Roadtrip

Slowenien – Von den Alpen bis zur Adria in zwei Stunden

Wie ein Schwalbennest klebt die im 16. Jahrhundert erbaute Festung Predjama an der Felswand vor dem Höhleneingang.

Wie ein Schwalbennest klebt die im 16. Jahrhundert erbaute Festung Predjama an der Felswand vor dem Höhleneingang.

Foto: Jürgen Bungert / Bungert

In Slowenien sind die Wege kurz – und sehr gut ausgebaut. Von den Julischen Alpen bis zur Küste dauert die Autofahrt nur zwei Stunden.

Ljubljana.  Der Aufstieg zum schneebedeckten Gipfel ist schweißtreibend. 20 quälende Stunden dauert es, bis der Triglav bezwungen ist. Mit 2864 Metern ist er der höchste Berg Sloweniens. Ein Nationalsymbol, das sich im Wappen und auf der Fahne des Landes wiederfindet. Jeder Slowene, heißt es, sollte einmal in seinem Leben den Berg besteigen.

Auch Andreja war oben. Als 14-Jährige. Mit ihren Eltern und ihrem Bruder. Zwei Tage haben sie damals gebraucht. Heute empfängt uns Andreja Knific am Flughafen von Ljubljana. Sie will uns in den nächsten sechs Tagen ihr Land zeigen. Die heute 46-Jährige ist ein wahres Temperamentbündel. Sie hat bereits die Gipfel der 40 höchsten Berge Sloweniens erklommen. „Auf geht’s“, treibt sie uns an. Mit dem Bus fahren wir gen Norden ins Gebirgsdorf Kranjska Gora, Sloweniens Zentrum für Aktivurlaub und Wintersport. Unterwegs sehen wir zu unserer Linken die drei Gipfel des Triglav.

Wir sind in den Julischen Alpen, die sich durch den Nordwesten Sloweniens erstrecken. Der Triglav liegt im Zentrum des gleichnamigen Nationalparks. Triglav bedeutet Dreikopf. Einer Legende nach thronte auf dem Berg ein slawischer Gott, der mit einem Kopf den Himmel, mit dem zweiten die Erde beherrschte und seinen dritten Kopf dem unterirdischen Reich zuneigte. 1778 wurde der Höhenzug erstmals von Bergsteigern bezwungen.

In den Wäldern leben Steinböcke, Gämsen, Rothirsche, Auerhähne und Luchse. Etwa 500 Braunbären haben hier ihre Reviere. Ebenso hat der Bestand der Wölfe wieder zugenommen. Hoch oben am Himmel ziehen Steinadler ihre Runden. Dichte Wälder bedecken mehr als die Hälfte des Landes. Die üppigen Mischwälder und bunten Blumenwiesen sowie die saubere Umwelt sind der Grund, warum Slowenien als das Bienenland Nr. 1 in der Welt gilt. Hier gibt es den besten Honig. Umweltschutz wird großgeschrieben.

Das Wasser in Slowenien ist das sauberste weltweit

Slowenien, das seit dem 1. Mai 2004 der Europäischen Union angehört, hat als erstes Land unter den Beitrittsländern alle Kriterien für den Umweltschutz erfüllt. Die Europäische Kommission wählte Ljubljana zur „Grünen Hauptstadt Europas 2016“. Fahrräder genießen in der Metropole absolute Priorität. Durch die Innenstadt fahren soge­nannte Kavalire. Das sind Elek­trofahrzeuge, die eine kostenlose Beförderung anbieten. Das Wasser in Slowenien ist das sauberste weltweit. Die knapp über zwei Millionen Einwohner gelten als vorbildliche Umweltschützer.

Urlauber finden gut ausgebaute Straßen vor, regelmäßige Busverbindungen, ein funktionierendes Eisenbahnnetz und ein großes Angebot an Hotels, Hostels und Pensionen. Die älteren Slowenier sprechen meistens Deutsch, die jüngeren Englisch. Das Land zwischen Alpen und Adria ist klein, nicht einmal halb so groß wie Niedersachsen. Die Wege sind kurz. Vom Gebirge bis zur Küste dauert die Fahrt mit dem Auto ­etwa zwei Stunden.

Nach einer guten halben Stunde Busfahrt vom Flughafen halten wir in Bled. Bürgermeister Janez Fajfar bittet zu Tisch und stellt sein 5000-Seelen-Dorf vor: ein moderner Badeort mit Berghäusern im alpinen Stil, Villen aus der Gründerzeit, einem Casino und einem See, mit 24 Grad Wassertemperatur der wärmste in den Alpen. Das Dorf ist ein Zentrum für Gesundheits- und Sporttourismus. Angeboten werden Bergwandern, Mountainbiking, Rafting, Rudern und im Winter Skifahren.

