French Open

Haas geht als Gentleman, Görges als Zicke

Tommy Haas ging mit Stil und Anstand, Julia Görges zog zum Abschluss der French Open in Paris den Zorn des Publikums auf sich.

Paris. Seitdem sich bei Tommy Haas die Prioritäten verschoben haben, bleibt der Routinier selbst in der Stunde der Niederlage gelassen. "Vater und noch immer Tennisspieler" steht in seinem Twitter-Profil - garniert mit einem grinsenden Smiley. Tochter Valentina spielt in Haas' Leben, das überwiegend in Los Angeles stattfindet, die Hauptrolle. Da schmerzt eine Niederlage im fernen Frankreich nur noch halb so stark, immerhin muss der 34-Jährige nun nicht mehr den Video-Chat bemühen, um seine Familie zu sehen.

Und so gab sich der gebürtige Hamburger versöhnlich, obwohl er in der dritten Runde der French Open in Paris gegen Richard Gasquet 14 Spiele in Folge verloren hatte. Das war ihm schon einmal passiert: 2005, ebenfalls auf dem Court Suzanne Lenglen, dem zweitgrößten Platz am Bois de Boulogne, damals gegen den Russen Nikolaj Dawidenko. "Am besten ich spiele auf diesem Platz gar nicht mehr", sagte Haas. Die Zuhörer zuckten kurz zusammen: Gar nicht mehr spielen? Aus dem Mund von Haas, dessen Karriereende nicht mehr fern ist, klingt das immer nach einer Drohung. Doch Haas versicherte: "Die harten zwei Wochen mit der Qualifikation auf den Außenplätzen vor 20 Leuten haben sich gelohnt." Er wird im kommenden Jahr wiederkommen, wenn es sein Körper zulässt.

Haas scheitert in der dritten Runde von Paris

Die müden Knochen verhinderten Haas' dritte Achtelfinalteilnahme in Paris nach 2002 und 2009. Und ein herausragender Gasquet, die Nummer 20 der Welt. Ab Mitte des zweiten Durchgangs rief das größte französische Tennisversprechen seit Yannick Noah sein immenses Talent ab und "traf fast immer die Linie", wie der faire Verlierer Haas zugab. Natürlich sei er hier und da vielleicht einen Schritt zu langsam gewesen, auch das Knie zwickte im zweiten Satz ganz kurz. Die 7:6 (7:3), 3:6, 0:6, 0:6-Niederlage schrieb Haas allerdings mehr seinem Gegner als der eigenen Müdigkeit zu - eine noble Geste.

Weniger nobel verhielt sich die zweite deutsche Drittrunden-Verliererin im Stade Roland Garros auf dem Platz. Julia Görges, die kühle Norddeutsche aus Bad Oldesloe, zog den Zorn des Publikums auf sich, als sie sich bei einbrechender Dämmerung eine Verletzungspause nahm. Vorher hatte sie schon mit dem Schiedsrichter diskutiert, um einen Abbruch der Begegnung mit der Niederländerin Arantxa Rus zu erwirken, und so ärgerten sich die Zuschauer maßlos über die Zeitschinderei, die Görges in ihrem Augen betrieb.

Es entwickelte sich sogar ein regelrechter Disput zwischen der 23-Jährigen und der Tribüne, bei dem Görges etwas wenig Damenhaftes ins Publikum zischte, wie die Fernsehbilder zeigten. Letztlich wird eine verpasste Chance für die Weltranglisten-27. in Erinnerung bleiben. 6:7 (5:7), 6:2, 2:6 verlor Görges gegen die 21-jährige Linkshänderin Rus und verfehlte das zweite Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier.

Görges gab sich später bemüht routiniert und versuchte das unwürdige Ende ihres Auftritts in Paris zu erklären: "Ich habe halt sechs Dioptrien in meinen Augen und sehe irgendwann nichts mehr. Letztlich ist es aber die Entscheidung des Schiedsrichters." Ihre vermeintliche Fußverletzung, die ihr die minutenlange Pause bescherte, sie allerdings nicht vor dem Aus am späten Sonnabendabend rettete, hatte sie sich, nach eigenen Angaben, bereits in der ersten Runde zugezogen. Wie auch immer: Bei den französischen Zuschauern gab Görges kein gutes Bild ab. Und die vergessen nicht so leicht.

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