Handball-Bundesliga

Folgt der Umbruch? 2011 - das Schicksalsjahr des HSV

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Neun der 15 Profiverträge laufen im kommenden Jahr aus. Lijewski und Hens sollen verlängern. Lijewskis Verbleib ist offen.

Hamburg. Positiv ausgedrückt könnte man sagen, dass Pascal Hens, Matthias Flohr und Johannes Bitter im Rhythmus bleiben. Die drei HSV-Handballer treten in diesen Tagen mit der deutschen Nationalmannschaft zu zwei Testspielen gegen die Schweiz an, was in ihrem Verein nicht nur Begeisterung auslöst. "Ein bisschen Erholung hätte sicher allen gut getan", sagt Sportchef Christian Fitzek. Eine Woche ohne Verpflichtungen war den Hamburgern seit der EM im Januar nicht vergönnt. Die anderen immerhin kamen in den seltenen Genuss zweier freier Tage, bevor es am Sonnabend gegen den TBV Lemgo die Bundesliga-Tabellenführung zu verteidigen gilt. Die Wochen der Entscheidungen stehen bevor: in der Meisterschaft, im Pokal, in der Champions League. Und dann?

Fest steht, dass der HSV erstmals seit Vereinsbestehen ohne Abgänge in eine neue Saison gehen wird. Als Letzter hatte Torwart Per Sandström seinen auslaufenden Vertrag verlängert. "Diese Kontinuität im Kader war immer unser Ziel", sagt Fitzek. Doch die Planungen gehen längst über 2011 hinaus, das ein Schicksalsjahr für den HSV werden könnte. Neun der 15 Profiverträge laufen dann aus. Nur Sandström, Torsten Jansen, Igor Vori, Blazenko Lackovic (alle bis 2012), Domagoj Duvnjak und Marcel Schliedermann (bis 2014) sind längerfristig gebunden.

Die Personalgespräche haben bereits begonnen - wobei die Reihenfolge klare Prioritäten erkennen lässt. Den Rückraumstützen Hens (29) und Krzysztof Lijewski (26) liegen bereits konkrete Angebote des HSV vor. "Die beiden wollen wir auf jeden Fall halten", sagt Präsident und Geschäftsführer Andreas Rudolph. Die Spieler sind offenbar verlängerungswillig. Lijewski, dem auch Angebote aus Kiel und Mannheim vorliegen sollen, drängt auf baldigen Vollzug, Hens würde sich bei der Entscheidung gern bis Saisonende Zeit lassen. Beider Verbleib in Hamburg ist wahrscheinlich, Gleiches gilt für Torwart Bitter (27), Kreisläufer Bertrand Gille (31) sowie die Flügelspieler Matthias Flohr (27), Hans Lindberg (28) und Stefan Schröder (28).

Anders sieht es bei Lijewskis Bruder Marcin (32) aus. Obwohl er sogar eine Option bis 2012 besitzt, zieht es ihn in seine polnische Heimat. Beim HSV würde man nicht auf Vertragserfüllung pochen, zumal der Linkshänder selten an seine glanzvollen Flensburger Tage anknüpfen konnte.

Auch die Suche nach einem Nachfolger für Kapitän Guillaume Gille hat offenbar längst begonnen. Der französische Olympiasieger, Welt- und Europameister lenkt das HSV-Spiel in dieser Saison zwar so gekonnt wie lange nicht. Doch ob er über 2011 hinaus mit dann 35 Jahren noch die Kraft hat, um Herz und Seele der Mannschaft zu sein? Das zu beurteilen will der HSV auch Gille überlassen. "Wir müssen erst einmal sehen, ob er bei uns weitermachen will."

Kurzfristig wird es keine Entscheidung geben, was das Hamburger Interesse an Lemgos Spielmacher Michael Kraus (26) eher befördert. Eine Verpflichtung des Nationalmannschaftskapitäns schließt man beim HSV nur noch "zur nächsten Saison" aus. Allerdings ist schwer vorstellbar, dass man einen Ausnahmekönner wie Kraus bis 2011 bei einem Meisterschaftskonkurrenten parkt, sollte Lemgo die ohnehin unvermeidliche Trennung bereits zu Saisonende vollziehen.

Vom Tisch ist eine Verpflichtung Didier Dinarts. Der französische Abwehrkünstler verlängerte seinen Vertrag bei Champions-League-Sieger Ciudad Real soeben bis 2012 plus Option. Sein Flirt mit dem HSV wird der Dotierung des Vertrags jedenfalls nicht geschadet haben.

Die wichtigste Personalie des kommenden Jahres ist aber wohl die, ob Rudolph (54) erneut kandidiert. Der Medizinunternehmer ist noch immer eine unverzichtbare Geldquelle des HSV. Sollte er nach sieben Jahren amtsmüde werden, würde sich manches Vertragsgespräch erübrigen.