Hamburger Sportgala

Hamburg feiert seine Besten: die Gala der großen Gefühle

Bei der neunten Sportgala im Großen Börsensaal der Handelskammer wurden vor 1000 Gästen Beachvolleyballerin Laura Ludwig, Welthandballer Domagoj Duvnjak und die HSV-Handballer geehrt. Den Ehrenpreis der Sportgala erhielt HSV-Kultmasseur Hermann Rieger.

Um kurz vor 20.30 Uhr wurde der festliche Börsensaal der Handelskammer am Montagabend kurzfristig zur Fußball-Arena umfunktioniert. Zahlreiche Mitglieder des Hermann-Rieger-Fanclubs ließen vom oberen Rang ein riesiges Banner herunterhängen. „Hermanns treue Riege“ setzte mit dieser überraschenden Aktion den begeisternden Schlusspunkt hinter einen Abend voller Ehrungen und Emotionen.

Die neunte Hamburger Sportgala war einmal mehr der große Feier-Tag für die Sportler der Hansestadt. Die Besten hielten am Ende einen Siegerpokal in den Händen. Gewonnen haben jedoch alle, die dabei waren und miterleben konnten, welche Begeisterung der Sport in den Stadien und auf den Straßen dieser Stadt auszulösen vermag.

Pünktlich um 19 Uhr erfolgte der Anstoß vor rund 1000 geladenen Gästen in der Handelskammer. Ausgeführt von dem Moderatoren-Duo Andrea Kaiser und Uli Pingel, die souverän und charmant durch den Abend führten. Und natürlich waren gleich zu Beginn die HSV-Fußballer ein Thema.

„Der HSV steigt definitiv nicht ab“, stellte Bürgermeister Olaf Scholz klar, „wenn wir die Daumen drücken und die Mannschaft auf dem Platz ihre Leistung bringt, wird das am Ende auch klappen.“ HSV-Sportchef Oliver Kreuzer nahm die Vorlage dankend auf: „Es ist keine einfache Situation. Aber wir sind nicht abgeschlagen. Ich bin überzeugt, dass wir den Klassenerhalt mit Mirko Slomka schaffen.“

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Was bei den HSV-Kickern mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt, schafften die Hamburger Handballer im vergangenen Jahr: den Gewinn der Champions League. Die Bilder des Triumphes in Köln und der Sieges-Sause auf dem Rathausmarkt sorgten bei den Gala-Besuchern, aber auch bei den Beteiligten selbst und Laudator Kai Pflaume, der die Finalspiele am Fernsehen verfolgt hatte, noch einmal für Gänsehaut. Trainer Martin Schwalb: „Das bleibt für uns alle ein unvergesslicher Moment.“

Zuvor waren Hamburgs beste Einzelsportler geehrt worden. Und da durfte ein Handballprofi des HSV das erste Mal auf die Bühne: Domagoj Duvnjak. Der Kroate, vor Kurzem zum Welthandballer des Jahres gekürt, erhielt die Auszeichnung aus den Händen der Schauspielerin und Sängerin Nina Bott, die selbst einmal Hamburgs Jugendmeisterin im Windsurfen war. „Hamburgs Sportler des Jahres hat sich nach oben geschlafen“, sagte Bott. Denn Schlafen ist „sein Erfolgsgeheimnis und einziges Hobby“.

In der kommenden Saison wechselt „Dule“ zum THW Kiel und wird da sicherlich noch weitere Titel gewinnen. Nur einen eben nicht mehr: Hamburgs Sportler des Jahres. Moderator Pingel entlockte ihm immerhin ein Versprechen: „Gegen den HSV werde ich kein Tor werfen“, sagte Duvnjak.

Per Videobotschaft grüßte anschließend Laura Ludwig von der Leinwand. Hamburgs Sportlerin des Jahres trainiert derzeit in Kapstadt. Laudator Stefan Gwildis erinnerte an seinen Kollegen Herbert Grönemeyer, der behauptet hat: „Männer baggern wie blöde.“ Das Lied, so Gwildis, müsste eigentlich Laura Ludwig gewidmet sein. „Denn ihre Fähigkeit, den Ball auf den Arm zu nehmen, hat ihr den Ruf als eine der besten Abwehrspielerinnen der Welt eingebracht.“

Olaf Kortmann, ihr langjähriger Coach, nahm für die fünfmalige deutsche und zweimalige Europameisterin, die 2013 zum HSV wechselte, den Preis entgegen. „Genießt den Abend und feiert für mich mit“, rief Laura Ludwig den Gästen zu. Kortmann übermittelte noch Ludwigs Wunsch für zwei Freikarten zu einem Gwildis-Konzert. Der Sänger sagte spontan zu.

Bei Kultmasseur Hermann Rieger vom HSV flossen Tränen der Rührung

Zuvor bekräftigte Handelskammer-Präsident Fritz Horst Melsheimer noch einmal die Olympiapläne der Hamburger Wirtschaft: „Olympia ist ein einzigartiges Zukunftsprojekt für eine Metropole wie die unsrige. Die Spiele garantieren weltweite Bekanntheit. Alle Hamburger werden davon langfristig profitieren. Wir schaffen es aber nur gemeinsam, im Schulterschluss von Stadt, Wirtschaft und dem Hamburger Sportbund.“ Dafür gab es im Saal viel Beifall.

Den – und noch mehr – erhielt auch Jongleur und Ball-Akrobat Paul Ponce, an dessen Künsten auch sein argentinischer Landsmann und Ballzauberer Lionel Messi seine Freude gehabt hätte.

Zum Abschluss flossen Tränen der Rührung. HSV-Kultmasseur Hermann Rieger erhielt den Preis für sein Lebenswerk und seinen Einsatz für krebskranke Kinder. Wegen seiner Krankheit konnte er nicht vor Ort dabei sein, erinnerte sich aber in einem Filmbeitrag an seinen letzten Arbeitstag beim HSV. Und konnte die Tränen nicht zurückhalten. Fulhams neuer Trainer Felix Magath wünschte per Videobotschaft aus London „gute Besserung“ und rief ihm zu: „Hermann, ich brauche dich hier!“

Eine andere HSV-Legende hatte es sich nicht nehmen lassen, die Laudatio für seinen Freund zu halten: Horst Hrubesch, Kapitän der HSV-Erfolgsmannschaft aus den 1980er-Jahren. „Er hat für den HSV nie ein Tor geschossen, aber einer wie Hermann fehlt dem HSV heute“, sagte Hrubesch. Langer Beifall für einen Urbayern, der in Hamburg heimisch wurde und mit seiner Wärme und Menschlichkeit dem Profisport ein fröhliches Gesicht gegeben hat.

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