Stormarn
Unfall

Seniorin (85) fährt in Ahrensburg gegen Mauer und stirbt

Bei einem Unfall auf der Manhagener Allee in Ahrensburg ist eine Seniorin ums Leben gekommen. Notarzt und Feuerwehr (Symbolbild) konnten der Frau nicht mehr helfen.

Bei einem Unfall auf der Manhagener Allee in Ahrensburg ist eine Seniorin ums Leben gekommen. Notarzt und Feuerwehr (Symbolbild) konnten der Frau nicht mehr helfen.

Foto: imago/Deutzmann

Frau hatte möglicherweise krankheitsbedingt Kontrolle über ihr Auto verloren. Statistik belegt Zunahme von Unfällen mit Senioren.  

Ahrensburg. Schon wieder ein schrecklicher Unfall mit Beteiligung einer Seniorin im Stormarner Straßenverkehr: Eine 85 Jahre alte Autofahrerin ist auf der Manhagener Allee in Ahrensburg tödlich verunglückt. Nach Angaben der Polizei vom Donnerstag war die Frau am Mittwoch gegen 10.35 Uhr aus Richtung Großhansdorf kommend in Richtung Schlossstadt unterwegs. Am Übergang der Sieker Landstraße zur Manhagener Allee geriet die Frau mit ihrem Mercedes zunächst gegen den rechten Kantstein, überfuhr die Fahrstreifen bis zur linken Straßenseite und kam dort von der Fahrbahn ab. Dann prallte der Wagen gegen ein geparktes Auto, gegen einen Zaun und schlussendlich gegen eine Mauer.

Bei dem tragischen Unfall entstand Sachschaden von 27.500 Euro

Ein Zeuge des Unfalls begann sofort, die bewusstlose Seniorin zu reanimieren. Wenige Minuten später traf der Notarzt am Unfallort ein, der konnte der älteren Dame aber nicht mehr helfen. Die Frau starb kurz darauf im Krankenhaus. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass die 85-Jährige aufgrund einer Krankheit die Kontrolle über ihren Wagen verloren hatte. Bei dem tragischen Unfall entstand zudem ein Sachschaden in Höhe von rund 27.500 Euro.

Fahrlehrerverband fordert Fahrtauglichkeitstests für Senioren

Immer wieder kommt es zu zum Teil schweren Unfällen mit fahruntüchtigen Senioren im Straßenverkehr. Erst kürzlich hatte der Vorsitzende des Fahrlehrer-Verbandes Stormarn, der Ahrensburger Daniel Pacher, gefordert: „Eine regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit für Senioren gesetzlich festzuschreiben, ist meiner Meinung nach längst überfällig.“ Erst Anfang Juli hatte eine 75-Jährige in Tangstedt einen Radfahrer übersehen, gerammt und schwer verletzt. In Lütjensee war eine 70 Jahre alte Fahrerin im Juni mit ihrem Auto in die Fassade eines Supermarktes gerast.

Immer mehr Rentner in Stormarn in Unfälle verwickelt

Die Unfallstatistik der Polizeidirektion Ratzeburg zeigt: Im ersten Halbjahr 2019 haben Autofahrer im Alter über 65 Jahre 172 Verkehrsunfälle im Kreis Stormarn verursacht – mehr als doppelt so viele wie die eigentlich als Risikogruppe geltenden 18- bis 24-Jährigen. Die Fahranfänger hatten nur an 75 Unfällen im Kreis Schuld. Am Ende dieses Jahres dürfte damit ein ähnliches Ergebnis stehen wie in den vergangenen fünf Jahren: 2018 verursachten Senioren 216 Verkehrsunfälle, Fahranfänger nur 152. Seit 2017 starben fünf Menschen durch von Senioren verursachte Unfälle. Junge Fahrer waren im selben Zeitraum für keinen Verkehrstoten verantwortlich.

Polizei schaltet im Zweifel Führerscheinstelle des Kreises ein

Auffällig: Innerhalb der Altersgruppe der Senioren nimmt die Zahl der verschuldeten Unfälle mit dem Alter zu. Während die 65- bis 69 Jährigen in den vergangenen fünf Jahren nur etwa ein Fünftel der Seniorenunfälle verursachten, sind es bei den über 75-Jährigen fast zwei Drittel. „Nicht jeder Senior, der einen Unfall verschuldet, verliert automatisch seine Fahrerlaubnis“, sagt Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg, kürzlich im Abendblatt. „Voraussetzung für ein polizeiliches Eingreifen ist, dass der Fahrer eine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellt.“

Allerdings könnten die Beamten bei Anzeichen offensichtlicher körperlicher Einschränkungen, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, der Führerscheinstelle des Kreises Meldung erstatten. „Wir prüfen, wie schwerwiegend die Auffälligkeit ist und fordern von den Betroffenen gegebenenfalls ein hausärztliches Attest an, das die Fahrtüchtigkeit bescheinigt“, sagt Elke Koop, Leiterin der Führerscheinstelle.

Senioren können aber auch freiwillig vorsorgen: „Seit einigen Jahren bieten wir den Fahrfitnesscheck an Fahrschulen an“, sagt Hans Pieper vom Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) Hansa. Im vergangenen Jahr habe an jedem dritten Tag ein Senior den Fahrfitnesscheck, der 59 Euro für ADAC-Mitglieder und 79 Euro für alle anderen kostet, freiwillig genutzt. Im Kreis Stormarn bietet den Fahrtest beispielsweise die Fahrschule Behrendt in Ahrensburg an.