000 bis 2500 Teilnehmer aus aller Welt werden erwartet, unter ihnen auch 25 bis 50 Profis.

„Der Ironman ist nach Marathon, Cyclassics und Triathlon das letzte große Format, das in unserem Ausdauersport-Profil gefehlt hat“, sagte Grote bei der Vorstellung der Pläne in der Handelskammer. Vier Großveranstaltungen auf Topniveau im Herzen der Stadt bedeuteten für Hamburg ein weltweites Alleinstellungsmerkmal. „Dies ist nicht nur ein weiteres Event, sondern wird die Wahrnehmung der Stadt nachhaltig verändern“, sagte Grote. Dass das Konzept aufgeht, es einen Markt für den Ironman gibt, bezweifelt der SPD-Politiker nicht: „Ich kenne selbst Leute, die schon morgen mit dem Training anfangen werden.“

Kommentar: Der Ironman in Hamburg

Denn abverlangt wird den Teilnehmern – neben 520 Euro Startgeld – schier Übermenschliches. Zunächst gilt es, 3,86 Kilometer zu schwimmen. Die Strecke soll M-förmig durch Binnen- und Außenalster führen, wobei in der Mitte ein kurzer Landgang vorgesehen ist. Ebenfalls aus Sicherheitsgründen erfolgt der Start nicht im Pulk, sondern ähnlich wie beim Marathon hintereinander über eine halbe Stunde verteilt.

Schafft man es innerhalb von 2:20 Stunden in die Wechselzone, geht das Abenteuer auf dem Rad weiter: 180,6 Kilometer sind zu absolvieren auf einer zweimal zu durchfahrenden Schleife durch den Hamburger Süden, die komplett für den Verkehr gesperrt ist. Gleich viermal geht es über die Köhlbrandbrücke. „Dadurch bekommen wir nicht nur das erforderliche Höhenprofil“, sagt Björn Steinmetz, der als Geschäftsführer von Ironman Germany für die Umsetzung des Hamburger Rennens verantwortlich ist, „die Bilder von der Brücke werden auch die Au­ßendarstellung des Ironmans prägen“.

Der abschließende Marathonlauf (42,195 Kilometer) verteilt sich auf vier klassische Joggingrunden rund um Binnen- und Außenalster, bevor es dann auf dem Rathausmarkt ins Ziel geht. Die letzten Teilnehmer werden dort erst gegen 23 Uhr eintreffen. „Diese Momente werden auch für die Zuschauer ein Gänsehauterlebnis werden“, verspricht Steinmetz’ Geschäftsführerkollege Christian Toetzke, „der Ironman hat noch eine sehr viel höhere emotionale Komponente als zum Beispiel unser World Triathlon“.

220 Events veranstaltet die Firma Ironman weltweit, 47 allein in Europa. Das birgt die Gefahr, sich selbst Konkurrenz zu machen und hinsichtlich Medieninteresse und Teilnehmerfeld das Wasser abzugraben. In Hamburg etwa gehören auch World Triathlon und Cyclassics zum Portfolio von Ironman (vormals Lagardère, vormals Upsolut). Dass es ein Überangebot geben könnte, fürchtet Toetzke aber nicht: „Ich bin überzeugt, dass sich Triathlon und Ironman gegenseitig befruchten. Top­events schaffen Aufmerksamkeit für Sportarten. Der Ironman wird Menschen inspirieren, Triathlon zu machen und sich erst einmal auf kürzeren Strecken zu versuchen.“

Ein Zugeständnis an die arg beanspruchte Innenstadt immerhin macht der Ironman: Die Cyclassics, eigentlich schon eine Woche später dran, sollen um zwei Wochen nach hinten verschoben werden. Den Ironman-Termin wiederum übernimmt Hamburg von der EM auf der Halbdistanz in Wiesbaden, die wegen Problemen mit der Wasserqualität abgesagt wurde.

Auch zur EM in Frankfurt im Juli sieht Ironman-Chef Steinmetz keine Konkurrenz: „Frankfurt ist unser wichtigstes Rennen in Europa. Hamburg ist die perfekte Ergänzung, ein solches Rennen mitten in einer Metropole hat uns gefehlt.“ Sportsenator Grote kann es sich aber „für die Zukunft schon vorstellen“, sich um die EM zu bewerben. Schon bei der Premiere soll das Preisgeld dem von Frankfurt (150.000 Euro) nahekommen. Ein Hauptsponsor muss allerdings noch gefunden werden. Die Stadt wird zum siebenstelligen Etat deshalb fürs Erste einen höheren Zuschuss geben als etwa für Marathon, Cyclassics und das Tennisturnier am Rothenbaum (je 100.000 Euro).

Die sportliche Wertigkeit fällt noch etwas ab: Der Sieger von Frankfurt erhält 4000 Punkte, in Hamburg werden es wie bei den anderen Ironman-Rennen 2000 sein. Sie zählen für alle, die einen der begehrten Plätze bei der WM in der Wiege des Ironmans auf Hawaii ergattern wollen.

Ob Weltmeister Jan Frodeno nach Hamburg zurückkehrt, wo er sich 2013 mit dem Sieg bei der Mixed-Team-WM vom olympischen Triathlon verabschiedete, ist allerdings fraglich. Bis zum Ironman Hawaii blieben nur acht Wochen Erholungszeit.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.