Die Fahrt ins Alpendorf Kranjska Gora führt durch ein Naturgebiet: faszinierende Panoramen für Aktivurlauber im Sommer wie für Skifahrer im Winter. Der Ort im Dreiländereck von Slowenien, Österreich und Italien ist umgeben von den Gipfeln der Fast-Dreitausender. Ein Winterwunderland mit 20 Liftanlagen. „Hier heißt es“, sagt Andreja, „wenn ein Kind zur Welt kommt, steht ein paar Ski neben der Wiege.“

Unser nächstes Ziel heißt Predjama. Ein Dorf, das durch seine uneinnehmbare Höhlenburg bekannt wurde. Eine Dreiviertelstunde dauert die Fahrt gen Süden. Wie ein Schwalbennest klebt die im 16. Jahrhundert erbaute Festung an der Felswand vor dem Höhleneingang. Einst hausten hier Raubritter. Wenn kaiserliche Soldaten aufmarschierten, versorgten sie sich durch die geheimen Stollen mit Nahrung und Munition. Der berühmteste unter ihnen war Erasmus. Ein Jahr lang soll er seine Belagerer auf diese Weise genarrt haben.

Eine unterirdische Halle nutzte der Adel einst für Konzerte

Doch die am meisten besuchte Tropfsteinhöhle Europas liegt ein paar Autominuten weiter. Es ist die Postojna-Grotte. Die Reise mit dem Elektrozug unter die Erde dauert zehn Minuten. Ein Guide führt uns durch ein Labyrinth von Tropfsteinfiguren. Das Höhlensystem ist 24 Kilometer lang und besteht aus Gängen, Galerien und einer riesigen Halle, dem sogenannten Konzertsaal, in dem sich einst die adelige Gesellschaft zu Musikevents unter Tage traf.

Noch am Abend startet der Bus Richtung Küste. Sie erstreckt sich auf 46 Kilometern von der italienischen bis zur kroatischen Grenze. Venezianisch geprägte Städtchen reihen sich aneinander: das touristische Portorož, der Küstenort Piran mit schöner Altstadt, die Seehafenstadt Koper und das beschauliche Izola. Das Städtchen gilt als Geheimtipp, im Restaurant des Hotels Marina treffen sich Gourmets. Chefkoch Ivica Evačić verpflichtet sich zum Null-Kilometer-Prinzip: kurze Wege für die Ware. Fisch aus dem Meer vor der Küste, Fleisch, Gemüse und Weine von Bauernhöfen und Winzern aus der Region. Zwei Frauen bieten beste Waren. Irena Fonda, einzige slowenische Meeresfischzüchterin, deren „Fonda Piraner Wolfsbarsch“ international Anerkennung findet. Und Ingrid Mahnič, Sloweniens prominenteste Winzerin, ausgezeichnet als einzige Frau mit einem Oscar für den besten Wein ihres Landes.

Nur eine gute Stunde dauert die Fahrt in die Hauptstadt. Die knapp 290.000 Einwohner leben in einer der schönsten Städte Europas, die in Deutschland unter dem Namen Laibach bekannt ist. Ljubljana liegt in einem Moorgebiet. Im 4. Jahrtausend vor Christus siedelten sich hier die ersten Menschen an. Sie lebten in Pfahlbauten, deren Überreste zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Durch Ljubljana fließt die Ljubljanica, deren Ufer Anziehungspunkt für viele Studenten der Stadt ist.

In der Altstadt führen ein Steg und vier Brücken über den Fluss. Berühmtester Übergang sind die „Dreibrücken“, geschaffen von Sloweniens erfolgreichstem Architekten, Jože Plečnik. Ausgangspunkt für viele Touren ist der nahe Prešerenplatz. France Prešeren war der Nationaldichter des Landes, lebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vor seiner Statue auf dem Platz nehmen wir Abschied mit einem Trinkspruch aus seiner Feder, der heute Nationalhymne ist: „Ihr Freunde, hebt die Gläser ...“

• Tipps & Informationen

Anreise Adria Airways fliegt ab Berlin dreimal die Woche direkt nach Ljubljana.

Mietwagen Kann man gleich am Flughafen Ljubljana ab 30 Euro pro Tag mieten (www.rentalcars.com).

Unterkunft: z. B. im Vier-Sterne-Resort Ramada in Kranjska Gora ab 48 Euro p. P. im DZ inkl. HP. Oder im Vier-Sterne-Hotel Mirta im San Simon Resort in Izola ab 45 Euro
p. P. im DZ inkl. HP (ab 38 Euro p. P. im DZ nur mit Frühstück). Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel Slon in Ljubljana ab 110 Euro für ein DZ (2 Personen) inkl. Frühstück. Das Hotel soll zum Fünf-Sterne-Haus umgebaut werden, danach wird der Preis ansteigen.

Auskunft: Slowenisches Fremdenverkehrsamt in München, Tel. 089/ 29 16 12 02, slowenien.de@
slovenia.info, www.slovenia.info

(Die Reise wurde unterstützt durch das Slowenische Fremdenverkehrsamt.)