Golf: "Ein Spaziergang mit Ärgernissen"

In wenigen Schritten bis zum Handicap Golf ist in jedem Fall ein sehr komplexes Spiel. Ball und Schlagfläche sind eigentlich zu klein, die Bewegung zu groß, das Loch liegt meistens zu weit weg und die Regeln machen einem das Leben schwer. Und doch ist es ein faszinierendes Spiel, eine lebenslange Herausforderung. Die ersten Schritte sind entgegen landläufiger Meinung recht unkompliziert: Einfach einmal ausprobieren! Am besten auf einer öffentlichen Anlage oder einer Driving Range (Übungswiese zum Abschlagen) Schläger und Bälle leihen und die ersten Schläge probieren. Bei einem der vielerorts angebotenen Schnupperkurse mitmachen. Oder mal einen Tag der offenen Tür nutzen.

Über Ausrüstung muss man sich noch keine Gedanken machen - die werden zur Verfügung gestellt. Ein Paar Sportschuhe und bequeme Kleidung, mehr ist für Ihre ersten Versuche nicht erforderlich. Informationen zu Clubs und Anlagen in Ihrer Nähe gibt es beim DGV www.golf.de oder beim Verband clubfreier Golfer www.vcg.de .

Die ersten Bälle fliegen - der Golfer-Ehrgeiz ist geweckt: Nun heißt es am Ball bleiben. Die Auswahl an Einstiegsvarianten ist vielseitig. Gut aufgehoben ist der Einsteiger auf einer öffentlichen Golfanlage. Hier kann er ohne Mitgliedsausweis und Aufnahmegebühren einfach 'mal "drauflos golfen". Viele öffentliche Golfanlagen verfügen über einen 6- oder 9-Loch-Platz, der oft auch ohne Platzreife bespielbar ist - die ideale Möglichkeit, für eine geringe Gebühr schon frühzeitig "echte Golfluft" zu schnuppern. Viele Golfclubs bieten zudem Einsteigern auch ohne Mitgliedsausweis die Nutzung ihrer Übungseinrichtungen an.

Besonders beliebt sind Schnupperkurse während einer Urlaubsreise. Allein 12,2 Prozent aller Mitglieder in deutschen Golfclubs geben den Urlaub als Erstkontakt zum Einstieg in den Golfsport an (Quelle: GTC). Clubs und öffentliche Anlagen bieten Unterricht bei einem Golflehrer, in Fachkreisen "Pro" genannt, an. Gerade zu Beginn empfiehlt es sich, Trainingsstunden bei einem Experten zu nehmen. Erfolge stellen sich dann schneller ein. Wenn mehrere Golfanlagen in Ihrer Nähe sind, lohnt es sich, die verschiedenen Angebote zu vergleichen.

Reifeprüfung Hat man hier seinen Spaß am Golf entdeckt, will man irgendwann auch mal auf den Platz. Dafür ist jedoch noch eine Hürde zu nehmen. Zunächst muss man nämlich eine Prüfung ablegen. Die so genannte Platzreife (PE). Sie besteht ähnlich wie ein Führerschein aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Da muss jeder "Rabbit" (Golf-Anfänger) durch. In der Vorbereitung auf die Platzreifeprüfung gehört auch das Lernen der Regeln und Etikette. Als Etikette bezeichnet man die Verhaltensregeln auf dem Golfplatz, das sportlich-faire Verhalten während des Spiels: "Rücksichtname", "Fairness", "Höflichkeit", "Sportsgeist". Mit anderen Worten: Etikette ist die Übertragung von gesundem Menschenverstand und guten Manieren auf die besonderen Gegebenheiten des Golfsports.

In der praktischen Prüfung müssen meist 9 Löcher gespielt werden, bei denen man nach dem Stableford-System eine bestimmte Punktzahl erreichen muss. Im Allgemeinen kann man mit mindestens 10 Trainerstunden (inkl. Prüfung) zum Absolvieren der PE rechnen. Außerdem sollte man dann schon einen Halbsatz Schläger haben. Hier empfiehlt sich Putter, Sandwedge / Eisen 5/7/9 und vielleicht ein Holz 5. Außerdem braucht man eine Tasche (Bag), Golfschuhe und natürlich Bälle. Unverzichtbar ist auch die Anschaffung eines Handschuhs, sonst hat man schnell Blasen.

Handicap - was ist das? Mit der Platzreife erhält der Anfänger ein Handicap (Vorgabe) von 54. Handicap - was ist das eigentlich? Stellen Sie sich einmal vor, wie es wäre, wenn Sie im Tennis gegen Boris Becker antreten müssten. Auch wenn er ihnen einen Vorsprung von 30:0 oder 40:0 geben würde, wäre das sicher noch eine sehr einseitige, frustrierende Angelegenheit. Beim Golf ist es durchaus für jedermann möglich, gegen Tiger Woods anzutreten und ihn sogar zu besiegen, denn jeder Amateur hat im Golfsport ein Handicap gegenüber den professionellen Spielern. Bei Turnieren müssen sie immer die tatsächlich gespielten Schläge angeben.

Amateure dagegen haben den Vorteil, dass vom Rundenergebnis eine gewisse Zahl von Schlägen abgezogen wird (Vorgabe). Angenommen also Tiger Woods würde eine Par-72-Runde spielen. Sie hingegen benötigen 100 Schläge, haben jedoch ein Handicap von 30. Ihr Netto-Ergebnis wäre also 70 Schläge und Sie hätten den weltbesten Golfspieler im Vergleich zu Ihrer Spielstärke geschlagen. Das Handicap wird für Club-Mitglieder beim Deutschen Golf Verband oder beim Verband clubfreier Golfer verwaltet. Anfänger können ihr Handicap bei allen vorgabewirksamen Turnieren verbessern, müssen es aber nicht. Denn es gibt auch immer mehr Golfer, für die nicht der Ergeiz und die Jagd nach dem besseren Handicap, sondern der Spaß am Spiel im Vordergrund steht. Oder wie es Mark Twain beschrieben hat, als "ein Spaziergang mit Ärgernissen" betrachten.