Triathlon

Pläne für Ironman in Hamburg werden konkreter

Jan Frodeno bei seinem bis dato letzten Hamburg-Start 2013. Für den Ironman könnte der Weltmeister zurückkehren

Jan Frodeno bei seinem bis dato letzten Hamburg-Start 2013. Für den Ironman könnte der Weltmeister zurückkehren

Foto: FrankPeters / WITTERS

Sportsenator Grote will Hamburg zur Hauptstadt des Ausdauersports machen. Agentur-Chef träumt von „einmaligen Bildern“.

Hamburg.  „Ein bisschen schade“ findet es Christian Toetzke schon, dass die beiden bedeutendsten deutschen Triathlonveranstaltungen an einem Wochenende ausgetragen werden, nämlich dem kommenden. Andererseits stellt die Datev-Challenge im 650 Kilometer entfernten Roth für Toetzkes Hamburg-Wasser-World-Triathlon keine Bedrohung dar: „Wir waren auch so binnen 48 Stunden ausverkauft.“ Von den insgesamt 10.500 Jedermannteilnehmern, die sich am Sonnabend auf die Sprintdistanz begeben und am Sonntag auf die olympische, wären die wenigsten überhaupt in der Lage, den Ironman in Roth durchzustehen.

Nächstes Jahr aber wird Toetzke schon ganz genau beobachten, was die Konkurrenz so plant. Dann nämlich will er mit seiner Agentur Ironman Unlimited Events selbst in Hamburg einen Triathlon über die Langdistanz (3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen) anbieten. Die entsprechenden Planungen hatte das Abendblatt im Januar öffentlich gemacht, sie stehen inzwischen kurz vor dem Abschluss.

Erster Ironman schon 2017?

Demnach könnte schon im Spätsommer 2017 der Startschuss zum ersten Hamburger Ironman-Triathlon fallen. Noch ist die genaue Streckenführung nicht mit allen beteiligten Behörden final abgestimmt. Sicher ist, dass wieder in der Alster geschwommen wird. Das Herz der Veranstaltung soll aber nicht wie bei Triathlon und Cyclassics in der Innenstadt, sondern in der HafenCity schlagen. Für die Radstrecke wird eine 90-Kilometer-Schleife zweimal umrundet, für den Marathonlaufkurs reicht eine Runde von zehn Kilometer Länge aus.

Bis zu 3000 Teilnehmer könnten sich anmelden, das wären in etwa so viele wie beim Ironman Germany in Frankfurt, dem zweiten großen deutschen Langstreckentriathlon. Vorweg sollen sich die Profis ins Wasser stürzen, angeführt vom deutschen Hawaii-Sieger Jan Frodeno, der sich zu seinen olympischen Zeiten immer als Hamburg-Fan zu erkennen gegeben hat.

Toetzke ist sich sicher, dass der Markt es hergibt: „Dieses Rennen wird einschlagen. Unser Ziel ist, es zu einem der besten Ironman-Events der Welt zu machen und einmalige Bilder zu liefern.“ Schwimmen vor malerischer Kulisse inmitten einer Metropole – das hätten weder Roth noch Frankfurt zu bieten und auch weltweit nur ganz wenige Standorte. Ein weiterer Anreiz: In Hamburg könnten wie bei allen Veranstaltungen der Weltserie Punkte für einen der begehrten Startplätze beim Ironman Hawaii gesammelt werden, der Krönung in der Königsdisziplin des Ausdauersports. Weitere Aufwertungen nicht ausgeschlossen. „Perspektivisch müssten wir darüber nachdenken, was man meisterschaftstechnisch machen kann“, sagt Toetzke. Sein kurzer Triathlon hat es vorgemacht. Die darin eingebettete WM-Entscheidung in der Mixed-Team-Staffel war 2013 ein solcher Publikums- und Fernseherfolg, dass sie am Sonntag bereits zum vierten Mal in Hamburg fällt.

„Ein weltweites Alleinstellungsmerkmal“

Der Ironman Hamburg wäre nach Marathon, Cyclassics und Triathlon die vierte Ausdauersportveranstaltung auf internationalem Spitzenniveau in der Stadt. „Das wäre ein weltweites Alleinstellungsmerkmal, wir würden damit zur Hauptstadt des Ausdauersports werden“, sagt Sportsenator Andy Grote. Selbst London hat zwar einen der fünf bedeutendsten Marathonläufe, hat das Radsportfestival Prudential Ride und einen der weltgrößten Triathlons zu bieten – jedoch keinen Ironman.

Für Grote ist der große Erfolg der kombinierten Profi-Hobby-Events auch dem Umstand zu verdanken, „dass Hamburg eine ungewöhnlich aktive Bevölkerung hat“. Tatsächlich bietet kaum eine andere Stadt derart gute und gleichzeitig attraktive Möglichkeiten, den drei Grundformen menschlicher Fortbewegung nachzugehen. „Hamburg ist hinsichtlich ihrer Größe und ihrer Wettkampfstätten für den Triathlon geradezu prädestiniert“, sagt Veranstalter Toetzke. Aber auch die Begeisterung der Menschen und die Unterstützung der Stadt seien nicht selbstverständlich.

Wenn es nach Toetzke geht, dann könnten die vier Ausdauerrennen künftig unter einer gemeinsamen Marke vermarktet werden. Vorbild ist der Swedish Classic Circuit: Die entsprechende Urkunde erhält, wer innerhalb von zwölf Monaten den Wasalauf auf Langlaufskiern (60/90 Kilometer), die Vätternrundan auf dem Fahrrad (300 Kilometer), das Freiwasserschwimmen Vansbrosimningen (drei Kilometer) und den Crosslauf Lidingöloppet (30 Kilometer) bewältigt.

Herausforderung Freiwasserschimmen

Theoretisch ließe sich das Hamburger Ausdauerportfolio noch um ein hochkarätiges Freiwasserschwimmen erweitern. Toetzke: „Das würde das Ganze abrunden.“ Allerdings sei es im Vergleich zu den Massensportarten Laufen und Radfahren vergleichsweise schwierig, Begeisterung zu wecken und Teilnehmer zu finden. Zwar ist die Stadt schon seit einigen Jahren regelmäßig Schauplatz der internationalen deutschen Meisterschaften – allerdings nicht mit den attraktiven innerstädtischen Gewässern, sondern mit dem Regattazentrum Dove Elbe in Allermöhe.

Die große Bühne durften sich die Langstreckenschwimmer nur 2012 und 2013 im Rahmen des Alstercups mit den Ruderern teilen. Doch die Nach­frage nach Startplätzen blieb dürftig. 2014 wurde das Schwimmen durch Kanu ersetzt. Auch in der Hauptstadt des Ausdauersports braucht es manchmal einen längeren Atem.