Nordduell in der Bundesliga

Spielervergleich: HSV schlägt Hannover 10:4

Der VfL Wolfsburg, Bayern München und der VfB Stuttgart haben im Meisterrennen vorgelegt. Der HSV muss im Heimspiel gegen Hannover 96 unbedingt nachlegen, um in Schlagdistanz zur Tabellenspitze zu bleiben. Abendblatt.de hat im Vorfeld des Nord-Schlagers die einzelnen Spieler miteinander verglichen und kommt zu einem klaren Ergebnis...

Torhüter: Frank Rost gegen Robert Enke

Der große Torwartgipfel in Hamburg: Nationaltorwart Robert Enke (6 Länderspiele) trifft auf Ex-Nationaltorwart Frank Rost (4 Länderspiele). Der Hamburger Schlussmann verfügt über eine riesige Erfahrung, stand in der Bundesliga schon 355 Mal zwischen den Pfosten. Seitdem "Fäustl" vor zwei Jahren vom FC Schalke 04 zum Hamburger SV kam, ist er in Hamburg auf und neben dem Platz eine absolute Führungsfigur. In den letzten Wochen hielt Rost überragend. Warum er in der aktuellen Diskussion um den Platz im Tor der Nationalmannschaft keine Rolle spielt, weiß wohl nur Bundestrainer Joachim Löw.

Robert Enke ist nach seiner Handverletzung aus der Hinrunde wieder in Topform. Zwar ist Hannover mit 56 Gegentoren die Schießbude der Liga, doch ohne Enke wären es wohl doppelt so viele. Es wäre eine große Überraschung, wenn Enke auch in der kommenden Saison zwischen den Pfosten bei Hannover steht.

Urteil: Klares Unentschieden. Beide Keeper gehören zu den besten in Deutschland und werden auch am Sonntag eine entscheidende Rolle spielen.

Zwischenstand: 1:1

Rechtsverteidiger: Jerome Boateng gegen Sergio Pinto

Im letzten Jahr war Jerome Boateng der Shootingstar beim HSV, als der Neuzugang aus Berlin auf Anhieb einen Stammplatz erkämpfte. In dieser Saison hatte der U21-Nationalspieler einige schwache Auftritte (z.B. beim 1:4 in Gladbach), doch in den letzten Wochen näherte sich der Youngster wieder seiner Form des Vorjahres.

Sergio Pinto spielt für den verletzten Steven Cherundolo auf der rechten Abwehrseite. Auf dieser Position gelangen dem ehemaligen Aachener bereits zwei Saisontore. Pinto kommt jedoch auch in seinem zweiten Jahr bei Hannover nicht über eine Jokerrolle hinaus.

Urteil: Dieser Punkt geht an den Hamburger. Am Donnerstag schaltete Boateng den Weltstar Robinho weitestgehend aus. Guy Demel wird es schwer haben, seinen Platz rechts in der Abwehrkette zurück zu gelangen.

Zwischenstand: 2:1

Innenverteidiger I: Alex Silva gegen Christian Schulz

Der Brasilianer Alex Silva kehrt nach überstandenem Muskelfaserriss zurück in die Startelf. Er übernimmt den Platz des gesperrten Joris Mathijsen. In der Innenverteidigung hatte Silva in dieser Saison häufig Probleme, steigerte sich aber nach den katastrophalen Auftritten in Wolfsburg und Hoffenheim in der Hinrunde.

Christian Schulz kam vor zwei Jahren als Linksverteidiger aus Bremen nach Hannover, spielte dann häufig im defensiven Mittelfeld und hat jetzt seinen Platz in der Innenverteidigung gefunden. Dort überzeugt Schulz mit Übersicht und Zweikampfstärke.

Urteil: Fraglich, ob Silva nach seiner Verletzung schon wieder bei 100 Prozent angelangt ist. Beide Akteure sind extrem kopfballstark. Über die gesamte Saison gesehen ist Schulz der konstantere Spieler, doch auch er ist Teil der Schießbude der Liga. Unentschieden.

Zwischenstand: 3:2

Innenverteidiger II: Michael Gravgaard gegen Mario Eggimann.

Dänische Kante gegen Schweizer Bollwerk. Michael Gravgaard findet nach seinem Katastrophen-Debüt in Karlsruhe am 19. Spieltag immer besser zurecht, wirkt aber auch immer wieder unsicher. Der ehemalige Kopenhagener profitierte zuletzt von Nebenmann Joris Mathijsen, gegen Hannover wird er noch mehr in der Verantwortung stehen.

