Von Posipal bis Trochowski: alle Hamburger beim DFB

HSV-Spieler in der Nationalmannschaft

In den letzten 20 Jahren hatten deutsche Nationalspieler beim HSV Seltenheitswert. Mit Piotr Trochowski und Marcell Jansen stehen endlich wieder Akteure der Hanseaten in der DFB-Auswahl, die sich in den kommenden Jahren etablieren können. Für Abendblatt.de ein Anlass, alle Spieler des HSV vorzustellen, die jemals in der Nationalelf zum Einsatz kamen. Profis wie Benjamin Lauth, die in ihrer HSV-Zeit nicht für den DFB aktiv waren, sind nicht berücksichtigt.

Piotr Trochowski

Der gebürtige Pole Piotr Trochowski ist beim HSV zum Nationalspieler gereift, nachdem er bereits als Spieler beim FC Bayern München für die U-21 aktiv war. Bei der Europameisterschaft 2007 in Österreich/Schweiz kam der 169 Zentimeter kleine Techniker nicht zum Einsatz. Dafür schaffte er in den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und Wales im Oktober den Durchbruch, als ihm unter anderem mit einem Traumtor der Siegtreffer gegen die Waliser gelang.

Länderspiele: 18 (1 Tor)

Marcell Jansen

Linksfuß Marcell Jansen stand bereits als 21-Jähriger im Aufgebot der Nationalmannschaft bei der WM 2006. Dort reichte es aber nur zu einem Einsatz im Spiel um Platz drei gegen Portugal. Zwei Jahre später ging Jansen als Stammspieler in die Europameisterschaft, verlor seinen Platz jedoch nach zwei schwachen Spielen zum Auftakt. Seit seinem Wechsel zum HSV kam der ehemalige Gladbacher und Münchner nur zu einem Kurzeinsatz im Testspiel gegen Belgien. Nach seinen guten Auftritten in der Rückrunde ist er wieder ein Anwärter auf einen Startplatz.

Länderspiele: 28 (1 Tor)

Christian Rahn

Der gebürtige Hamburger kam über die Stationen Altona 93 und FC St. Pauli zum Hamburger SV. Sein Länderspiel-Debüt feierte Rahn im Mai 2002 beim 7:0 über Kuwait. Damals war er noch für die Braun-Weißen aktiv. In seiner Zeit beim HSV reichte es nur noch zu drei weiteren Einsätzen. Unter Trainer Thomas Doll bei den Hamburgern nicht mehr berücksichtigt, wechselte Rahn 2005 nach Köln. Heute spielt er in der Zweiten Liga bei Greuther Fürth.

Länderspiele: 5 (0 Tore)

Hans-Jörg Butt

Insgesamt drei Halbzeiten stand Hans-Jörg Butt zwischen den Pfosten der Nationalmannschaft. Dabei musste er insgesamt drei Mal hinter sich greifen. Butt, der für den HSV und Leverkusen 26 Bundesligatore (alle per Elfmeter) erzielte, ist heute Ersatztorhüter des FC Bayern München.

Länderspiele: 3 (0 Tore)

Jörg Albertz

Sein gefürchteter "linker Hammer" brachte Jörg Albertz in seiner ersten Zeit beim HSV (1993 1996) in den Kreis der Nationalmannschaft, in der er 1996 beim Auswärtssieg gegen Portugal debütierte. Festspielen konnte er sich nicht, nach insgesamt drei Einsätzen war seine DFB-Karriere vorbei. "Ali", wie er von den HSV-Fans gerufen wurde, hat seine aktive Laufbahn mittlerweile beendet.

Länderspiele: 3 (0 Tore)

Ingo Hertzsch

Zwischen 1997 und 2003 bestritt Hertzsch 151 Spiele für den HSV. In dieser Zeit wurde er auch zwei Mal für die DFB-Auswahl eingesetzt, ein Sieg gelang ihm dabei nicht. Nach seinem Wechsel zu Leverkusen 2003 wurde er nicht wieder berufen. Heute spielt er in Liga zwei für den FC Augsburg.

Länderspiele: 2 (0 Tore)

Sven Kmetsch

80 Einsätze und vier Tore beim HSV brachten Sven Kmetsch zum Nationalteam, wo ihn Trainer Berti Vogts 1997 gegen Armenien erstmals einsetzte. Seine zweite Partie im Oman ein Jahr später sollte seine letzte bleiben. Heute ist Kmetsch Co-Trainer bei Schalke 04 II.

