Michael Ballack

Der Kapitänsstreit: Ballack weist Lahm zurecht

Bei seiner Vorstellung in Leverkusen kritisierte der 33-Jährige den WM-Kapitän. Ballack ist froh über Rückkehr in die Bundesliga.

Leverkusen. Der verlorene Sohn ist zurück in Leverkusen - und er bezieht gleich Stellung: Denn Michael Ballack lässt in der Frage um das Kapitänsamt in der DFB-Elf keine Diskussionen zu. „Ich bin immer noch Kapitän der Nationalmannschaft“, sagte der 33-Jährige am Mittwoch während seiner Präsentation bei Bayer Leverkusen. Philipp Lahm , der den verletzten Ballack bei der WM in Südafrika als Kapitän vertrat, hatte angekündigt, die Binde nicht freiwillig abgeben zu wollen. „Es ist ja auch kein Wunschkonzert, dass jeder Spieler sich wünschen kann, wo er spielt – und genauso ist es in der Kapitänsfrage “, betonte Ballack.

„Wenn das der Philipp anders sieht, dann sollte er zum Trainer gehen“, ergänzte Ballack, „der Trainer wird das dann entscheiden.“ Er selbst habe sich wegen seiner Verletzung, die er sich vor der WM zugezogen hatte, nicht einbringen können. Der Routinier kündigte auch ein klärendes Gespräch mit Lahm beim nächsten Treffen an. „Ich werde mit dem Philipp noch das eine oder andere Wort sprechen.“

An seinem Führungsanspruch als DFB-Kapitän hält Ballack bedingungslos fest und auch mit seinem neuen alten Verein Bayer Leverkusen will er ganz nach vorne. „Es war wichtig für mich, wieder um die deutsche Meisterschaft mitspielen zu können“, sagte der 33-Jährige am Mittwoch bei seiner Präsentation in Leverkusen. Bei Bayer wird er jedoch ein Star ohne offizielles Amt sein und sich zunächst einfügen müssen. „Für Michael Ballack hat es absolut keine Bedeutung in Leverkusen Kapitän zu sein. Er kann sich als Führungsspieler auch so einbringen“, sagte Cheftrainer Jupp Heynckes, der sich durch das Mittelfeld-Ass entscheidende Stabilität in seinem jungen Team erhofft. „Ich erhoffe mir mit einem Topspieler wie Michael eine bessere Balance zwischen jung und alt.“ Während für Heynckes und die Clubführung der Titel ein „Unwort“, (Sportdirektor Rudi Völler) bleibt, machte Ballack keinen Hehl daraus, warum er zum Werksclub zurückkehrt. „Bayern München ist immer Favorit. Doch es gibt dahinter einige Mannschaften, die daran kratzen. Ich denke, wir gehören dazu“, sagte Ballack, der zwischen 1999 und 2002 mit Leverkusen mehrmals dem Titel-Coup nahe war.

Der 98-malige Nationalspieler, der vom FC Chelsea ins Rheinland wechselte und auf die WM wegen einer Bänderverletzung im Sprunggelenk verzichten musste, hofft auf sein Bundesliga-Comeback schon zum Saisonstart am 21./22. August bei Borussia Dortmund. „Ich versuche, in den nächsten Tagen mit dem Lauftraining zu beginnen.“ Die Bänder seien wieder zusammengewachsen und mit Krafttraining habe er den Muskelschwund nach vierwöchigem Gipsverband wieder wett gemacht. „Es läuft alles nach Plan. In zwei, drei Wochen hoffe ich dann, ins Mannschaftstraining einsteigen zu können“, sagte der berühmteste Rekonvaleszent des deutschen Fußballs.

Einen Freifahrtschein für die Stammelf bekommt er von Heynckes jedoch nicht. „Man hat bei der WM gesehen, dass man nur mit dem Kollektiv Erfolg haben kann“, meinte Heynckes. „Er ist ein Weltklassespieler, der sich erstmal integrieren muss.“ Ballack akzeptiert das: „Auch ich muss mich dem Konkurrenzkampf stellen. Der Trainer entscheidet, wer spielt.“ Während er bei Chelsea eher einen defensiven Part gespielt hat, möchte er bei Bayer wieder seinem Ruf als torgefährlichster Mittelfeldspieler der Welt erneuern: „Ich werde wieder ein Spieler sein, der in den Strafraum drängt.“

Ballack hatte schon am Dienstag den vor drei Wochen ausgehandelten Vertrag bei Bayer unterzeichnet. Der Kontrakt soll ihm Schätzungen zufolge in den nächsten zwei Jahren rund zwölf Millionen Euro einbringen. „Das ist vielleicht der wichtigste Transfer der letzten Jahre, weil wir glauben mit Michael Ballack auch ein Zeichen gesetzt zu haben, dass wir über Platz vier hinaus wollen“, sagte Bayer 04- Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Und Sportchef Rudi Völler meinte: „Seine Weltkarriere hat in Leverkusen begonnen. Ich denke, dass er noch zwei hervorragende Jahre vor sich hat.“

Vor dem Training am Mittwochmorgen hatte der prominente Rückkehrer, seine neuen Kollegen in der Kabine begrüßt. „Es ist ein schönes Gefühl, ihn hier zu haben. Er strahlt schon etwas aus“, sagte Nationaltorhüter René Adler. Etwas zurückhaltender begegnete der Kapitän Simon Rolfes den alten Bekannten: „Ich freue mich über jeden neuen Spieler.“ Die Verpflichtung Ballacks hat in der beschaulichen Industriestadt am Rhein die Fans mobilisiert. So steuert der Verkauf der Dauerkarten auf eine Rekordmarke jenseits von 20 000 Tickets zu. Im Fan-Shop ist zudem das Ballack-Trikot mit der Nummer 13 zum Preis von knapp 90 Euro ein Verkaufsschlager und bereits in einer hohe vierstelligen Zahl über den Tresen gegangen. „Wir stoßen in eine neue Dimension vor“, sagte Holzhäuser.