Fifa-Ethikkommission

Joseph Blatter: „Es ist noch längst nicht vorbei“

Joseph S. (Sepp) Blatter ist seit 1998 Präsident der Fifa. Er hatte wegen Hautproblemen einen kleinen Eingriff unter dem Auge vornehmen müssen

Joseph S. (Sepp) Blatter ist seit 1998 Präsident der Fifa. Er hatte wegen Hautproblemen einen kleinen Eingriff unter dem Auge vornehmen müssen

Foto: Imago

Ethikkommission sperrt Fifa-Präsident Joseph Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini für acht Jahre – juristische Fortsetzung droht.

Zürich.  In seinem einstigen Machtzentrum ließ der für acht Jahre aus dem Fußball verbannte Fifa-Boss Joseph Blatter, 79, verbal noch einmal die Muskeln spielen. Nur eine Stunde nach dem Urteil der Fifa-Ethikkommission kündigte der (Noch-)Präsident des Weltverbandes einen Einspruch beim Fifa-Berufungskomitee und beim Internationalen Sportgerichtshof CAS an. „Ich werde kämpfen, für mich, für die Fifa“, sagte Blatter im überfüllten Kongressraum der früheren Fifa-Zentrale auf dem Züricher Sonnenberg. Auch ein Einspruch bei zivilen Schweizer Gerichten sei nun möglich, erklärte er nach Beratung mit seinen Anwälten. Das Urteil der Ethikhüter sei „eine Schande“, sagte Blatter. Und: „Es ist noch längst nicht vorbei. I’ll be back (Ich komme wieder).“

Blatter, der mit Tochter Corinne erschien, ließ bei seinem knapp einstündigen Auftritt kein gutes Haar an der Entscheidung der rechtsprechenden Kammer unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert. Die gegen ihn und Uefa-Chef Michel Platini, 60, verhängte Sperre sei ungerechtfertigt. „Zu sagen, dies wäre ein guter Tag für die Fifa, ein guter Tag für den Fußball, wäre völlig falsch“, schimpfte Blatter. Platini sprach später von einer „Farce“, einer „Inszenierung“ und einem „erbärmlichen Urteil“, das zum Ziel gehabt habe, ihn aus dem Weltfußball zu beseitigen.

Warum wurden Blatter und Platini gesperrt? Für die Zwei-Millionen-Franken-Zahlung von Blatter an Platini aus dem Jahr 2011 – angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (1998 bis 2002) – habe es „keine rechtliche Grundlage“ gegeben, urteilte die Ethikkommission. Blatters Behauptung einer mündlichen Absprache wurde als nicht überzeugend erachtet und abgewiesen. Der Vorwurf der Bestechung und Korruption wurde fallengelassen. Blatter und Platini haben aber laut rechtsprechender Kammer des Gremiums gegen vier Artikel des Ethikreglements verstoßen (Allgemeine Verhaltensregeln, Loyalität, Interessenskonflikte, Annahme und Gewährung von Geschenken, sonstige Vorteile). Beide Funktionäre wurden für alle „fußballrelevanten“ Tätigkeiten gesperrt und müssen eine Geldstrafe zahlen: Blatter 46.000 Euro, Platini 74.000 Euro. Nur als Privatleute dürfen sich Blatter und Platini Karten für Spiele kaufen.

Wie geht es bei der Fifa weiter? Auf den ersten Blick scheint die nähere Zukunft bei der Fifa klarer als beim europäischen Verband Uefa. Als Interimspräsident fungiert momentan der Kameruner Issa Hayatou. Für den 26. Februar 2016 ist in Zürich ein Fifa-Kongress mit der Wahl eines neuen Präsidenten angesetzt. Aktuell gibt es fünf Kandidaten: 1. Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa, Chef der asiatischen Fußball-Konföderation AFC aus Bahrain. 2. Gianni Infantino, Uefa-Generalsekretär. 3. Tokyo Sexwale, früherer Mit-Gefangener von Nelson Mandela. 4. Jérôme Champagne, früherer stellvertretender Fifa-Generalsekretär. 5. Prinz Ali bin al-Hussein, Verbandspräsident Jordaniens und Ex-Herausforderer von Blatter bei dessen Wiederwahl im Mai.

Als Favoriten gelten Al Chalifa und Infantino. Auf dem Kongress haben alle 209 Verbände je eine Stimme. Die Verbände verteilen sich auf die sechs Konföderationen: Afrika 54, Asien 46, Europa 53, Nord- und Mittelamerika 35, Ozeanien 11, Südamerika 10. Platini wollte auch kandidieren. Dafür müsste er aber bis zum 26. Januar registriert sein, dann werden die angekündigten Einsprüche kaum abgearbeitet sein. Bleibt Blatter gesperrt, darf er weder den Kongress leiten noch die Wahl seines Nachfolgers durchführen.

Wie geht es bei der Uefa weiter? Nach der Suspendierung Platinis für 90 Tage verzichtete die Uefa auf die Bestellung eines Interimschefs. Der europäische Verband tat einfach so, als sei Platini noch im Amt und führte ihn auch auf der Homepage weiter als Präsidenten. Als Pro-forma-Vertreter trat der Spanier Angel Maria Villar Llona auf. Lange Zeit galt Wolfgang Niersbach als Uefa-Chef der Zukunft, doch der Platini-Freund musste im Zuge des Skandals um die WM 2006 seinen DFB-Posten räumen. Der Uefa stehen nun unruhige Umbauzeiten bevor. Möglich, dass Generalsekretär Gianni Infantino bei einer Niederlage bei der Fifa-Wahl zum Präsidenten am Genfer See in Nyon aufsteigt. Am Montag äußerte sich die Uefa „extrem enttäuscht“ und sicherte Platini ihre Unterstützung zu.

Wie reagiert der DFB? „Die Entscheidung bewegt sich im Rahmen der Erwartungen“, sagte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball. „Natürlich steht der Rechtsweg noch offen. Ungeachtet dessen müssen Fifa und Uefa nun grundlegende Weichenstellungen vornehmen – sowohl in struktureller als auch in personeller Hinsicht“. Der „Austausch von Köpfen“ reiche nicht.