Nach Olympia-Referendum

Spitzensportler haben einen dicken Hals auf Hamburg

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Britta Körber
Er ist besonders sauer: Der ehemalige Handball-Star Stefan Kretzschmar

Er ist besonders sauer: Der ehemalige Handball-Star Stefan Kretzschmar

Foto: Imago/Jan Huebner

In zum Teil drastischen Worten bringen Athleten ihr Unverständnis über das Nein zur Bewerbung für die Sommerspiele 2024 zum Ausdruck.

Hamburg. Deutschlands Sportstars sind fassungslos. Die einhellige Meinung nach dem Olympia-Aus für Hamburg: Der Leistungssport wird es nach der verpassten Chance neben dem Fußball extrem schwer haben. „Hamburg meine Perle vor die Säue geworfen. Das Tor zur olympischen (Sport)welt für immer geschlossen“, twitterte die Handball-Ikone Stefan Kretzschmar.

Mit Unverständnis reagierte auch die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt: „Dies ist eine nachhaltige und tiefe Enttäuschung für all die leidenschaftlichen Kämpfer des Sports, ob Sportler, Zuschauer oder junges aufstrebendes Talent“, sagte die ehemalige Kuratoriumsvorsitzende der Münchener Bewerbung für Winterspiele 2018 der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting reagierte ebenfalls enttäuscht. „Ein Hamburger Desaster - welche Vision von sportlicher Zukunft verfolgen die Menschen in dem Land für das ich kämpfe überhaupt noch?“, schrieb der 31-Jährige auf seiner Facebook-Seite. „Der Vision von McDonalds und unbeweglichen Kindern, von dicken Kindern? Wahrscheinlich.“

Die hohe Kosten für das Olympia-Projekt, das die Kritiker einer hanseatischen Kandidatur als Grund der Ablehnung anführten, hält Harting nicht für stichhaltig. „Und was ist mit Geld? Geld? Ein oder zwei Milliarden - lächerlich wenn wir Hunderte von Milliarden in andere Länder investieren um deren Zukunft zu retten? Oder so ähnlich... Ich bin maßlos enttäuscht. Wirklich. Viel Spaß noch.“

„Wir können schon die Beerdigung des deutschen Sports planen, das ist der Sargnagel für den Leistungssport“, meinte die dreimalige Schwimm-Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn aus Schleswig-Holstein, die die Werbetrommel für Sommerspiele gerührt hatte.

„Der deutsche Sport bräuchte die Olympischen Spiele und Paralympics als Inspiration, Motivation und Vision! Nach München die zweite verpasste Gelegenheit für Olympia in Deutschland. Das ist wirklich unfassbar!“, sagte der zweimalige Olympia-Zweite von London 2012 im Turnen, Marcel Nguyen.

Fachverbände sind desillusioniert

Auch die olympischen Fachverbände, die von einem Olympia-Schub geträumt hatten, sind ernüchtert. „Das Referendum der Hamburger ist nicht nur eine bittere Niederlage, sie gleicht einem Dolchstoß für die Entwicklung des Hochleistungs- und Breitensports unterhalb des Fußballs“, sagte Thomas Krohne, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes.

„Wir ziehen zwar über die Sotschis und Dohas dieser Welt her, sind aber nicht in der Lage, selbst Sportereignisse dieser Dimension auszurichten. Das ist die bittere Erkenntnis“, sagte Handball-Präsident Andreas Michelmann.

Der Präsident des Deutschen Ski-Verbandes, Franz Steinle, befürchtet einen Stimmungswechsel im Sport: „Leider zeigt das Abstimmungsergebnis, dass die aktuellen Diskussionen um sportliche Großereignisse die lange Zeit sehr positive Stimmung in der Bevölkerung zu Olympia gekippt haben.“

Stich übt Kritik an Bewerbungsgesellschaft

Das Thema sei in Deutschland für lange Zeit durch, bemerkte der ehemalige Wimbledonsieger Michael Stich im NDR „Sportclub“: „Ich werde es zu meinen Lebzeiten nicht mehr erleben, egal, wie alt ich werde. Aber es stellt sich die Frage, wie wir mit weiteren Sport-Großveranstaltungen umgehen. Wollen wir uns weiter um Weltmeisterschaften bewerben?“

Man habe es in der Stadt verpasst, die Emotionen des Sports in den Vordergrund zu stellen: „Es ging immer nur um das Geld und die Wirtschaftlichkeit. Das ist wichtig, aber es ist nicht die Grundlage der Olympischen Spiele“, betonte der Rothenbaum-Turnierdirektor.

Abendblatt-Kommentar: "Hamburg hat sich selbst um eine große Chance gebracht"

Als „Riesenenttäuschung für den Sport“ bezeichnete Leichtathletik-Chef Clemens Prokop die Absage im Bayerischen Rundfunk. Dem Breitensport werde dies aber nicht schaden. „Die Sportbegeisterung in Deutschland ist groß, und der Breitensport wird davon sicher nicht tangiert.“

( dpa )