Nach Paris-Terror

Formel 1 setzt ein Zeichen für die Opfer von Paris

Die Formel-1-Fahrer setzen nach den Anschlägen in Paris ein Zeichen

Die Formel-1-Fahrer setzen nach den Anschlägen in Paris ein Zeichen

Foto: Sebastiao Moreira / dpa

Fußballstars trauern um die Opfer von Paris. Messi verfasst ein emotionales Statement. Schweigeminute und Trauerflor in der Bundesliga.

Hamburg. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft fand sich durch das Freundschaftsspiel gegen Frankreich im Stade de France mitten in den Geschehnissen der Terrornacht von Paris wieder. Nach den Anschlägen mit mindestens 129 Todesopfern stellt sich nicht nur die Frage nach der Durchführung der Europameisterschaft in Frankreich im nächsten Jahr. Abendblatt.de trägt die wichtigsten Nachrichten aus der Welt des Fußballs und Sports im Zusammenhang mit den Attentaten aus Paris zusammen.

Formel 1 setzt Zeichen für Opfer von Paris

Die Formel 1 hat vor dem Grand Prix von Brasilien ein Zeichen für die Opfer und Hinterbliebenen des Terrorangriffs von Paris gesetzt. Ein speziell dekorierter Lastwagen fuhr Weltmeister Lewis Hamilton und seine Pilotenkollegen in São Paulo während der traditionellen Fahrerparade über den Kurs. Die französische Flagge mit schwarzer Schleife zierte die Flanken des Autos. Die Fahrer trugen während der Rundfahrt Trauerflor.

Unmittelbar vor Rennbeginn gab es eine vom Automobil-Weltverband FIA lange geplante Schweigeminute im Gedenken Verletzter und Toter im Straßenverkehr. In der Startaufstellung hielten die Piloten Will Stevens, Nico Hülkenberg, Jenson Button und der Franzose Romain Grosjean eine französische Flagge vor sich und zeigten so nochmals die Anteilnahme der Formel 1 mit den Opfern von Paris. Zudem wurde im internationalen TV-Bild das Datum der Anschläge eingeblendet.

Schweigeminute und Trauerflor in der Bundesliga

Mit einer Schweigeminute wird der deutsche Profifußball am kommenden Wochenende der Opfer der Terroranschläge von Paris gedenken. Zudem werden die Spieler der Bundesliga und der 2. Liga Trauerflor tragen, wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Sonntag in Frankfurt/Main mitteilte.

Wenn der Fußball in den Hintergrund rückt

Die Bundesligisten haben in den sozialen Netzwerken mit Fassungslosigkeit auf die Terroranschläge von Paris reagiert. Die Reaktionen der 18 Clubs in der Übersicht:

Nationalspieler reagieren bestürzt

Nationalspieler aus Deutschland und Frankreich haben sich schockiert über die Anschläge in Paris gezeigt. Einige Reaktionen in der Übersicht:

Ibrahimovic ist in Gedanken woanders

Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic konnte sich über das 2:1 im EM-Playoff-Duell gegen Dänemark nicht freuen. Die Terroranschläge in seiner Wahlheimat hatten auch den Stürmer von Paris Saint-Germain zutiefst bestürzt. „Das ist traurig, das ist tragisch. Ich bin in Gedanken bei den Menschen, die ihr Leben verloren haben und bei deren Familien. Ich habe versucht, mich auf das Spiel zu konzentrieren, aber das war sehr schwer“, sagte Ibrahimovic. Wie auch bei der Partie Ukraine gegen Slowenien (2:0) trugen die Spieler Trauerflor und legten eine Schweigeminute ein.

