Erfolgsgeschichte

Erst kleiner Online-Shop, jetzt florierender Handel

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Ann-Kathrin Schweers
Geschäftsführer Florian Wucherpfennig zeigt eines der ersten eigenen Marken-Produkte von ReWu: ein Dekoschild aus Treibholz. 

Geschäftsführer Florian Wucherpfennig zeigt eines der ersten eigenen Marken-Produkte von ReWu: ein Dekoschild aus Treibholz. 

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Das Start-up ReWu aus Reinbek hat 2019 beim Umsatz erstmals die Millionenmarke geknackt. Und das Unternehmen wächst weiter.

Reinbek. Die Corona-Pandemie sorgt für einen gewaltigen Boom im Online-Versandhandel. DHL berichtete dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, im Weihnachtsgeschäft 2020 allein in einer Woche 56 Millionen Pakete ausgeliefert zu haben und somit mehr als jemals zuvor in seiner Unternehmensgeschichte.

Die Umsätze steigen auch beim Reinbeker Start-up-Unternehmen ReWu gewaltig, das über Amazon Handelsware vertreibt. Geschäftsführer Florian Wucherpfennig (38) ist überwältigt. Wo andere Branchen Kurzarbeit anmelden, sucht er neue Mitarbeiter.

Zu Beginn verkaufte das Unternehmen über Amazon Möbel

Nachdem der Hamburger zwölf Jahre lang in der Veranstaltungsbranche tätig war, europaweit Galas und jüdische Hochzeiten organisiert hatte, heuerte ihn ein Freund im März 2017 an, einen Onlineshop aufzubauen. Dabei handelte es sich um Stefan Remer, der in Neuschönningstedt das Möbelhaus Remer betreibt.

„Wir haben angefangen, über Amazon Möbel zu verkaufen und schnell das Potenzial erkannt“, erklärt Florian Wucherpfennig. Und so entstand ReWu – das „Re“ steht für Remer, der noch heute Teilhaber ist, das „Wu“ für Wucherpfennig.

Nachfrage einzelner Artikel bei Amazon wird genau analysiert

Im August 2017 war der erste Artikel in ReWus Amazon-Shop Ofenlack. „Den bieten wir auch heute noch an“, sagt Wucherpfennig. Mittlerweile sind es mehr als 1000 Artikel. Und anstatt Möbel werden Handelswaren verschiedenster Art – vom Windlicht bis zum Planschbecken – angeboten. Der Geschäftsführer verbringt viel Zeit damit, Artikel zu analysieren, die bei Amazon gut laufen. „Dafür gibt es entsprechende Tools“, erklärt er.

Wichtig ist ihm, keinen „Ramsch“, sondern hochwertige Dinge zu listen. „Aber sicherlich haben wir auch Kleinstware im Angebot, die in China produziert wird. Die Masse machen aber Haushaltswaren, Deko-Artikel und Porzellan aus.“

Mit Tatwerk fand das Reinbeker Unternehmen einen „super Partner“

Als der Unternehmer sich irgendwann vor Bestellungen nicht mehr retten konnte, kam ihm die Idee, beim Verpacken und Versenden mit einer Werkstatt für behinderte oder psychisch erkrankte Menschen zusammenzuarbeiten. „Mit dem Tatwerk haben wir einen super Partner“, sagt Wucherpfennig. In der Einrichtung im Gewerbegebiet werden seelisch erkrankte Menschen beruflich rehabilitiert.

Als dann 2018 das Sozialkaufhaus im Gebäude des Tatwerks dichtgemacht hat, wurde ReWu neuer Mieter. Hier stampfte Florian Wucherpfennig mithilfe seines ersten Angestellten, dem heutigen Lagerchef Markus Zinn (40), einen Versandhandel samt Lager und Büro aus dem Boden. Zuerst auf 100 Quadratmetern, mittlerweile sind es 630. Und obwohl ReWu einen beachtlichen Teil seiner Artikel direkt bei Amazon lagert, schaut Florian Wucherpfennig sich bereits nach einer größeren Halle um. Am liebsten ganz in der Nähe des Tatwerks.

Zusammenarbeit verleiht der Arbeit eine soziale Note

Lagerchef Markus Zinn schwärmt: „Die Zusammenarbeit mit dem Tatwerk ist harmonisch. Sie verleiht unserer Arbeit auch eine soziale Note.“ Die Menschen von dort unterstützen das ReWu-Team täglich beim Etikettieren und Verpacken der Ware. Alle sind mit viel Freude am Werk, das ist ihnen anzumerken. Einer sagt: „Wenn das nicht so wäre, würde ich bestimmt nicht jeden Tag wiederkommen.“ Besser hätte der Neustart für den Hamburger Wucherpfennig nicht laufen können.

Von der Umsatzentwicklung können andere Start-ups nur träumen: Im Startjahr 2017 waren es 200.000 Euro, 2018 schon 700.000, 2019 knackte ReWu die Millionenmarke und vervielfachte seinen Umsatz 2020 erneut. „Corona macht sich deutlich bemerkbar“, interpretiert der Chef die Zahlen. Der stärkste Tag ist Montag – Kampftag, wie Wucherpfennig sagt.

ReWu bietet seine Produkte mittlerweile auch bei Otto und Ebay an

Die Kunden, die mittlerweile europaweit bestellen, nutzen das Wochenende, um online einzukaufen. Dann gehen zum Wochenbeginn schon mal 1200 Pakete per DHL raus. „Zum Vergleich: Vor Corona waren es an einem Montag 200 bis 300 Pakete“, sagt der Geschäftsführer. Der Bestseller: eine Türgarderobe, von der 150 Stück am Tag in elektronischen Warenkörben landen würden.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Zwar rechnet Florian Wucherpfennig damit, dass der Online-Handel auch ein Stück weit wieder abnehmen wird, sobald die Corona-Krise vorüber ist. Aber: „Tendenziell wird es weitergehen. Gerade auch ältere Menschen haben sich mit dem Einkauf bei Amazon auseinandergesetzt und man merkt, es gefällt ihnen.“ Um sich breiter aufzustellen, bietet ReWu seine Produkte mittlerweile auch bei Otto und Ebay an. Zudem arbeitet Wucherpfennig an einem eigenen Onlineshop. Denn das Unternehmen will seine Marke etablieren, immer mehr eigene Produkte in den Verkauf bringen.

Seit Ausbruch der Pandemie vier Mitarbeiter eingestellt

Seit Ausbruch der Pandemie stellte ReWu deshalb vier Mitarbeiter ein und sucht noch weitere. Mit dem Abiturienten Phil Blietz (21) wird im Sommer der erste Azubi zum Kaufmann im E-Commerce ausgebildet. Zudem freut ReWu sich, zwei Klienten aus dem Tatwerk im Mai auf den ersten Arbeitsmarkt übernehmen zu können. Einen oder zwei Lagerlogistiker würde der Chef zudem gerne im Team willkommen heißen. „Vor zwei Jahren waren es noch ein Mitarbeiter und ich“, blickt Florian Wucherpfennig verblüfft zurück.

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