Reitsport

Lynch auf Latinus siegt im „Championat von Hamburg"

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Für die deutschen Reiter gab es immerhin zwei dritte Plätze durch Meredith Michaels-Beerbaum und Christian Ahlmann zu verzeichnen.

Hamburg. Wohl dem, der mit einer Pferdestärke an den Start geht und mit 184 heimkehrt. Dieses Kunststück des irischen Springreiters Denis Lynch gestern im Derbypark zu Klein-Flottbek animierte rund 15 000 Zuschauer zu begeistertem Applaus. Im Sattel des Wallachs Lantinus sicherte sich Lynch im Stechen souverän den Sieg im Championat von Hamburg. Zur Belohnung gab es vom Sponsor einen roten Mercedes SLK.

"Startplatz 13 hat mir Glück gebracht", sagte der Ire nach der Siegeszeremonie. Erste Gratulantin noch im Parcours war Töchterchen Sarah. Da Lynch diese Prüfung auch 2008 und 2010 gewann, verfügt er nunmehr über einen kleinen Fuhrpark. "Ich werde eines der älteren Autos verkaufen", sagte er. "Denis ist kein Kavalier", meinte die Zweitplazierte Luciana Diniz (Winningmood) aus Portugal augenzwinkernd. "Der SLK passt viel besser zu einer Frau." Als beste Deutsche belegte Meredith Michaels-Beerbaum aus Thedinghausen auf Checkmate Rang drei.

Auch in der ersten Derby-Qualifikation waren Irlands Farben ganz vorn. Shane Breen dirigierte den Wallach Kec Alicante fehlerfrei und in der mit Abstand besten Zeit über die zwölf Hindernisse. 2500 Euro Siegbörse und die praktisch sichere Teilnahme im Wettstreit ums Blaue Band stimmten Mister Breen fröhlich. "Ich reite das Pferd erst seit einer Woche", sagte er, "und bin gespannt, was Sonntag möglich ist."

Knapp drei Sekunden zurück sicherte sich die US-Amerikanerin Alexandra Thornton im Sattel der Stute Silvana nach dem Sieg im Eröffnungsspringen am Mittwoch nun auch den zweiten Platz im Championat und 2000 Euro. Dritter wurde Christian Ahlmann aus Marl, in Leipzig jüngst Weltcup-Sieger. "Lucky Lord hat noch nicht viel gemacht, aber eine gute und schnelle Entwicklung hingelegt", sagte Ahlmann. "Mal sehen, wie's Sonntag läuft."

Maximal 40 Pferde dürfen im Derby an den Absprung gehen, erfahrungsgemäß sind es letztlich aber nur 35 oder 36. Der Schlüssel zur Teilnahme errechnet sich nach einem Punktesystem. Der Sieger erhält Punkte entsprechend der Starterzahl plus einen, der Zweite minus einen, der Dritte minus zwei und so weiter. Nach den beiden Qualifikationen werden die jeweiligen Punkte addiert. Somit reitet Titelverteidiger Carsten-Otto Nagel in der 2. Qualifikation heute um 14.10 Uhr nicht ohne Druck in den Parcours. Der Wedeler schnitt gestern mit Vorjahreschampion Lex Lugar (zwölf Fehlerpunkte) nur als 51. ab. Es habe am Gebiss gelegen, sagte Nagel. Das Geschirr solle nun besser justiert werden: "Natürlich haben wir noch alle Möglichkeiten."

Derweil stehen die drei Teilnehmer für das Dressurderby am Sonntag seit gestern fest: Im Preis des Helenenhofes belegten die Deutschen Hubertus Schmidt und Anabel Balkenhol die Plätze eins und drei. Zweiter wurde der Däne Andreas Helgstrand. Noch jedoch muss der Besitzer des siegreichen Wallachs Valentino G dem Pferdewechsel im Derby zustimmen.

Das hierzulande vielleicht beste, auf jeden Fall teuerste Pferd Totilas ging parallel in einem Grand Prix in München durch das Dressviereck und machte die Sache unter seinem neuen Reiter Alexander Rath anständig. Zwar war die Prüfung kein ernsthafter Test für Größeres, dennoch spendete der eigens von Hamburg nach München gedüste Paul Schockemöhle nach dem Sieg begeistert Beifall. Der Unternehmer aus Mühlen hatte den Rappen in den Niederlanden für die Rekordsumme von zehn Millionen Euro gekauft. Sportliche Erfolge sollen nun den Wert für die Zucht weiter steigern, damit sich der Deal am Ende auch rechnet. "Die Premiere war klasse", stellte Schockemöhle zufrieden fest. "Jetzt gönnen wir uns erst mal ein Sektchen."

8000 Besucher feierten Totilas wie einen Popstar und formten einen durchschnittlichen Wettbewerb zu einem Großereignis. In Klein-Flottbek wurden am Himmelfahrtstag doppelt so viele Zuschauer gezählt. "Es war gefühlt wie an einem Sonntag", sagte Turnierchef Volker Wulff. "Schön, dass wir noch drei sonnige Tage vor uns haben." Wulff war mit einem Elektroroller im Derbypark unterwegs, um alle Bereiche rasch erreichen zu können. Championatssieger Denis Lynch verfügt seit gestern über etliche Pferdestärken mehr.