Fußball-Nationalmannschaft

Überraschung für Zigarren-Diego – Ballacks Problem

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Bundestrainer Jogi Löw bewies Humor und nahm Argentiniens Trainer Diego Maradona auf die Schippe. Kroos und Müller stehen vor ihrem Debüt.

München. Mit einem Schuss Risiko und taktischer Finesse will Joachim Löw „Zigarren-Diego“ Maradona Dampf machen und für seine eigene WM-Titelmission das nötige Feuer entfachen. Der Bundestrainer ließ einen Tag vor dem ersten Fußball-Länderspiel des Jahres und zugleich dem wichtigsten WM-Test zwar die Besetzung der deutschen Startelf offen, die an diesem Mittwoch in München (20.45 Uhr/ZDF) gegen Maradonas Argentinier bestehen soll. Doch an Mut wird es Löw nicht fehlen. Schon vor dem Duell mit seinem Kollegen nahm er den ehemaligen Weltklasse-Spieler auf die Schippe. Zur Pressekonferenz brachte der DFB-Coach eine jener Zigarren mit, wie sie Maradona am Vortag während des Trainings geraucht hatte, und bat Pressesprecher Harald Stenger um Feuer und Aschenbecher.

„Ich traue mich alles“, erklärte der 50-jährige Löw auch zur möglichen risikovollen Variante, im Spiel gegen Superstar Lionel Messi und Co. gleich die Neulinge Thomas Müller und Toni Kroos mit ins kalte Wasser zu werfen. In so einem Test 100 Tage vor dem WM- Turnier sei er als Trainer durchaus bereit, „das eine oder andere Risiko zu gehen“, betonte Löw. Allerdings ließ er noch offen, ob der Münchner Müller und der Leverkusener Kroos schon von Beginn an eine Chance bekommen oder erst später eingewechselt werden. Denn gerade auf der rechten Seite erwartet das DFB-Team durch Barcelonas Weltfußballer Messi eine besonders schwere Aufgabe.

Der Bundestrainer ist sich der Gefahren wohl bewusst; nicht nur vor der Heim-WM vor vier Jahren hatte eine völlig misslungene Generalprobe gegen einen Großen im Weltfußball für größere Aufregung gesorgt. Auch vor dem Welt-Championat 2002 hatte Deutschland den Klassiker gegen Argentinien mit 0:1 verloren. Und nochmals vier Jahre zuvor ging der WM-Test gegen Brasilien mit 1:2 in die Hose. „Das ist ein Test, den wir sehr, sehr ernst nehmen“, sagte Löw, der das 1:4 in Italien vor der WM 2006 und die anschließenden Nachwehen natürlich noch im Kopf hat. „Wir wissen alle, für die WM-Stimmung und Vorfreude ist es auch wichtig, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen und vor allem ein gutes Spiel zeigen“, sagte der Freiburger.

Als eines der wichtigsten Experimente will Löw den Münchner Bastian Schweinsteiger wie bei den Bayern in die Mittelfeld-Zentrale versetzen, auch wenn Michael Ballack damit nicht ganz glücklich scheint. Der Kapitän wollte vor der versammelten Weltpresse nicht darüber reden, „wie es sein wird“, falls er im defensiven Mittelfeld die noch defensivere Rolle besetzen muss. Auch Löw ging auf das neue Problem nur wenig ein: „Michael ist stark, wenn er aus der Defensive kommt.“ Die sogenannten „Sechser“ müssten ohnehin „in Abstimmung Akzente nach vorn setzen“, unterstrich der Bundestrainer seinen Anspruch. Dass Ballack nun besonders den ausgemusterten Kollegen und Freund Torsten Frings vermisst, wollte der Wahl-Engländer nicht sagen: „Wir sollten nicht über Spieler sprechen, die nicht dabei sind. Der Trainer hat schon vor längerem eine Entscheidung getroffen. Das haben alle akzeptiert.“

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Auch Löw ließ die Bezeichnung „große Baustelle Nationalmannschaft“ trotz zahlreicher offener Personalfragen nicht zu: „Wir haben jetzt eine gute Basis. Entscheidend wird die Arbeit unmittelbar vor der WM“. Gerade taktisch habe sich sein Team nach dem zweiten Platz bei der EURO 2008 durchaus weiterentwickelt. Das soll sie nun gegen die „mit allen Wassern gewaschenen Argentinier“ (Ballack) beweisen. „Wir müssen taktisch enorm klug agieren“, sagte Löw und warnte vor allem vor der Offensivkraft des zweimaligen Weltmeisters. „Wenn der Gegner Fehler macht, sind sie gnadenlos. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nichts ins offene Messer laufen.“ Gerade die erfahrenen Kräfte wie Ballack, Per Mertesacker, Philipp Lahm, Lukas Podolski und der als einzige echte Sturmspitze erwartete Miroslav Klose sind da besonders gefordert.

Bis zum Mittwochmorgen wollte Löw, der „zum letzten Mal“ erklärte, dass es neue Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung erst nach der WM geben werde, noch über die Problem-Positionen tüfteln. Als zweiter Innenverteidiger scheint der Stuttgarter Serdar Tasci die besten Karten zu haben. Außen könnte das Hamburger Talent Jerome Boateng eine neue Chance bekommen. „Wir haben lange kein Länderspiel gehabt und werden auch lange keine haben. Deshalb ist das Spiel von großer Wichtigkeit“, erklärte „Capitano“ Ballack, der sich einen Seitenhieb auf den Zigarre rauchenden Maradona auch nicht verkneifen konnte: „Das ist ungewöhnlich, das ist so wohl auch noch nicht vergekommen. Aber es hat uns nicht zu interessieren, es ist nicht unser Trainer.“