Mario Eggimann war im Vorjahr ein zentraler Baustein des Karlsruher Erfolgs und zudem häufiger Torschütze. In Hannover nähert sich der Schweizer nach der völlig verkorksten Hinrunde mit vielen Verletzungen allmählich der alten Verfassung und glänzte zuletzt in Hoffenheim auch wieder als Torschütze.

Urteil: Auch hier ein Remis. Gravgaard muss sich noch an das Tempo in der Bundesliga gewöhnen, Eggimann an die erhöhten Erwartungen in Hannover.

Zwischenstand: 4:3

Linksverteidiger: Marcell Jansen gegen Konstantin Rausch

Nach schwierigem Start in Hamburg ist Marcell Jansen wieder zu alter Stärke zurückgekehrt. Ob in der Abwehr oder im Mittelfeld - der Ex-Münchner überzeugt in der Rückrunde auf beiden Positionen. Seine starken Auftritte haben den Linksfuß auch wieder in den Kreis der Nationalelf gebracht.

Konstantin Rausch ist der Aufsteiger der Saison bei Hannover 96. Zu Beginn der Spielzeit aus dem eigenen Nachwuchs befördert, überzeugt der 19-Jährige durch selbstbewusste Auftritte. Der Nachfolger von Michael Tarnat scheint endlich gefunden. Am Sonntag wird es Rausch vor allem mit Jonathan Pitroipa zu tun bekommen.

Urteil: Aktuell ein klarer Punkt für den HSV. Marcell Jansen beweist, warum die Hamburger vor der Saison eine hohe Summe nach München überwiesen haben. In der Rückrunde hat der ehemalige Gladbacher noch keine Bundesligaminute verpasst.

Zwischenstand: 5:3

Defensives Mittelfeld I: Dennis Aogo gegen Leon Andreasen

Was für ein Jahr für Dennis Aogo. Zu Saisonbeginn noch auf der Tribüne, ließ der Ex-Freiburger zunächst Thimothee Atouba vergessen lassen. Seit drei Spielen bearbeitet der 22-Jährige das defensive Mittelfeld und tat das vor allem in den Partien gegen Manchester City mit großer Bravour. Der Linksfuß wird immer wertvoller und überzeugt mit toller Technik und Dynamik.

Leon Andreasen kommt in Hannover noch nicht zurecht. Zur Rückrunde vom FC Fulham verpflichtet, tut sich der ehemalige Mainzer und Bremer schwer. Der Däne konnte vor allem offensiv noch keine Akzente setzen.

Urteil: Aufgrund der aktuellen Form geht der Punkt an die "Rothosen". Und wenn Dennis Aogo in der 90. Minute nicht wie in Stuttgart nur die Latte, sondern ins Tor trifft, ist der Techniker ein Kandidat für den Titel "Fußballer des Monats".

Zwischenstand: 6:3

Defensives Mittelfeld II: David Jarolim gegen Hanno Balitsch

David Jarolim spielt in seinem ersten Jahr als HSV-Kapitän eine überragende Saison. Der Tscheche fehlte zuletzt in Stuttgart gelb-rot-gesperrt und kehrt zurück auf seine Stammposition. Die Fleißbiene ist unheimlich wertvoll, der beste Passgeber der Liga und in dieser Saison auch sehr effektiv (schon sechs Scorerpunkte). Wenn er doch nur ein wenig torgefährlicher wäre...

Hanno Balitsch ist der Motor im Spiel der 96er, doch der Motor läuft in dieser Spielzeit nicht ganz rund. Starke Auftritte wechseln sich zu häufig ab mit gelegentlichen Aussetzern. Zudem ist der Ex-Kölner nicht sehr effektiv (erste ein Tor/ein Assist). Das kann Balitsch besser.

Urteil: Nächster Punkt für den HSV. David Jarolim hat in allen drei Wettbewerben nahezu alle Spiele über die volle Distanz absolviert und wirkt immer noch nicht müde. Der Tscheche will unbedingt eine Titel und wirkt bei dieser Mission unzerstörbar.

Zwischenstand: 7:3

Offensives Mittelfeld I: Piotr Trochowski gegen Jacek Krzynowek

Der kleine Hamburger Piotr Trochowski spielt eine große Saison. Seit dem Weggang von Rafael van der Vaart blüht "Troche" förmlich auf und liefert sowohl beim HSV als auch im Nationalteam große Spiele. An 23 Toren war Trochowski in Meisterschaft, DFB-Pokal und Uefa-Cup direkt beteiligt. Im Heimspiel gegen Manchester City zeigte er eine Weltklasseleistung, im Rückspiel wirkte er etwas müde.