"Löwen" spielen auf Wunsch der Franzosen

Entgegen der Erwartungen wurde das Spiel der Rhein-Neckar Löwen bei Montpellier HB nicht abgesagt. Es war der ausdrückliche Wunsch der Franzosen, dass das Gruppenspiel der Champions League stattfindet. Die bislang noch verlustpunktfreien "Löwen" behielten schließlich mit 30:28 (16:15) die Oberhand und haben einen großen Schritt Richtung Achtelfinale gemacht. Beide Mannschaften liefen aus Solidarität und im Gedenken an die Opfer in den Farben der französischen Flagge ein. Sie trugen blaue, weiße und rote T-Shirts und demonstrierten Geschlossenheit im Kampf gegen den Terror.

ZDF-"Sportstudio" verzichtet auf Schiri-Runde

Für das ZDF-"Sportstudio" am Sonnabend waren eigentlich St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig, Hamburgs Amateurschiedsrichter Ralph Vollmers sowie der Fifa-Unparteiische Manuel Gräfe als Gäste geladen. Aufgrund der aktuellen Ereignisse verzichtete der Mainzer Sender jedoch auf die Runde zur Schiedsrichterdiskussion und holt stattdessen den DFB-Sicherheitsbeauftragten Helmut Spahn ins Studio. "So nah an einem Stadion bei einem internationalen Spiel war der Terror noch nie", sagte Spahn, der bei der WM 2006 in Deutschland für die SIcherheit zuständig war. Er hoffe nun, dass das Sicherheitskonzept für die EM in Frankreich nicht über die Maßen verschärft werde. Die Sendung mit Gräfe, der das Relegationsrückspiel zwischen dem Karlsruher SC und dem HSV pfiff, soll nachgeholt werden, versprach "Sportstudio"-Moderator Jochen Breyer.

Cheforganisator für EM-Durchführung

Cheforganisator Jacques Lambert hat eine Absage der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Sommer trotz der Anschlagsserie von Paris ausgeschlossen. „Wenn man die EM jetzt infrage stellt, würde man sich den Regeln der Terroristen beugen“, sagte Lambert französischen Medien. „Wir werden die notwendigen Entscheidungen treffen, damit die EURO 2016 mit den bestmöglichen Sicherheitsmaßnahmen stattfinden wird“, versprach Lambert. An dem Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 in neun französischen Städten nehmen erstmals 24 Nationen teil. Am 12. Dezember steht in Paris die Auslosung der sechs Vorrundengruppen an. Auch die Ausrichtung dieses Events wurde von den Organisatoren bislang nicht infrage gestellt.

Attentäter wollten ohne Tickets ins Stadion

Einem Bericht der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ zufolge haben zwei Attentäter versucht, ins Stadion beim Fußball-Testspiel Frankreich gegen Deutschland zu gelangen. Beide sollen aber entgegen anderslautender Berichte keine Tickets für die Partie im gehabt haben und deswegen auch nicht ins Stade de France gekommen sein, schrieb das Blatt am Sonntag.

Um 21.05 Uhr am Freitagabend und damit etwa fünf Minuten nach Anpfiff soll dem Bericht zufolge einer der Attentäter im Sektor Ost, der andere im Sektor Nord vergeblich versucht haben, in den Stadionbereich zu kommen.

Das „Wall Street Journal“ hatte dagegen am Sonnabend berichtet, dass mindestens ein Attentäter ein Ticket für das Spiel gehabt haben sollte. Er sei von einem Ordner beim Sicherheitscheck aber aufgehalten worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen anderen Ordner und einen Polizisten. Beim Versuch zu entkommen, habe der Mann den Sprengstoff zur Explosion gebracht.