Länderspiele: 2 (0 Tore)

Thomas Doll

1990/91 zauberte Thomas Doll für ein Jahr im HSV-Trikot. Seine überragenden Leistungen lockten den italienischen Verein Lazio Rom an, zu dem Doll nach nur einem Jahr in Hamburg wechselte. In der DFB-Auswahl machte der spätere HSV-Trainer 18 Spiele, darunter das verlorene EM-Finale 1992 gegen Dänemark. Zuvor war der gebürtige Malchiner schon 43 Mal für die DDR im Einsatz. Derzeit wartet Doll auf ein neues Engagement als Trainer.

Länderspiele DDR: 43 (9 Tore) Länderspiele DFB: 18 (1 Tor)

Dietmar Beiersdorfer

Heute erfolgreicher HSV-Manager, früher knallharter Verteidiger bei den Hamburgern sowie bei Werder Bremen. Für die Nationalmannschaft reichte es nur zu einem Einsatz, 1991 gegen Belgien. Nach seinem Wechsel an die Weser wurde "Didi" zwar Deutscher Meister und Pokalsieger, das DFB-Trikot zog er jedoch nie wieder an.

Länderspiele: 1 (0 Tore)

Uli Stein

In der Bundesliga wurde Ulrich "Uli" Stein 20 Jahre lang zwischen 1976 und 1997 vor allem aufgrund diverser Skandale und Roter Karten berühmt. Seine Leistungen als Torwart waren aber unumstritten gut und brachten Stein zu sechs Länderspieleinsätzen. Nachdem er Bundestrainer Franz Beckenbauer 1986 als "Suppenkasper" bezeichnete, wurde er nicht mehr nominiert. Seit einem Jahr ist Stein Torwarttrainer von Aserbaidschan.

Länderspiele: 6 (0 Tore)

Wolfgang Rolff

Vier Jahre lang trug Rolff zwischen 1982 und 1986 das HSV-Trikot und schoss in 129 Spielen 24 Tore. In dieser Zeit gewann er unter anderem den Europapokal der Landesmeister und debütierte für die Nationalmannschaft. Nach 356 Erstligaspielen konzentrierte sich der ehemalige Coach von Kuwait auf seine Trainerkarriere. Seit 2004 ist er Co-Trainer bei Werder Bremen an der Seite von Thomas Schaaf.

Länderspiele: 37 (0 Tore)

Horst Hrubesch

97 Bundesligatore für den HSV zwischen 1978 und 1993 brachten Hrubesch den Spitznamen "Kopfballungeheuer" ein. Diesen unterstrich er auch in der Nationalmannschaft: seine beiden Tore im EM-Finale 1980 gegen Belgien machten ihn unsterblich. 1982 wurde er im Trikot der Hamburger Torschützenkönig und gewann den Europapokal der Landesmeister. Seit 2000 arbeitet Hrubesch als Trainer der DFB-Nachwuchsmannschaften und betreut aktuell auch die U-21.

Länderspiele: 21 (6 Tore)

Felix Magath

Europameister, zweimaliger Vizeweltmeister Felix Magath blickt auf eine erfolgreiche Karriere in der Nationalelf zurück. Legendär wurde er aber erst durch sein Traumtor zum Sieg des HSV im Europapokal der Landesmeister 1983 gegen Juventus Turin. 306 Mal schnürte er in der ersten Liga die Schuhe für die Rothosen. Aktuell ist Magath einer der erfolgreichsten Bundesligatrainer und wird von den Medien aufgrund seiner harten Methoden gerne als "Quälix" bezeichnet.

Länderspiele: 43 (3 Tore)

Ditmar Jakobs

1997 wechselte Jakobs vom MSV Duisburg zum Hamburger SV, für den er in zehn Jahren 323 Bundesligapartien absolvierte. 1986 wurde er mit der Nationalelf Vizeweltmeister und spielte als Libero im Finale gegen Argentinien. 1989 verletzte er sich im Heimspiel gegen Werder Bremen bei einer Rettungsaktion an einem Karabinerhaken, der am Tor befestigt war. Aufgrund der erlittenen Verletzung musste er seine Karriere vorzeitig beenden.

