Interview mit HSV-Spieler Albert Streit

"Bei Schalke verlor ich den Spaß am Fußball"

Es ist für ihn eine besondere Heimkehr: Am Sonntag kehrt Albert Streit (29) zu seinem Ex-Klub Schalke zurück.

Es ist für ihn eine besondere Heimkehr: Am Sonntag kehrt Albert Streit (29) zu seinem Ex-Klub Schalke zurück. Im Abendblatt spricht er über ...

... das Duell mit Schalke 04: "Das ist schon etwas ganz Besonderes für mich, da ich dort im letzten Jahr etliche Probleme und den Spaß am Fußball verloren hatte. Ich würde gern so tun, als wäre ich cool - aber ich bin motivierter als sonst. Ich denke, wir sind besser."

... seinen schlechten Ruf: "Das fing schon in Köln an. Ich habe immer ehrlich mit offenen Karten gespielt, damals frühzeitig gesagt, dass ich wechseln würde. Andere Spieler erklären ihre Liebe zum Verein - und am Ende gehen sie genau wie ich doch weg. Da finde ich unehrlich. Ich weiß, dass mein Image nicht das Beste ist und ich eher als das Gegenteil von Lieblingen wie Schweinsteiger und Poldolski gelte. Trotzdem wollte mich bis jetzt - außer Schalke - kein Verein freiwillig abgeben - also, ein ganz so schlechter Kerl kann ich nicht sein."

... seine Ziele beim HSV: "Ich fühle mich hier wieder so geborgen, wie in meinen guten Zeiten. Jetzt will ich dahin kommen, den unbeschwerten Fußball von damals wieder spielen und dem HSV so helfen zu können. Ich will hier nicht nur bis Sommer bleiben. Vielleicht sogar für immer."

... den Unterschied zwischen Schalke und HSV: "In Gelsenkirchen gab es Grüppchen. Die portugiesisch und spanisch Sprechenden, die Deutschen und die anderen. Beim HSV ist das anders, hier ist Stimmung in der Kabine. Die Spieler sind trotz des Erfolges ein Team geblieben. Hier ist man 'gleicher' als bei Schalke."

... den HSV als "letzte Chance": "Das wäre es nur, wenn ich danach arbeitslos würde. Aber ich habe noch einen Vertrag bei Schalke und werde sicherlich auch einen Arbeitgeber finden, wenn der HSV mich nicht mehr will. Im Mai werden wir uns hier zusammensetzen und entscheiden. Bis dahin bin ich entspannt."

... Trainer Martin Jol: "Seine Stimme ist schon einmalig. Und er nimmt seine Spieler mal in den Arm, bleibt menschlich. Hier muss sich jeder Spieler wohl fühlen, egal ob er auf der Bank sitzt oder Stammspieler ist. Ich werde mich jedenfalls nie beschweren. Der Trainer hat einen extremen Anteil am Erfolg."

... seinen schlimmsten Fehler: "Fußballerisch bereue ich nichts, würde alles noch mal genau so machen. Privat aber nicht, da habe ich nach der Trennung meiner Eltern zehn Jahre nicht mit meinem Vater gesprochen, weil ich sauer und stur war. Erst der Tod meiner Oma, also seiner Mutter, hat mir die Augen geöffnet. Es tut mir nachträglich weh, dass ich diese zehn Jahre verschenkt habe."

... Idole: "Ich habe eins, das ist Stefan Effenberg. Sein Buch habe ich verschlungen. Er hat auch immer eine Meinung gesagt - egal wem und egal wann. Ich habe nie einen Spieler gesehen, der mehr Führungsqualitäten mitbrachte als er."

... seine Heimat: "Zweimal im Jahr fahre ich in mein Heimatland Rumänien nach Bukarest, besuche meinen Vater. Aber leben könnte ich da nicht. Dafür ist es dort viel zu chaotisch und unorganisiert. Meiner Verlobten und mir war eigentlich klar, irgendwann in Köln zu leben - aber Hamburg hat diesen Plan jetzt überholt."

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