Formel 1: Großer Preis von Australien am Sonntag

Angst vor dem nächsten Werkstattbesuch

Melbourne. Vor einem halben Jahr bekam Formel-1-Pilot Sebastian Vettel eine edle Uhr geschenkt, einen Chronometer mit fünf Motoren, die die Zeiger nach den Atomuhren bewegen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn sein Red-Bull-Bolide zieht nicht immer derart planmäßig seine Runden. In Bahrain lief der Achtzylinder aus der Renault-Schmiede wegen einer defekten Zündkerze auf nur sieben Zylindern. Das kostete den Sieg beim Saisonauftakt.

Das Selbstbewusstsein vor dem zweiten Rennen in Melbourne am Sonntag wurde durch den Rückschlag aber nicht geschmälert. "Wenn wir schon dieselben Erfahrungen zu Beginn der vorigen Saison gemacht hätten, wären wir schon 2009 Weltmeister geworden", posaunte Chef Christian Horner und ist sowieso fest davon überzeugt, dass Starfahrer Vettel "in spätestens zwei Jahren Weltmeister" wird.

Sebastian Vettel ist Deutschlands Nummer eins und sogar für die Rivalen der heißeste WM-Tipp. "Der Red Bull ist um so viel schneller als alle anderen Autos", sagt Lewis Hamilton von McLaren, und selbst Ferrari-Pilot Fernando Alonso schätzt den Red Bull "zurzeit etwas besser ein" als das eigene Fahrzeug, mit dem er in Bahrain gewann.

Zwischen den Rennen wird Vettel inzwischen zu PR-Zwecken von seinem Arbeitgeber herumgereicht wie eine Trophäe. Nach seiner Ankunft musste er einen Bumerang-Kurs über sich ergehen lassen. Dabei erfuhr er, wie tückisch das Gerät fliegen kann: Der Red-Bull-Pilot schleuderte es auf ein geparktes Auto. Zudem musste der WM-Zweite des Vorjahres seine musikalischen Fähigkeiten mit dem Didgeridoo unter Beweis stellen.

Enttäuschung über den leicht vermiesten Saisonauftakt war ihm nicht mehr anzumerken, er nahm schließlich auch positive Erkenntnisse mit nach Australien. Er habe in Bahrain alles richtig gemacht, deshalb freue er sich auf Melbourne: "Unser Auto funktioniert sehr gut. Das gibt Mut für das nächste Mal."

Durch die defekte Zündkerze fehlten dem Renault-Motor nach Vettels Einschätzung "zwischen 50 und 100 PS" an Leistung. Dass er noch einmal durch so einen Defekt aus der Bahn geworfen wird, glaubt Vettel allerdings nicht: "So etwas passiert nur ganz selten, vielleicht alle zehn Jahre mal."

Die technische Abteilung nimmt das Malheur weitaus ernster. Denn die Zündkerze, mit rund 500 Euro für Formel-1-Verhältnisse ein relativ billiges Ersatzteil, war nur der Auslöser für Vettels Schleichfahrt; nach der Ursache forschten die Motoreningenieure vergeblich. Von einer Fehlkalkulation bei der Spritmenge ist bereits die Rede, der ehemalige McLaren-Teamchef Ron Dennis spekulierte sogar schon, dass die elektronische Steuerung "auf ein konservatives Programm umgeschaltet hat, um Benzin zu sparen".

Red Bull fiel schon in der Vergangenheit wegen Schlampereien auf. Seit die Mechaniker während der Wintertests wegen eines Öllecks den Motor wechseln mussten, bangt Vettel, dass sich die Schrecksekunden der Vorsaison wiederholen - vier Motorschäden gelten als klares Indiz, dass das Renault-Fabrikat mit dem überlegenen Aggregat von Mercedes nicht mithalten kann. Red Bulls Stardesigner Adrian Newey erwog einen Herstellerwechsel zu Mercedes. Er scheiterte am Veto des zum Kundenteam degradierten Ex-Partners McLaren.

Doch das Lamentieren half. Mit Erfolg setzte Red Bull beim Weltverband Fia durch, entgegen der Regel am Triebwerk schrauben zu dürfen. "Sonst gewinnen die Autos mit Mercedes-Motor am Ende alle Rennen - und das wäre nicht gut für die Formel 1." Jetzt ist sich auch Horner sicher: "Wir haben das beste Auto." Es muss nur noch zuverlässiger werden.