Länderspiele: 20 (1 Tor)

Peter Nogly

Der Abwehrspieler, der zwischen 1969 und 1980 für den HSV verteidigte, bestritt 1977 vier Spiele für die Nationalmannschaft und stand im Kader der deutschen Auswahl, die 1978 Vize-Europameister wurde. Mit dem HSV gewann er den DFB-Pokal, die deutsche Meisterschaft und den Europapokal der Pokalsieger. Nogly erarbeitete sich in seiner aktiven Karriere den Spitznamen "die Eiche". Seit vielen Jahren ist er als Trainer im Hamburger Amateurfußball tätig.

Länderspiele: 4 (0 Tore)

Jürgen Milewski

Auch der kleine Stürmer Jürgen Milewski gehört zu den HSV-Helden von 1983. "Er läuft wie eine Maschine, sein Instinkt ist hervorragend, und frech ist er auch", sagte Trainer Ernst Happel über den dreifachen Nationalspieler. Milewski ist heute als Spielerberater tätig und betreut unter anderem Akteure wie Hasan Salihamidzic, Gerald Asamoah oder Alexander Meier.

Länderspiele: 3 (0 Tore)

Rudi Kargus

Rudolf "Rudi" Kargus lief zwischen 1971 und 1980 insgesamt 254 Mal für den Hamburger SV auf. Seine Leistungen gefielen auch dem Bundestrainer Helmut Schön, der den Keeper unter anderem für die WM 1978 in Argentinien nominierte. In der Bundesliga ist Kargus bis heute der erfolgreichste "Elfmeterkiller" (24 gehaltene Strafstöße).

Länderspiele: 3 (0 Tore)

Georg Volkert

1971 kam "Schorsch" Volkert zum Hamburger SV und schaffte durch gute Leistungen den Sprung zurück in die Nationalmannschaft, in der er 1968 sein erstes Spiel machte. In seiner letzten Partie für die deutsche Auswahl schaffte das Team den ersten Erfolg gegen Italien nach dem 2. Weltkrieg. Volkert war 1991 Manager beim HSV, heute betreibt er eine Sportagentur.

Länderspiele: 12 (2 Tore)

Holger Hieronymus

Der gebürtige Hamburger war in seiner Jugend für den TuS Hamburg und den FC St. Pauli aktiv. Für den HSV spielte Hieronymus zwischen 1979 und 1984 in 121 Erstligapartien. Der ehemalige Sportdirektor der Rothosen gehörte zum WM-Kader von 1982, kam dort aber nicht zum Einsatz. Seit 2002 ist Hieronymus Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

Länderspiele: 3 (0 Tore)

Manfred Kaltz

Verteidiger "Manni" Kaltz wurde 1982 Vizeweltmeister mit Deutschland, nachdem er zwei Jahre zuvor den EM-Titel mit der DFB-Auswahl gewann. Von 1975 bis 1983 trug er den Bundesadler auf seiner Brust. Der Fachmann für "Bananenflanken" gehörte stets zu den zuverlässigen Stützen seines Teams.

Länderspiele: 69 (9 Tore)

Jürgen Groh

Die großen HSV-Erfolge sind mit seinem Namen verbunden: zwei deutsche Meisterschaften und den Landesmeistercup 1983 sicherte sich Groh mit der Mannschaft von der Elbe. Zwei Länderspieleinsätze waren der zusätzliche Lohn. Der Abwehrspieler war 156 Mal für die Hamburger in der Bundesliga aktiv. Heute trainiert er eine Bezirksligamannschaft in der Pfalz.

Länderspiele: 2 (0 Tore)

Uwe Seeler

Das HSV-Idol gehört zu den vier Ehrenspielführern der deutschen Nationalmannschaft. Seeler nahm an vier Weltmeisterschaften teil und schoss jeweils mindestens ein Tor. Das gelang außer ihm nur Pele. Für den HSV schoss "Uns Uwe" 137 Tore in 239 Bundesligaspielen damit ist er der erfolgreichste Hamburger Torschütze aller Zeiten. Berühmt wurde er auch durch sein Tor mit dem Hinterkopf bei der WM 1970. Das Foto, das Seeler nach dem verlorenen WM-Finale gegen England 1966 mit hängendem Kopf zeigt, wurde zum Sportfoto des Jahrhunderts gewählt.