Messi mit emotionalem Statement

Nach den Terrorattacken von Paris mit mehr als 120 Toten haben sich auch die großen Fußballstars geschockt gezeigt. „Der Horror der Pariser Attacken geht nicht spurlos an mir vorbei. Meine Gedanken gehen an all die Opfer und Familien“, schrieb der portugiesische Weltfußballer Cristiano Ronaldo in einem sozialen Netzwerk. Der Argentinier Lionel Messi, Ronaldos regelmäßiger Konkurrent bei der Wahl zum besten Profi des Kontinents, betonte in einem emotionalen Statement: „Wir müssen immer wieder wiederholen, heute öfter denn je, dass es nur einen Weg gibt: Liebe und Frieden zwischen der Menschheit und einen Zusammenschluss der Welt.“

Nationalmannschaftskapitän Bastian Schweinsteiger zeigte sich fassungslos und appellierte: „Egal, aus welchem Teil der Erde man kommt oder welcher Religion man angehört - wir sind vereint.“ Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah, der am Sonnabend sein Abschiedsspiel gab, kommentierte: „Mir ist nicht zum Feiern zumute, aber wir lassen uns nicht von den Terroristen unterkriegen.“ Nationalverteidiger Mats Hummels von Borussia Dortmund sprach von einer „beschissenen Welt“.

Der französische Nationalspieler Lassana Diarra verlor seine Cousine bei den Anschlägen. „In diesem Klima des Terrors ist es für uns alle wichtig, die wir dieses Land mit seiner Vielfältigkeit repräsentieren, das Wort zu ergreifen und vereint zu bleiben gegen einen Horror, der weder Farbe noch Religion hat. Lasst uns alle zusammen die Liebe verteidigen, den Respekt und den Frieden“, schrieb der Profi von Olympique Marseille mit eindringlichen Worten.

DFB will Holland-Spiel für Zeichen nutzen

Die Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes möchte das Länderspiel gegen die Niederlande dafür nutzen, nach den Anschlägen von Paris mit über 120 Toten ein Zeichen gegen den Terror zu setzen. Noch vor der finalen Entscheidung des Verbandes am Sonntag über die Austragung des für Dienstag angesetzten Testspiels in Hannover verdeutlichte Interimschef Rainer Koch die Bedeutung eines Auftritts des Weltmeisters, der am Freitagabend im Stade de France in Paris gegen den Gastgeber der EM 2016 gespielt hatte. Der Fußball müsse sich jetzt zur Wehr setzen, „wie die Gesellschaft im Ganzen“, sagte Koch im ZDF: „Es darf nicht sein, dass der Terror siegt.“

Franzosen bieten DFB Zimmer an

Die fürchterliche Terrornacht von Paris hat die deutschen und französischen Fußball-Nationalspieler sehr eng zusammengebracht. Die Équipe Tricolore harrte nach dem Testspiel in den Katakomben des Stade de France an der Seite der Weltmeister aus.

„Nationaltrainer Didier Deschamps hat sofort gesagt, er geht mit seiner Mannschaft aus dem Stadion heraus, wenn klar ist, was mit unserer Mannschaft passiert“, schilderte DFB-Interimschef Rainer Koch im ZDF die Geschehnisse im Kabinentrakt: „Sie sind stundenlang bei uns gewesen.“

Dem DFB-Tross wurde vom französischen Verband sogar eine Übernachtung im rund eine Stunde Fahrzeit entfernten Trainingszentrum Clairefontaine angeboten. Dort wohnen stets die französischen Nationalspieler bei Länderspielen und Lehrgängen. Ligapräsident Reinhard Rauball bewertete die solidarischen Aktionen der Gastgeber als „eine überragende kollegiale und kameradschaftliche“ Haltung.

Der DFB-Tross blieb jedoch bis zur Fahrt zum Flughafen am frühen Sonnabendmorgen im Stadion. Dort fühlte man sich am besten geschützt. Eine rund siebenstündige Heimreise mit dem Bus nach Deutschland wurde in der Nacht ebenfalls als Alternative verworfen.

In den Kabinen und dem Vorraum dazwischen hätten Spieler, Betreuer und Funktionäre miteinander gesprochen, berichtete Koch: „Alle hatten Handys in der Hand und haben Informationen ausgetauscht.“ Die Nachrichten und Bilder vom Ausmaß der Terrorakte in der Stadt hätten während der Nacht dafür gesorgt, dass es „immer stiller“ geworden sei in den Kabinen und der Mixed Zone der beiden Teams dazwischen.