Darts-WM

Gary Anderson hält ungewollten Abgesang auf Phil Taylor

„The Power“ scheint seinen Zenit überschritten zu haben. In den vergangenen Jahren konnte sich der 54-jährige Ausnahmedarter nur einen einzigen WM-Titel sichern.

London. Gary Anderson hat Rekordchampion Phil Taylor entzaubert und sich erstmals zum Darts-Weltmeister gekrönt. Der 44 Jahre alte Schotte besiegte im Finale im Londoner Alexandra Palace den zehn Jahre älteren Engländer mit 7:6 Spielen und verhinderte damit den 17. Titelgewinn von „The Power“. Für den Triumph erhielt Anderson eine Siegprämie von umgerechnet 320.000 Euro.

„Phil und ich haben uns immer wieder duelliert. Er hat viel gewonnen, aber heute war es mein Sieg“, sagte Anderson. Taylor lobte seinen Kontrahenten: „Er hat im letzten Satz großartig gespielt und ist gut mit dem Druck umgegangen. Er ist ein hervorragender Spieler und verdient es.“

Die Zuschauer sahen ein hochklassiges Finale. „The Flying Scotsman“ ging schnell mit 3:1 Sätzen in Führung, danach schlug Taylor zurück und zog mit 4:3 in Front. In der Folge setzte sich Anderson zwar auf 6:4 ab, ließ Taylor aber nochmals ausgleichen, ehe er im finalen Satz die besseren Nerven hatte.

Anderson, der 2011 im WM-Finale am Engländer Adrian Lewis gescheitert war, hatte im Halbfinale den niederländischen Titelverteidiger Michael van Gerwen (6:3) ausgeschaltet. Taylor war durch ein 6:2 gegen seinen Dauerrivalen Raymond van Barneveld (Niederlande) ins Endspiel eingezogen.

Für den erfolgsverwöhnten Engländer, den 16-maligen Champion, war die Niederlage ein Rückschlag und vielleicht auch Fingerzeig. Nur ein WM-Titel in den vergangenen fünf Jahren – Taylors Ausnahmestellung ist passé. Und wenn Anderson ihn mit den Worten „er wird auch in 100 Jahren noch der Beste sein“ adelt, ist das auch ein ungewollter Abgesang auf den 54-Jährigen. Anderson dagegen überwand mit dem Sieg auch eine persönliche Krise. Vor drei Jahren musste der Schotte innerhalb weniger Monate die Tode seines Vaters und seines Bruders verarbeiten. Seine Leidenschaft und Profession wurde zur Nebensache.