Motorsport

Formel 1: der Feind im eigenen Team

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Nico Rosberg (24) muss sich nicht nur des medialen Übergewichts seines prominenten Partners bei Mercedes GP, Michael Schumacher, erwehren.

Bahrain. Der wichtigste Gegner, sagt eine alte Formel-1-Weisheit, ist dein Teamkollege. Denn gerade die internen Duelle bestimmen nicht nur den Marktwert eines Rennfahrers, sondern stärken auch seine Position im Rennstall. Darin hat es Michael Schumacher, dem das Vorrecht der Nummer 1 nie in Verträge hineingeschrieben wurde, in seiner ersten Karriere zur Meisterschaft gebracht. Fahrer wie Nelson Piquet, Riccardo Patrese, Eddie Irvine, Rubens Barrichello oder Felipe Massa waren zwar auf dem Papier gleichberechtigt, wurden aber von Schumacher klein gehalten.

Das gleiche Spiel beginnt nun aufs Neue. Nico Rosberg (24) muss sich nicht nur des medialen Übergewichts seines prominenten Partners bei Mercedes GP erwehren. Es sind auch Kleinigkeiten, mit denen der 17 Jahre reifere Altmeister seine Rolle als Platzhirsch untermauert. So setzte er durch, dass auf seinem Auto die Startnummer 3 klebt, obwohl Rosberg als Erstverpflichteter darauf Anspruch hatte. Nur auf Schumachers weißem Rennoverall prangen Extra-Aufnäher persönlicher Sponsoren, dazu trägt er eine Kappe mit dem Logo seines langjährigen Werbepartners "Deutsche Vermögensverwaltung".

Doch trotz aller Psychotricks wird die Rolle des Teamleaders erst auf der Rennstrecke vergeben. Mercedes-Teamchef Ross Brawn ist pragmatisch: "Nummer eins ist, wer schneller fährt ..." Schumacher baut schon mal für den Fall der Fälle vor. Er habe kein Problem, meinem Teamkollegen zu helfen, wenn der "in einer besseren Position" sei. Klar, dass es der siebenmalige Weltmeister gar nicht erst so weit kommen lassen will.

Nicht nur bei Mercedes muss die Hackordnung auf der Piste geklärt werden. Das Daimler-Kundenteam McLaren, das sich in dieser Saison gern als britische Nationalmannschaft präsentiert, hat gleich die Weltmeister der vergangenen beiden Jahre unter Vertrag: Lewis Hamilton und Jenson Button. "Irgendwann wird sich einer unwohl fühlen, weil er vom anderen geschlagen wird", sagt Teamchef Martin Whitmarsh.

Auch bei Ferrari ist die Fahrerbesetzung nicht spannungsfrei. Der Spanier Fernando Alonso wurde von den Italienern als Heilsbringer à la Schumacher begrüßt, für den man mal eben den letzten Ferrari-Weltmeister Kimi Räikkönen in die Rallye-Wüste schickte. Der im Team beliebte Brasilianer Felipe Massa fährt einen Kuschelkurs, um die Sympathien der Mannschaft zu behalten. Nachgeben wird keiner der beiden.

Schon einmal hat Alonso sich mit einem Teamgefährten so lange duelliert - 2007 mit Hamilton bei McLaren -, dass am Ende Räikkönen im Ferrari als lachender Dritter triumphierte.

Wie aus Teamkollegen Intimfeinde werden können, haben 1986/87 Nelson Piquet und Nigel Mansell bei Williams sowie 1988/89 Alain Prost und Ayrton Senna bei McLaren gezeigt. Ob es auch in diesem Jahr zu solchen Hass-Duellen kommt, ist unklar. Nico Rosberg jedenfalls sagt einen "harten, aber fairen Wettbewerb" voraus. Und am Ende möchte er "vor meinem Teamkollegen sein".

( (cat) )