Stormarn
Müllentsorgung

Stormarner lassen Abfall unter der Erde verschwinden

Abendblatt-Mitarbeiterin Amélie Gloyer testet einen der neuen unterirdischen Abfallbehälter in Bad Oldesloe. Sie sollen weniger Verschmutzung am Container-Standort bewirken.

Abendblatt-Mitarbeiterin Amélie Gloyer testet einen der neuen unterirdischen Abfallbehälter in Bad Oldesloe. Sie sollen weniger Verschmutzung am Container-Standort bewirken.

Foto: Mary-Nell Hertel

Konzept gegen Müllsünder: Bad Oldesloe hat die ersten Unterflurbehälter für Papier und Glas. Großhansdorf folgt bis zum Sommer.

Grosshansdorf. Sie sind dreist und rücksichtslos, laden immer wieder Papier-, Kunststoff- und Gartenabfälle neben Wertstoff-Containern ab, sogar Sperrmüll und Elektroschrott: Müllsünder in Stormarn. 153.000 Euro im Jahr kostet es die Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) jährlich, vermüllte Container-Standorte im Kreis zu reinigen.

Auch in Bargteheide soll es die Behälter bald geben

Nun setzen das Unternehmen sowie die ersten Kommunen und Investoren von Neubaugebieten auf eine neue Lösung: Unterirdische Wertstoff-Container. Diese sogenannten Unterflurbehälter werden im Unterschied zu den herkömmlichen Depotcontainern im Boden versenkt. Sie haben an der Straße sichtbar nur einen kleinen Aufsatz, durch den Altpapier oder Altglas entsorgt werden können. Die erste Anlage dieser Art in Stormarn ist im vergangenen Dezember in Bad Oldesloe aufgestellt worden, im Neubaugebiet Claudiusstraße, mit drei Unterflurbehältern für Papier, Weiß- und Buntglas. Und weitere im Kreis Stormarn sind schon geplant, in Großhansdorf und in Bargteheide.

„Die Situationen vor Ort sind deutlich besser geworden, was die Verschmutzung und illegale Müllentsorgung angeht“, sagt Olaf Stötefalke, Pressesprecher der AWSH, über die Erfahrungen des Entsorgers mit den Abfallbehältern unter der Erde. Das Unternehmen betreibt solche auch an drei Standorten im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Besserer Zugriff für Menschen mit Behinderung

Die AWSH leert alle öffentlichen Wertstoffcontainer für Papier und Altglas, teilweise mit Hilfe von beauftragten Firmen, und ist dafür zuständig, die Containerstandorte zu reinigen. Die Flächen für letztere sind wiederum im Eigentum der Kommunen, die auch die Kosten für den Bau und das Aufstellen der Abfallbereiche und –behälter tragen.

„Die Unterflurbehälter nehmen oberirdisch weniger Platz ein, sie sind besser einsehbar und das schreckt Müllsünder offenbar ab“, sagt Olaf Stötefalke. Neben einer besseren Optik, weniger Platzverbrauch und weniger Reinigungsaufwand sieht er zudem einen weiteren Vorteil der Anlagen: „Die niedrig gelegenen Öffnungen bieten Menschen mit einer Behinderung einen besseren Zugriff als die höheren Öffnungen der herkömmlichen Container.“

Bürgermeister sieht Vorteil in Lärmreduzierung

Diese Vorteile sind auch der Grund, warum in Großhansdorf am Eilbergweg die oberirdischen Depotcontainer am U-Bahnhof durch Unterflurbehälter ersetzt werden. „Wir hatten in der Gemeinde massive Probleme mit illegaler Müllentsorgung und Verschmutzungen an unseren Containerstandorten“, sagt Bürgermeister Janhinnerk Voß. Daher sei der Standort Sieker Landstraße/Grenzeck aufgegeben und am Waldreiterweg der Papierbehälter entfernt worden.

Am Eilbergweg hofft man nun auf das neue unterirdische Abfallsystem als Lösung. Spätestens im Frühsommer sollen die Unterflurbehälter dort aufgestellt sein „Das Ganze ist zunächst ein Versuch, wir müssen schauen, ob es funktioniert“, so Voß. „Wenn sich die neuen Behälter bewähren, werden wir gegebenenfalls auch andere Containerstandorte umbauen.“ Er sieht noch einen weiteren Vorteil der Unterflurbehälter: „Das Einwerfen von Flaschen ist leiser und damit für Anwohner weniger störend.“

In Lübeck hat sich das Konzept bewährt

Am Eilbergweg kostet der Umbau die Gemeinde rund 30.000 Euro. „Das Installieren von Behältern unter der Erde ist natürlich aufwendiger als das bloße Aufstellen von Containern an der Straße“, sagt der Bürgermeister. Auch seien nicht alle Plätze für Unterflurbehälter baulich geeignet und nutzbar. Voß ist dennoch von dem System überzeugt: „In anderen Städten und Gemeinden und im Ausland hat es sich bewährt, ich habe es selbst schon in Dänemark in Betrieb gesehen.“

In Stormarns Nachbarstadt Lübeck werden die unterirdischen Wertstoff-Container schon seit einigen Jahren benutzt, etwa im Hochschulstadtteil. Es gibt von ihnen acht Anlagen als öffentliche Müllsammelstellen und zudem acht Anlagen für den privaten Gebrauch in Wohnquartieren, dort auch für Rest- und Biomüll. „An den Standorten ist es deutlich sauberer geworden“, sagt Cornelia Tews, Pressesprecherin der Lübecker Entsorgungsbetriebe, die in der Hansestadt die Anlagen leeren. „Offensichtlich ist die Hemmschwelle größer, dort einfach Müll neben den Behältern zu entsorgen. Müllsünder können sich und ihren Unrat nicht so leicht verbergen.“

In Stormarn sind auch in Bargteheide noch unterirdische Abfallbehälter geplant. Dort im Neubaugebiet Märchenviertel an der Verlängerung des Erich-Kästner-Wegs. Wenn dort im nächsten Jahr der Häuserbau in der Endphase ist, sollen die Abfallbehälter unter der Erde eingebaut werden.