Stormarn
Neues Projekt

Alle Bargteheider sollen Klimaretter werden

Gemeinsam für den Klimaschutz: Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht und Klimaschutzmanagerin Ulrike Lenz werben für die Aktion.

Gemeinsam für den Klimaschutz: Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht und Klimaschutzmanagerin Ulrike Lenz werben für die Aktion.

Foto: Melissa Jahn

Stadt will Bürger mit einem Punktesystem motivieren, mehr für die Umwelt und Gesellschaft zu tun. Ahrensburg könnte 2020 folgen.

Bargteheide/Ahrensburg. Weniger konsumieren, aufs Rad umsteigen, Werkzeuge verleihen – und damit auch noch Punkte sammeln? Das geht. Die Stadt Bargteheide möchte ihre Bürger motivieren, zu sogenannten Future Changern zu werden und sich damit aktiv als Klimaretter zu beteiligen. Möglich machen soll dies ein Online-Tool des Klima-Bündnisses, einem europäischen Netzwerk für mehr Klimaschutz. Der Aktionszeitraum ist vom 4. November bis zum 3. Dezember.

„Klimaschutz ist ein großes Thema, das bei jedem Einzelnen gleich morgens mit der Wahl der Zahnbürste anfängt“, sagt Ulrike Lenz, Klimaschutzmanagerin der Stadt. „Es geht um die Umwelt, das Zusammenleben in der Gesellschaft und globale Gerechtigkeit.“ Sieben Mal lag Bargteheide beim Stadtradeln – ebenfalls eine Aktion des Klima-Bündnisses - auf dem ersten Platz im Kreis Stormarn. Dass die Kommune beim Klimaschutz generell die Nase vorn hat, soll jetzt der neue Wettbewerb beweisen. Das Onlinetool bietet die Möglichkeit, bereits mit kleinen Aktivitäten einen Beitrag zu leisten. Dafür werden dann Punkte verteilt. Bundesweit machen derzeit erst neun weitere Pilotkommunen mit. Bargteheide ist die nördlichste – und bisher einzige in Schleswig-Holstein.

Durch das Tool werden 24 Aktionen gefördert

Ab dem kommenden Jahr erhoffen sich die Organisatoren, dass weitere Städte und Gemeinden nachziehen. „Die Aktion richtet sich an Einzelpersonen, Gruppen und Schulen“, sagt Lenz. „Bei diesem niedrigschwelligen Ansatz geht es darum, ein Bewusstsein für klimafreundliches Handeln zu entwickeln.“ Warum kauft zum Beispiel der Fußballverein Trikots, die in Bangladesch gefertigt wurden? Kann die Kirchengemeinde auf Fair-Trade-Kaffee umstellen? Und wie kann sich die Politik stärker für Umweltschutz einsetzen?

24 unterschiedliche Aktionen werden durch das Tool gefördert, bis hin zur Teilnahme an öffentlichen Diskussionen zum Thema Umwelt. Es gehe um alltägliche Bereiche, die jeder beeinflussen könne, sagt Lenz. „Wir wollen unsere Bürger auffordern, sich einzumischen und etwas zu verändern.“

Stadt will das Engagement der Bürger mit Preis würdigen

Außer Bargteheide hat auch Ahrensburg über eine Teilnahme nachgedacht, doch das Thema zunächst auf kommendes Jahr verschoben. Um das Projekt ins Laufen zu bekommen, fehle ihr die Zeit, sagt Klimaschutzmanagerin Jule Lehmann, seit Mitte des Jahres im Dienst. „In Ahrensburg ist in den vergangenen 20 Jahren nicht viel in puncto Klimaschutz passiert, das muss ich zunächst aufholen“, sagt Lehmann.

In der Schlossstadt sei Mobilität ein großes Thema. Stadtweit sollen E-Bike-Stationen eingerichtet werden, da Wege in die Innenstadt noch viel zu oft mit dem Auto zurückgelegt würden. „Nach einem erfolgreichen ersten Durchlauf könnte ich mir die Teilnahme auch von Ahrensburg vorstellen“, sagt Lehmann. „Ich hoffe, dass wir in Zukunft personell breiter aufgestellt sein werden.“

Engagement der Bürger wird mit einem Preis gewürdigt

In Bargteheide gibt es die ersten 35 Punkte bereits für eine Lesung inklusive anschließendem Gespräch mit Günther Wessel. Der Journalist und Autor des Buches „Vier fürs Klima“ hat zusammen mit seiner Familie versucht, zwölf Monate lang seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern. Gespickt mit Ratschlägen zahlreicher Experten sei ein faktenreiches Buch entstanden, sagt Ulrike Herberg von der Bargteheider Buchhandlung. „Inhaltsreich, aber äußerst unterhaltsam“, heißt es.

Wie beim Stadtradeln wird das Engagement der Bürger am Ende mit einer Abschlussveranstaltung und einem Preis gewürdigt. Was es genau sein wird, steht aber noch nicht fest. „Ich bin mir sicher, dass diese Aktion perfekt zu Bargteheide passt“, sagt Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht zum Abendblatt. „Jetzt brauchen wir nur noch genügend Bürger, um die Idee realisieren zu können.“