Jacek Krzynowek beeindruckte vor einigen Jahren in der Champions League mit seinem linken Hammer die europäische Bühne. In Hannover blühte er in der Rückrunde nur gelegentlich auf. Der Pole ist aber immer für ein Tor gut, der HSV sollte gewarnt sein.

Urteil: Nächster Punkt für den HSV. An guten Tagen sind beide zu außergewöhnlichen Dingen fähig, nur werden diese Tage beim Linksfuß aus Hannover immer seltener. Trochowski zeigt in dieser Saison endlich die nötige Konstanz.

Zwischenstand: 8:3

Offensives Mittelfeld II: Jonathan Pitroipa gegen Arnold Bruggink

Der Mann aus Burkina Faso hat lange gebraucht, um sich an die harte Gangart in der Bundesliga zu gewöhnen. Jonathan Pitroipa besitzt Fähigkeiten, die kein anderer Bundesligaspieler hat. Mitunter scheint er über das Spielfeld zu fliegen. Der Neuzugang aus Freiburg vertändelt aber noch zu viele Bälle und rennt sich zu häufig fest.

Zum dritten Mal in Folge spielt Arnold Bruggink nach durchwachsener Hinrunde eine bärenstarke Rückrunde. An zehn der letzten 13 Hannoveraner Treffern war der Niederländer direkt beteiligt. Insbesondere bei Standardsituationen sollten die Hamburger gewarnt sein.

Urteil: Obwohl Jonathan Pitroipa vor zwei Wochen sein erstes Bundesligator erzielte und im HSV-Trikot immer besser in Schwung kommt, geht dieser Punkt an Hannover 96. Bruggink ist in Topform. Der Ausgang am Sonntag hängt maßgeblich davon ab, ob der 31-Jährige zur Entfaltung kommt.

Zwischenstand: 8:4

Sturm I: Paolo Guerrero gegen Jiri Stajner

Paolo Guerrero ist in der Form seines Lebens und trifft derzeit, wie er will. Der Peruaner hat sein Phlegma endlich abgelegt und strahlt derzeit unglaublich großes Selbstbewusstsein aus. Neun Tore in den letzten 14 Pflichtspielen sind eine starke Quote. Der kleine Torkrieger ist der Grund, warum derzeit nur wenige von Mladen Petric sprechen...

Im Hinspiel war Jiri Stajner beim 3:0 für Hannover einer der Schlüsselspieler und Torschützen. Der 32-jährige Tscheche kämpft immer vorbildlich und ist in Hannover sehr beliebt. Mit sieben Treffern ist Stajner der Toptorschütze der Niedersachsen.

Urteil: Bei aller Hochachtung vor Jiri Stajner, dieser Punkt kann nur an die Hamburger gehen. Ein Guerrero in der aktuellen Form wünscht sich jedes Team.

Zwischenstand: 9:4

Sturm II: Ivica Olic gegen Mike Hanke

Die Hamburger Fans dürfen langsam anfangen zu weinen, denn viele Spiele wird Ivica Olic nicht mehr für die Jol-Elf absolvieren. Und obwohl der Wechsel des Kroaten zu Bayern München bereits seit Monaten perfekt ist, zerreißt sich Olic für den HSV und das danken ihm die Fans. Obwohl die Torausbeute in der Rückrunde ein wenig zu wünschen übrig lässt, gehört "Ivi" zu den absoluten Leistungsträgern der Hanseaten.

Mike Hanke ist das Gegenteil von Olic. Beim Publikum ist der Blondschopf aufgrund seiner Leistungsschwankungen unbeliebt, an manchen Tagen ist er auf dem Feld kaum zu sehen. Immer wieder beweist der Ex-Schalker und Wolfsburger dann aber wieder seine Torjägerqualitäten, so wie in der Vorwoche, als Hanke gegen Hertha per Kopf traf. Er wird wohl auch in Hamburg den Vorzug vor dem Finnen Mikael Forssell erhalten.

Urteil: Olic sichert dem HSV den letzten Punkt. Bayern München darf sich über die "Kampfmaschine" freuen. Gravgaard und Silva sollten jedoch vor der Torgefahr von Mike Hanke gewarnt sein.

Endstand: 10:4