Länderspiele: 72 (43 Tore)

Willi Schulz

Als "Vorstopper" verteidigte Schulz für den HSV zwischen 1965 und 1973 in 211 Bundesligaspielen. Die Nationalmannschaft führte er als Kapitän insgesamt zwanzigmal an. Seine überragenden Leistungen bei der Weltmeisterschaft 1966 brachten ihm den Spitznamen "Worldcup-Willi" ein. Bis heute ist Schulz Mitglied beim HSV.

Länderspiele: 66 (0 Tore)

Caspar Memering

Seine größten Erfolge feierte Memering mit dem HSV (DFB-Pokal, Meister, Europapokal der Pokalsieger) zwischen 1976 und 1982, bevor er nach Frankreich zu Girondins Bordeaux wechselte. 1980 wurde "Cappi" Europameister mit der Deutschen Nationalmannschaft, kam dabei aber nur zu einem Einsatz. Heute trainiert er den niedersächsischen Bezirksligisten TuRa 07 Westrhauderfehn.

Länderspiele: 3 (0 Tore)

Jürgen Kurbjuhn

Seine Karriere begann "Kubbi" beim Buxtehuder SV. 1960 wechselte er zum Hamburger SV und wurde auf Anhieb Deutscher Meister. Bis 1972 trug er das Trikot der Hanseaten. Sepp Herberger nominierte den Verteidiger bereits 1962 für die National-Auswahl, sein Debüt feierte er im heimischen Volksparkstadion gegen Uruguay. Kurbjuhn stand im WM-Aufgebot 1960. Mittlerweile arbeitet er als Immobilienmakler in seiner Heimatstadt Buxtehude.

Länderspiele: 5 (0 Tore)

Bernd Dörfel

Der gebürtige Hamburger lernte das Fußballspielen bei Grün-Weiß 07 Hamburg. Der Rechtsaußen bestritt zwischen 1964 und 1968 insgesamt 88 Spiele für den HSV. Obwohl er in der Nationalmannschaft eine starke Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1970 spielte, wurde er für den WM-Kader nicht nominiert. Seine Laufbahn beendete er bei Servette Genf in der Schweiz.

Länderspiele: 15 (2 Tore)

Gert Dörfel

"Charly" Dörfel bildete zusammen mit seinem Bruder Bernd und Uwe Seeler lange Zeit ein erfolgreiches Sturmtrio des HSV. 1958 kam er für 3 000 Mark von Polizei SV Hamburg zum Hamburger SV, für den er 139 Bundesligaspiele absolvierte. Dörfel durchlief mehrere Nachwuchsmannschaften des DFB und debütierte 1960 gegen Island in der A-Mannschaft. Beim 5:0-Sieg gelangen ihm zwei Tore. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete "Charly" unter anderem als Clown im Zirkus Krone, mittlerweile ist der 69-Jährige pensioniert.

Länderspiele: 11 (7 Tore)

Josef Posipal

"Jupp" Posipal ist der einzige HSV-Spieler, der in der berühmten Weltmeisterschaftsmannschaft von 1954 stand. Ein Jahr zuvor wurde er als einziger deutscher Spieler in die Weltauswahl berufen. 1949 kam der Abwehrspieler nach Hamburg, wo er zehn Jahre aktiv war. 1997 starb er im Alter von 69 an Herzversagen.

Länderspiele: 11 (7 Tore)

15 weitere Spieler:

Folgende Spieler des HSV waren ebenfalls für die Nationalmannschaft aktiv. Sie traten aber entweder kaum nennenswert in Erscheinung, oder zu ihnen konnten keine Bilder gefunden werden: Jimmy Hartwig (zwei Spiele), Edmund Adamkiewics (zwei Spiele), Albert Beier (elf Spiele), Wilhelm Blunk (ein Spiel), Willi Giesemann (drei Spiele), Heinz Gründel (vier Spiele), Tull Harder (15 Spiele), Franz Horn (drei Spiele), Fritz Laband (vier Spiele), Hans Lang (acht Spiele), Rudi Noack (drei Spiele), Karl Politz (ein Spiel), Walter Risse (drei Spiele), Klaus Stürmer (zwei Spiele), Jürgen Werner (vier Spiele), Eduard Wolpers (ein Spiel)